«Utopiestadt» braucht eine Baubewilligung

Energie Wasser Bern will aber zuerst das Gespräch mit der Stadt suchen.

Bereits letzten Sommer hatte die EWB mit den Besetzern einen befristeten Gebrauchsleihvertrag abgeschlossen.

Bereits letzten Sommer hatte die EWB mit den Besetzern einen befristeten Gebrauchsleihvertrag abgeschlossen. Bild: Franziska Rothenbühler

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Seit letztem Sommer ist ein Teil des Gaswerkareals in Bern durch das Kollektiv Anstadt besetzt. Anstadt sei «eine kleine Utopiestadt», der Versuch einer «solidarischen, antikapitalistischen Gesellschaft», teilte das Kollektiv damals mit. Seit kurzem ist nun klar, dass sogar für die antikapitalistische Gesellschaft ein Baugesuch notwendig ist. Das städtische Bauinspektorat habe Energie Wasser Bern (EWB) als Grundeigentümerin aufgefordert, ein Gesuch einzureichen, sagt Bauinspektor Martin Baumann auf Anfrage.

Widerrechtliche Nutzung

EWB hatte im letzten Sommer mit den Besetzern einen sogenannten Gebrauchsleihvertrag abgeschlossen, der bis Ende März 2019 befristet ist, wie der Gemeinderat in der Antwort auf einen SVP-Vorstoss ausführt. Im Vertrag wird festgehalten, dass die Nutzung des besetzten Areals der baurechtlichen Ordnung widerspricht und die mobilen Bauten nach drei Monaten eine Bewilligung benötigen.

Ein Gebrauchsleihvertrag für eine illegale Nutzung ist offenbar möglich. Gegenüber dem «Bund» hatte EWB erklärt, dass kein Widerspruch bestehe, da durch die Gebrauchsleihe lediglich «die praktischen Aspekte der Duldung der Besetzung» geregelt würden. Im Übrigen verurteile man die «illegale Besetzung». Nun ist EWB also aufgefordert, die Besetzung mittels Einreichung eines Baugesuchs bis Ende Januar zu legalisieren. Dieser Aufforderung will das stadteigene Werk aber vorerst nicht nachkommen.

EWB spielt auf Zeit

Gemäss einem Sprecher strebt EWB eine Fristverlängerung zur Einreichung des Gesuches an. EWB müsse zuerst «die Situation analysieren» und werde anschliessend das Gespräch mit der Stadt Bern als künftiger Grundeigentümerin suchen. Nach heutiger Einschätzung werde das Areal nach der Übergabe an die Stadt eine Zeit lang brachliegen, hält der Sprecher fest. «Daher stellt sich die Frage nach einer Zwischennutzung.»

Minimes Zeitfenster

Beim Hinweis auf eine Brache stellt sich aber primär die Frage des Zeitplans für die geplante Überbauung auf dem Gaswerk. Vor zwei Jahren teilte der Gemeinderat mit, dass er das Areal «möglichst rasch» erwerben wolle. Vor dem Kauf muss EWB aber die Altlasten sanieren. Das Baugesuch dafür ist aber immer noch hängig, obwohl die Altlasten laut Kanton bis 2020 beseitigt werden müssen. Das Zeitfenster für die Fortsetzung der Besetzung ist demnach minim. (Der Bund)

Erstellt: 07.12.2018, 18:41 Uhr

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