Ursula Wyss fordert Lösung «innerhalb von 14 Tagen»

Die Gemeinderätin setzt Publibike unter Zeitdruck und verlangt eine rasche Wiederaufnahme des Betriebs.

Das Schliesssystem, das schliesslich versagte.

Das Schliesssystem, das schliesslich versagte.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Simon Thönen@SimonThoenen

Die Stadt Bern sei über den Entscheid informiert, die verblieben Leihvelos einzusammeln und den Betrieb vorübergehend zu unterbrechen, schrieb Publibike gestern in der Medienmitteilung. Die auf städtischer Seite zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) nahm in einer schriftlichen Erklärung Stellung. Der temporäre Betriebsunterbruch sei «sehr bedauerlich und unbefriedigend». Sie anerkenne jedoch die Anstrengungen von Publibike und begrüsse, dass die Abonnenten einen Gratismonat als Entschädigung erhielten.

Vor allem aber forderte Wyss von Publibike, dass die Nachrüstung der fehlerhaften Schlösser «nun aber rasch umgesetzt» werde. «Wir erwarten von Publibike, dass wir in Bern innerhalb von 14 Tagen wieder ein zufriedenstellendes Angebot von Velo Bern haben.» Das heisse, doppelte Wyss nach, dass die Kundschaft bei allen Velostationen «wieder gut funktionierende Velos» vorfinde, «und zwar so, wie sich Velo Bern zu Beginn präsentiert hat».

Stadt verneint Druck

Doch macht dieser Zeitdruck Sinn? Oder wäre es angebracht, von Publibike primär eine funktionierende Lösung zu fordern, auch wenn diese mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte, wie Experten vermuten? Für Nachfragen war Wyss gestern Sonntag nicht erreichbar. An ihrer Stelle antwortete der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel.

Publibike betreibe das Veloverleihsystem zwar im Auftrag der Stadt, aber auf eigenes finanzielles Risiko, schreibt Vogel. Die Firma habe deshalb «selber das grösste Interesse», ihrer Kundschaft «möglichst bald wieder ein funktionierendes System zur Verfügung stellen zu können». Aber, so Vogel, «selbstverständlich hat auch die Stadt als Auftraggeberin legitime Erwartungen». Das Ziel, «in spätestens 14 Tagen» wieder einen funktionierenden Betrieb zu haben, «wurde gemeinsam definiert und wird von Publibike als realistisch eingeschätzt».

Es stimmt, dass auch Publibike diese Frist nennt. Ob sie realistisch ist, wird sich zeigen. Als nicht realistisch hat sich der frühere Entscheid erwiesen, den Betrieb mit unsicheren Schlössern aufrechtzuerhalten, wie der jetzige Betriebsunterbruch zeigt. Hätte Publibike die Leihvelos früher aus dem Verkehr gezogen, wären weniger gestohlen worden. Vergangene Woche hatte Wyss gegenüber dem «Bund» durchblicken lassen, dass eine Betriebseinstellung trotz der Probleme für sie ausser Frage stehe. Hat die Stadt damals Druck ausgeübt, den Betrieb aufrechtzuerhalten? Vogel verneint dies. Publibike habe die Entscheide in eigener unternehmerischer Verantwortung gefällt.

Wären die knapp zwei Millionen Franken, mit denen die Stadt den Verleih unterstützt, verloren, falls Publibike scheitern sollte? Man sei überzeugt, dass Publibike die Probleme bewältigen werde, antwortet Vogel. Die Stadt habe sich aber vertraglich abgesichert. Sie könne den Vertrag mit Publibike vorzeitig auflösen und Schadenersatz verlangen. Von den zwei Millionen ist bisher der Investitionsteil von 500’000 Franken weitgehend ausgegeben, der Rest grösstenteils nicht.

Der Bund

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