Unser aller Gedicht

Adventskalender

Im «Bund»-Adventskalender überraschen sich dieses Jahr die Leserinnen und Leser gegenseitig – mit ihrer Dichtkunst.

Machen Sie sich einen Reim in der Berner Adventszeit.

Machen Sie sich einen Reim in der Berner Adventszeit.

(Bild: Valérie Chételat)

Seit Stunden schon stehen drei Könige vor der Reitschule sorgsam verschlossenem Tor In schweren Säcken tragen sie mit Gold, Weihrauch und Granit.

Wem in der Stadt Bern schenken sie was? YB ein Spielfeld mit echtem Gras. Dann können Schäfchen drauf weiden. Die können sie schwarz-gelb bekleiden.

Tschäppät meldet sich als Hirte mit Stab Bringt er damit wohl die Kicker auf Trab? Bang wartet er nun auf Chlausens Besuch denn mutig plant er den kühnen Versuch,

Den Esel zu tauschen gegen zwei Bären Diesen ein Bad in der Aare gewähren Fast pleite dran ging die Stadt Bern Doch Bären die baden halt gern.

Dies ganze Debakel lasst uns vergessen Den wartenden Königen werden indessen die Säcke durchsucht von der Polizei
Granit vor der Reitschule? Ei, ei, ei!

Das wird Herr Nause nicht behagen
Vor- oder Nachsicht, er muss etwas wagen
Eine Beschwerde oder neuer Pferdestall
Da plötzlich: Schwefeldampf und Knall!

Polit-Fuchs? YB-Pyromanen?
Gar manchem wird jetzt Böses schwanen!
Die Feuerwehr ist schnell vor Ort,
die bösen Buben längstens fort

Freut das nun die Linken?
Ja, sie tun uns freudig winken:
Bringt die Säcke ins Bundeshaus!
Und lasst vorerst mal s Gold heraus.

Ein Paar Schritte nur zu Hildebrand,
Da braucht er freilich viel Verstand,
So nah am Ziele Bethlehem,
Für die Könige ist dies angenehm.

In ihren Säcken nur noch Rauch
Füllt keinen hungerigen Bauch
Essen und Trinken muss nun her
Cüpli, Lachs, Kaviar gefällt heut sehr

Wie wärs mit Käs und Fladenbrot?
Maria, schon in Wehennot
Asyl sucht für die Niederkunft
Geburt im Reitstall? Schmiedenzunft?

Polit-Fuchs riecht den Weihnachtsbraten Tschäppäts würden gerne Paten verewigt nun auf einem Fresco in Bern, Welterbe der Unseco!

Die Adventsgedichts-Jury verbeugt sich in Anerkennung vor Heinrich Späti aus Hasle-Rüegsau. Schon die Zeilen des Vortags stammten von ihm, was in der Jury zu einer glühweinheissen Debatte darüber führte, ob man ihn aus verfahrenstechnischen Gründen auszuschliessen habe. Die bildliche Verewigung der «Bund»-Weihnachtsgeschichte hat es ihr dann aber doch zu fest angetan. Sagen wir es so: Hätten uns diese Zeilen beim Kauen des Weihnachtsmahls erreicht, wir hätten uns mindestens Verschluckungen dritten Grades zugezogen.

Knapp musste sich Erika Daum aus Zollikofen geschlagen geben. Sie hat uns neben einer heiligen auch eine «Unheiligabend-Version» geschickt: «Doch der Herbergsväter Zunft / lässt nur verheiratete Paare ein / Doch der Schrecken ist eher klein / Josef bezeugt nämlich: «Unzweifelhaft / handelt es sich um Scheinschwangerschaft!» Hoppla.Die Jury dankt allen Dichtern, welche dem Werk in guten wie in schlechten Zeilen die Treue hielten. Sie durfte täglich aus einer zweistelligen Zahl von Einsendungen wählen. Rohe Reimprachten! Wir meinten: Frohe Weihnachten!

Der Bund

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