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Uni schmückt sich mit der mächtigsten Frau der Welt

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erhielt am Samstag — in Abwesenheit — den Ehrendoktortitel der Universität Bern. Nächstes Jahr wird sie die Urkunde persönlich abholen.

Zum 175. Geburtstag schenkt sich die Universität Bern einen prominenten Ehrendoktor – respektive eine prominente Ehrendoktorin – doch die weibliche Form des Doctor honoris causa existiert formell gar nicht. Dass Angela Merkel aber eine Frau ist, spielte bei ihrer Kür aber eine fast ebenso grosse Rolle, wie dass sie prominent ist. «Wir wollten unbedingt eine Frau auszeichnen, da sonst extrem wenige Frauen den Ehrendoktor-Titel erhalten», sagt Unirektor Urs Würgler. Dank einem neuen Reglement kann die Universitätsleitung dieses Jahr erstmals einen solchen Titel verleihen, bisher war das Recht den Fakultäten vorbehalten. Die Premiere nutzt Würgler nun, um für Aufsehen zu sorgen. Denn, wie gesagt, Merkel ist nicht nur eine Frau, sondern auch ausserordentlich prominent. Und bekanntlich strahlt der Glanz jedes Ehrendoktors auch auf die Institution, die den Titel verleiht.

Nur als PR-Aktion in eigner Sache möchte Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität, die Wahl aber nicht verstanden wissen. Immerhin sei die Publizität aber ein «nicht unerwünschter Nebeneffekt». Die deutsche Bundeskanzlerin wird den Titel am heutigen Dies academicus im Kultur-Casino nicht selber entgegennehmen – wegen Terminproblemen, wie es heisst. Traurig ist die Uni darüber nicht, denn Merkel hat zugesagt, die Urkunde im nächsten Jahr persönlich in Bern abzuholen, was der Uni auch nach ihrem Jubiläumsjahr noch zu einem prestigeträchtigen Auftritt verhilft. «Das ist eine gute Plattform für die Universität Bern», sagt Rektor Würgler.

Physikerin mit vielen Talenten

Allein wegen ihrer Bedeutung als mächtigste Frau der Welt hat die Unileitung Angela Merkel aber nicht ausgewählt. Dafür gibt es durchaus sachliche Gründe, auch wenn die CDU-Politikerin ganz und gar keinen direkten Bezug zur Uni Bern hat. In der Laudatio wird sie für ihr Engagement zugunsten des Klimaschutzes, des europäischen Integrationsprozesses, der Menschenrechte, des jüdisch-christlichen Dialogs und der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau gelobt. «Das Wirken von Frau Merkel korrespondiert gut mit unseren Schwerpunkten», sagt Würgler. Ausserdem hat die Physikerin dank ihrer Doktorarbeit über quantenchemische Zerfallsreaktionen auch durchaus einen Bezug zur Wissenschaft.

Etwas irritierend ist vielleicht, dass die ausschliesslich der Wissenschaft verpflichtete Universität Merkel in der Laudatio als eine Politikerin würdigt, «die sich konsequent für das öffentliche Wohl verwendet», und ihr damit quasi einen Persilschein ausstellt. Bei einer amtierenden deutschen Bundeskanzlerin gehen die Meinungen über ihre politische Leistung naturgemäss aber weit auseinander. Als «politische Gesamtwürdigung» will Generalsekretär Pappa den Satz auch nicht verstanden wissen. Was der Satz anderes sein soll, bleibt offen.

«Frau Merkel freut sich sehr über die Auszeichnung und nimmt sie gerne an», heisst es beim Bundeskanzleramt. Mehr gibt es aus Berlin derzeit nicht zu berichten. Die Universität Bern darf sich aber auf eine anregende Rede der Kanzlerin bei ihrem Besuch im nächsten Jahr freuen. Als sie 2008 den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule Breslau erhielt, sagte sie beispielsweise: «Es braucht die Freiheit der Forschung, aber ab und zu ist es auch schön, wenn sich die Produkte wissenschaftlicher Arbeit in konkreten Gegenständen, die in der Wirtschaft von Bedeutung sind, niederschlagen.»

Breslau, New York, Jerusalem . . .

Wie viele Ehrendoktorhüte Angela Merkel unterdessen trägt, weiss man selbst in Berlin nicht so genau. Bekannt ist nur, dass die Bundeskanzlerin bisher neben Breslau noch von der University in Exile (New York), der Hebräischen Universität von Jerusalem und der Uni Leipzig, wo sie selber von 1973 bis 1978 studiert hatte, ausgezeichnet wurde.

Bleibt noch die Frage, was passiert wäre, wenn Merkel Ende September abgewählt worden wäre. Hätte die Uni Bern auch eine gescheiterte Politikerin zum Ehrendoktor gekürt? «Natürlich hätten wir das genau gleich durchgezogen», sagt Würgler. Ein grosses Wagnis musste er aber auch gar nicht eingehen. Als der Entscheid für die Ehrenpromotion im Sommer fiel, sass Merkel fest im Sattel. Nun besteht aber natürlich weiterhin ein gewisses Risiko, dass sich der frisch gekürte Doctor honoris causa zur Persona non grata entwickelt – schliesslich ist in der Politik vieles möglich. Statt des erhofften Glanzes würde die Uni Bern dann ihren Teil der Schmäh abbekommen. Aber ja, wenn Merkel ihr Land oder die Welt ins Elend reitet, dann haben wir andere Probleme.

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