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«Unhaltbare Zustände» rund um die Reitschule

Gewaltsame Übergriffe gegen Beamte hätten ein «unhaltbares» Mass erreicht, lässt die Kantonspolizei Bern verlauten. Bei einem Treffen mit Reto Nause und Alexander Tschäppät will sie nach Lösungen suchen.

Die Polizei sucht sich nach den Vorfällen bei der Berner Reitschule Hilfe bei der Stadt.
Die Polizei sucht sich nach den Vorfällen bei der Berner Reitschule Hilfe bei der Stadt.
Valérie Chételat

Flaschen, die zu Wurfgeschossen werden, und zerborstene Polizeiautoscheiben: Gleich zweimal wurde die Kantonspolizei Bern in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor der Reitschule in Scharmützel verwickelt (siehe «Bund» von gestern). Es ist nicht der einzige Vorfall in den letzten Wochen.

Polizeisprecherin Corinne Müller spricht auf Anfrage denn auch von «unhaltbaren Zuständen», was die Polizeiarbeit rund um die Reitschule angehe. «In den letzten Wochen stellten wir eine Häufung der Zwischenfälle fest», so Müller. Eine genaue Statistik über die Zunahme prekärer Polizeieinsätze im Zusammenhang mit der Reitschule steht noch aus.

Zwar beschwerte sich die Polizei bereits in der Vergangenheit darüber, dass sie Einsätze in der Reitschule nicht ungehindert durchführen könne. Im März und September 2011 kam es zu Vorfällen, bei denen auf beiden Seiten Personen verletzt wurden. Die Darstellungen der Vorkommnisse der Reitschule und der Polizei gingen dabei jeweils weit auseinander.

Angriff während Hilfeleistung

Dennoch spricht Müller jetzt von einer Verschärfung: «Bislang ergaben sich die Probleme meist dann, wenn Beamte direkt vor oder in der Reitschule einen Einsatz durchzuführen hatten. Inzwischen ist es so, dass sich die Polizei selbst dann in Acht nehmen muss, wenn sie sich um Zwischenfälle kümmert, die in keinem Zusammenhang mit der Reitschule stehen.» So geschehen etwa in den zwei Fällen vom Wochenende: Ein Seitenfenster des Polizeiautos ging zu Bruch, als sich Beamte auf dem Parkplatz Schützenmatte um eine Person kümmerten, die in einer Schlägerei verletzt worden war. Der zweite Vorfall ergab sich, als die Polizisten von einem Einsatz in Zollikofen zurückkehrend die Reithalle passierten. Diesmal ging die Frontscheibe zu Bruch.

Organisation, Kommunikation und Sicherheit

Die Täter sind unbekannt. «In einem Fall wurden vermummte Personen gesichtet, die aus dem Hinterhalt tätig wurden», sagt Corinne Müller. Für die Polizei hat sich die Situation so weit verschärft, dass sie nun das Gespräch mit den politischen Entscheidungsträgern sucht. Bereits wurde ein Treffen zwischen Manuel Willi, Chef der Kantonspolizei Region Bern, Sicherheitsdirektor Nause und Stadtpräsident Alexander Tschäppät anberaumt. «Unser Ziel ist, dass sich die Rahmenbedingungen so verändern, dass die Polizei ihrer Arbeit rund um die Reitschule ungestört nachgehen kann – wie überall sonst in der Stadt auch», sagt Corinne Müller.

Dass neben dem Sicherheitsdirektor auch der Stadtpräsident am Gespräch teilnimmt, hat mit dem Leistungsvertrag zwischen der Stadt Bern und der Reitschule zu tun, der demnächst dem Parlament vorgelegt wird. Tschäppät soll aufgrund seiner Kenntnisse über das Geschäft beigezogen werden, wie Reto Nause sagt. Der überarbeitete Leistungsvertrag wurde vor zwei Wochen präsentiert – inklusive der neuen separaten «Vereinbarung über Organisation, Kommunikation und Sicherheit».

Strassenblockaden als Auslöser

Auslöser für das Treffen seien die Strassenblockaden Mitte September gewesen, sagt Nause. Zentral sei die Frage, wie man die Übergriffe rund um die Reitschule besser in den Griff bekomme. Denn der Sicherheitsdirektor teilt die Meinung der Polizei: «Die Situation hat sich zugespitzt.» Er glaubt indes nicht, dass die Reitschule-Betreiber um die Urheberschaft der Übergriffe wüssten. So will er das demnächst anstehende Gespräch auch nicht in einen direkten Zusammenhang mit den Sicherheitsklauseln im Leistungsvertrag bringen. Die Reitschule-Betreiber konnten gestern vor Redaktionsschluss keine Stellung mehr nehmen.

In der Zwischenzeit wird die Reithalle nicht zur behördlichen Sperrzone erklärt. Würden Personen gefährdet, rücke die Polizei aus, unabhängig vom Standort, versichert Polizeisprecherin Müller. «Allerdings hat jeder Beamte die Aufgabe, sich selbst und Dritte zu schützen. Aufgrund der jüngsten Ereignisse hat sich die Aufmerksamkeit nun natürlich erhöht.»

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