Umzug wird vertieft geprüft

Die SRG-Leitung will das Berner Radiostudio aufheben – auch wenn ein Drittel des hiesigen Personals deswegen mit Kündigung droht.

Das Radiostudio der SRG an der Berner Schwarztorstrasse 10.

Das Radiostudio der SRG an der Berner Schwarztorstrasse 10.

(Bild: srf.ch)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Der SRG-Verwaltungsrat lässt sich vom politischen Druck aus Bern nicht beeindrucken. Wie er gestern mitgeteilt hat, will er die Verlegung des Radiostudios Bern nach Zürich-Leutschenbach bis im Herbst «vertieft prüfen».

Die Antwort aus der Bundesstadt auf den Entscheid kam prompt: Die Stadt Bern, der Kanton Bern und die Hauptstadtregion Schweiz äusserten sich in einer gemeinsamen Mitteilung enttäuscht. Sie fordern, «die Übung abzubrechen». Es sei zu befürchten, dass sich die SRG von ihrem bisherigen Bekenntnis zu einer föderalen Schweiz und einem dezentral verankerten Service public im Medienbereich abwende.

Die SRG-Geschäftsleitung geht davon aus, durch den Umzug jährlich rund drei Millionen Franken einsparen zu können. Mit der geplanten Züglete sollen zudem der Ausbau und die Modernisierung der Informationssendung in der Morgen-Hauptsendezeit ermöglicht werden.

Die Generaldirektion weiss aber auch vom Unmut ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bern, die vom Umzug betroffen wären. «Das Berner Personal trägt die Absicht einer Arbeitsortverlagerung nicht», heisst es in einem internen Bericht. Bei einem Umzug wird bei der SRG mit einer Fluktuation zwischen 20 und 30 Prozent gerechnet. Bei einem Szenario mit 25 Prozent rechnet die SRG mit Sozialkosten in der Höhe von 5,3 Millionen. «Es besteht das Risiko des Abwanderns von Know-how bzw. sinkender publizistischer Qualität aufgrund schwindender Motivation», heisst es im Bericht weiter. Besonders Mitarbeiter der Nachrichtenredaktionen seien wenig gewillt zu pendeln.

Bern unterbreitet 18 Alternativen

Die Stadt Bern hat in den vergangenen Wochen mit verschiedenen Mitteln versucht, die SRG vom Entscheid abzubringen: «Wir haben der SRG 18 alternative Immobilien in der Stadt Bern vorgeschlagen», sagt Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Weil viele Bundesämter an den Guisanplatz zögen, gebe es zurzeit einige freie Bürogebäude in der Stadt. Des Weiteren habe man angeboten, die Stadt könne die Immobile an der Schwarztorstrasse erwerben, um so die SRG vom Baurechtszins zu entlasten. Eine Antwort auf die Vorschläge sei noch ausstehend, sagt von Graffenried.

Der Bund

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