Um sieben Uhr abends war schon Schluss

Am Donnerstag wurde ein Konzert am Parkonia-Festival im Berner Kocherpark bereits am frühen Abend von der Gewerbepolizei gestoppt.

Das erste Parkonia-Festival im Jahr 2017.

Das erste Parkonia-Festival im Jahr 2017. Bild: Franziska Rothenbühler

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Dimitri Howalds Auftritt um 19 Uhr am Parkonia-Festival hatte gerade erst angefangen, da musste er schon wieder aufhören. «Nach dem ersten Lied kam jemand und sagte, ich müsse leiser spielen», sagt der Multiinstrumentalist. «Beim zweiten Song wurde das Konzert abgebrochen. Es war ziemlich beschissen.»

Grund für den Abbruch des Konzerts am Donnerstag war das Einschreiten der städtischen Gewerbepolizei. Die Veranstalter des Festivals, das diesen Sommer zum zweiten Mal stattfindet, hatten die Bedingungen ihrer Bewilligung nicht eingehalten. «Es war ein Regelverstoss, denn für den Donnerstag hatten wir keine Lautsprecherbewilligung», räumt Manuel Michel, Mitbegründer des Festivals, ein. Man habe Howald mit einem Verstärker spielen lassen. «Mir ist klar, dass die Gewerbepolizei bloss ihren Job machte.»

Trotzdem findet Michel die Situation ungerecht. «Die Einschränkungen, die wir von den Behörden erhielten, verunmöglichen solche Events praktisch.» Die sieben Monate dauernden Verhandlungen mit der Stadt seien weder transparent noch konstruktiv gewesen. Die Behörden seien auf Inputs der Veranstalter nicht eingegangen. «Es war eine Einwegkommunikation, sie haben ihre Auflagen und Einschränkungen durchgegeben, und wir mussten sie brav schlucken.»

«Kompromiss war nötig»

Norbert Esseiva, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern, verteidigt die strengen Bedingungen. «Wir mussten einen Kompromiss finden, damit das Festival überhaupt stattfinden konnte», sagt er. Bei der Erstausgabe des Parkonia habe man zahlreiche Lärmbeschwerden erhalten. Dass man trotzdem eine zweite Ausgabe erlaubt hat, zeige, dass man sehr wohl diskussionsbereit gewesen sei. Esseiva bestätigt aber, dass man den Veranstaltern dieses Mal weniger Spielraum gelassen hat: «Wir machten klar, dass sie es nicht gleich wie beim letzten Mal durchführen können.» Er weiss, dass das Parkonia-Team damit nicht ganz zufrieden war. «Wir haben aber gegenüber den Anwohnern eine Verantwortung.»

Dieser neuerliche Auftritt der Berner Behörden als Partymuffel befeuert eine schon länger währende Diskussion. Bereits im Jahr 2011 fürchteten sich Berner Partygänger vor einem Club­sterben, nachdem eine einzige Anwohnerin mit Lärmklagen die Schliessung der Bar Sous-Soul erzwungen hatte. Dass das Parkonia aus ähnlichen Gründen unter Druck kommt, bringt eine neue politische Dimension ins Spiel: Die Bespielung des Kocherparks ist ein wichtiger Bestandteil des Freiraumkonzepts des Stadtplanungsamtes. Doch exemplarische Belebungsideen wie das Parkonia scheinen nun durch andere Teile der Stadtverwaltung eingeschränkt zu werden.

«Ich glaube, die Bewilligungsbehörden sind noch in alten Mustern gefangen», sagt Manuel Michel. «Sie hinken dem städtischen Freiraumkonzept noch hinterher.» Für Norbert Esseiva hingegen zeigt die Durchführung des Parkonia-Festivals, dass das Konzept auf dem richtigen Weg sei. Grosse Änderungen in der Bewilligungspolitik der Stadt seien nicht nötig. «Die Änderung hat bereits stattgefunden», sagt er. «Vor ein paar Jahren wären die Events im Kocherpark oder im Ringgenbergpärkli gar nicht erst bewilligt worden.»

Letztes Parkonia-Festival?

Doch diese Entwicklung geht einigen in der Berner Politik nicht weit genug. «In dieser Stadt muss es möglich sein, auch an einem Wochentag um 19 Uhr ein verstärktes Konzert durchzuführen», sagt FDP-Stadtrat Tom Berger. Deswegen hätten er und andere bereits vor dem Festival mit einem interfraktionellen Postulat im Stadtrat verlangt, dass der Gemeinderat die rechtlichen Grundlagen für die Bewilligung von Freiraumveranstaltungen wie dem Parkonia aufarbeite und erneuere. Brigitte Hilty, Präsidentin der GFL der Stadt Bern, gehörte auch zur Gruppe, die das Postulat eingereicht hat. «Die Stadt muss die Bewilligungspolitik mit der Freiraumstrategie in Einklang bringen», sagt sie. «Es muss eine einheitliche Praxis geben, damit solche Events reibungslos durchgeführt werden können.»

Hilty stand im Publikum, als Howalds Konzert abgebrochen wurde. «Es war nicht laut, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Einwohner daran gestört haben.» Laut Norbert Esseiva hat es dieses Jahr gegen das Parkonia tatsächlich noch gar keine Lärmklagen gegeben. Dies spreche dafür, dass man mit den Veranstaltern über weitere Durchführungen reden könne.

Diese positiven Signale könnten für die Veranstalter jedoch zu spät kommen. Die diesjährigen Einschränkungen hätten zu einem Einnahmeverlust geführt. «Wir müssten eigentlich anfangen, Eintritt zu verlangen», sagt Manuel Michel. Das komme aber nicht infrage. Er hofft auf neue Verhandlungen mit den Behörden. «Ich weiss noch nicht, ob wir es nächstes Jahr wieder machen werden.» (Der Bund)

Erstellt: 27.07.2018, 19:19 Uhr

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