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Ex-Reitschüler wollen Berner Clubs Sicherheitskultur verkaufen

Zurückhaltend agierende Sicherheitsleute ohne Uniform: Ein Konzept, das in der Berner Reitschule erprobt wurde, soll nun auch Berner Clubs sicherer machen

Vor Clubs kanns auch einmal brenzlig werden.
Vor Clubs kanns auch einmal brenzlig werden.
Sophie Steiger (Symbolbild)

Das Klischee eines Türstehers ist wenig schmeichelhaft: bullig gebaut, verschränkte Arme, unfreundlich. Falls sich jemand nicht verhält, wie er sollte, schmeisst ihn der Türsteher hinaus. Aus diesem Grund haben Exponenten aus der Berner Reitschule eine Firma gegründet, die laut Stellenbeschrieb ganz anders funktionieren soll: «In kritischen Situationen behältst du einen klaren Kopf und handelst deeskalierend.» Um ein möglichst durchmischtes Team zu haben, sind in der Stellenbeschreibung auch explizit queere und weibliche Personen erwähnt.

Keine Rausschmeisser

Urheberin der Stellenausschreibung ist die Taktvoll Sicherheitskultur GmbH. Die Gründer dieser Firma sind bekannte Gesichter, unter anderem Christoph Ris und Kevin Liechti. Sie haben ihre langjährige Erfahrung im Sicherheitsdienst in der Reitschule beim sogenannten Wellnessteam gesammelt und leiten derzeit die Zwischennutzung auf der Schützenmatte. Die Reitschule hat ein grundlegend anderes Konzept als herkömmliche Clubs: Kaum Eintrittskontrollen, keine erkennbare Uniform, zurückhaltendes Vorgehen bei Konflikten.

Dieses Konzept möchten Ris und seine vier Mitbegründer auch Events, Clubs und Kultureinrichtungen anbieten. «Die Kunden möchten beim Eingang freundlich behandelt werden», sagt Ris auf Anfrage. Das Verhalten mancher Sicherheitsdienste störe die Leute. Der Türsteher stehe beim Eingang und sei deshalb die Visitenkarte für den Club oder die Kultureinrichtung. «Da braucht es Menschen mit Einfühlungsvermögen.»

Ob das Unternehmen bereits erste Kunden hat, möchte Ris noch nicht verraten. «Wir wissen aber, dass unser Dienst auf Nachfrage stösst.» Es sei jedoch nicht das Ziel, in nächster Zeit stark zu wachsen, sondern ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten und die richtigen Leute einzustellen.

Wer könnte sich denn überhaupt für den neuen Sicherheitsdienst interessieren? Auf Anfrage zeigt sich der Gaskessel zufrieden mit seinem derzeitigen Anbieter. Auch Max Reichen, Co-Präsident der Bar- und Clubkommission Bern (Buck), hat keine Kenntnis von Clubs, die unzufrieden mit ihrem Sicherheitsdienst sind. Dennoch könnte die Taktvoll Sicherheitskultur Gmbh Kunden finden: Es dürften kleinere Clubs sein, die neu entstehen, zum Beispiel die Tankere, die derzeit die Räume des Bonsoir nutzt.

Broncos sanfter geworden

Der grösste Konkurrent ist wohl die Broncos Security AG. Sie ist derzeit wohl die wichtigste Sicherheitsfirma im Berner Nachtleben. Zuständig für die Sicherheit sind die Broncos unter anderem bei den Lokalen Propeller, City Pub, Select und Quasimodo. Pesche Widmer, Geschäftsleiter der Broncos, sieht den neuen Sicherheitsdienst nicht als Gefahr. «Seit es die Broncos Security AG gibt, sind viele neue Firmen auf den Markt gekommen.» Dennoch könne sich der neue Sicherheitsdienst nicht wesentlich von ihnen abheben: «Der Spielraum ist begrenzt.» Natürlich sei es im Nachtleben sehr wichtig, deeskalierend zu wirken, das sei oberste Priorität. «Leider hilft das aber nicht immer», sagt Widmer. Wenn Alkohol fliesse, komme es zu brenzligen Situationen. «Dann muss der Angestellte durchgreifen können.»

Das Klischee des aggressiven Bronco gehört laut Widmer längst der Vergangenheit an: «Es gibt kaum mehr Leute aus der Biker-Szene bei uns.» Zudem sind laut Widmer 27 Prozent der Sicherheitsleute des Unternehmens Frauen. Aus Widmers Sicht ist Ausbildung das Wichtigste. «Wer gut ausgebildet ist, macht einen guten Job.»

Staat verschärft Regeln

Davon ist auch Christoph Ris von der Taktvoll Sicherheitskultur GmbH überzeugt. Berns Nachtleben dürfte auch in Zukunft auf gut ausgebildete Leute angewiesen sein. Auch der Gesetzgeber hat auf die gestiegenen Anforderungen reagiert. Der Grosse Rat hat beschlossen, dass auch Türsteher privater Sicherheitsfirmen künftig eine Bewilligung brauchen. Der Alkohol- und Drogenkonsum im Ausgang führt immer wieder zu Konflikten mit teilweise Schwerverletzten. Deshalb hat die Kantonspolizei eine Kampagne gegen Gewalt im Ausgang gestartet und ihre Präsenz vor Nachtclubs erhöht.

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