Troubadour des Alltags

Im Fluss: Erwin Messmers zehnter Gedichtband ist reich an Entdeckungen.

Die Vernissage von Erwin Messmers neustem Werk findet am Montag, 8. Mai, im La Cappella in Bern statt.

Die Vernissage von Erwin Messmers neustem Werk findet am Montag, 8. Mai, im La Cappella in Bern statt. Bild: zvg

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Menschen mit frischem Geist und offenem Sinn können auch in wenig spektakulären Begebenheiten den Atem der Poesie aufspüren. Erwin Messmer, der 1950 in Staad SG am Bodensee geborene und seit langem in Bern lebende Autor und Organist, gehört zu dieser schützenswerten Sorte. Ihn kann der Inhalt seines Briefkastens, ein Teller mit Spaghetti, der Küchentransistor, ein letzter Badetag oder ein Kontrollbesuch beim Arzt zu Gedanken verleiten, die gleich unter der Oberfläche den tieferen Sinn wittern.

Und noch in unangenehmen Momenten, wenn der Schaffner in der Adventszeit für die fehlende Fahrkarte eine saftige Taxe einfordert, bewahrt sein lyrisches Ich Humor und Selbstironie. Flugs wird die Amtshandlung mit dem Aufruf Johannes des Täufers in der Wüste verknüpft: Tut Busse! Die über hundert Gedichte werden in Zyklen arrangiert und fassen den Lauf des Lebens ins Auge, den Wechsel der Jahreszeiten (wobei hier die zauberhaften Wintergedichte auffallen), das Reisen, die Liebe, das Altern.

Verschwenden und verschwinden

Die Vergänglichkeit hat seit jeher Erwin Messmers lyrisches Schaffen thematisch geprägt, denn eigentlich zählt er zu den heiteren Melancholikern, denen Leichtfüssigkeit und Schwermut gleichermassen anhaften. «. . . . Seht her so schön könnte / Leben sein so fassbar / stände Vergehen still», endet sein Gedicht «Herbst». Die Zeilen fliessen – wen wunderts? – musikalisch dahin, manchmal akzentuiert durch erfrischende Reimpaare. Wunderbar gelungene Beispiele birgt dieser Lyrikband, bei deren Lektüre das Herz im Leibe lacht und der Geist frohlockt. Nur einige wenige Gedichte, die nicht die Stringenz der übrigen aufweisen, hätte man weglassen können. Aber dies ist eine Bemerkung am Rand eines entdeckungsreichen Geländes mit Anregungen wie dieser: «. . . sei überhaupt ein / Verschwender der weiss / dass Verschwendung ihre / letzte Erfüllung findet / im Verschwinden.»

Erwin Messmer: Nur schnell das Glück streicheln. Gedichte. Edition 8, Zürich 2017. 152 S., 23 Fr. Vernissage: Montag, 8. Mai, 20 Uhr, La Cappella Bern. (Der Bund)

Erstellt: 21.04.2017, 07:17 Uhr

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