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Trams fahren auch künftig durch die Hauptgassen

Untersuchungen haben gezeigt, dass die bisherige Erschliessung der Innenstadt für das künftige Tram Region Bern die beste ist. Der Bau paralleler Gleisanlagen wäre zu aufwendig und schlecht für den Anlieferverkehr.

Mit 46 Kursen pro Stunde wird die Belastung der Berner Hauptgassen durch den öffentlichen Verkehr mittel- bis langfristig hoch bleiben: Dies ist das Fazit der gestern vorgestellten Teilstudie zum Tram Region Bern. Die Fachleute erkannten nach dem Studium möglicher neuer Linienführungen, dass nebst dem Tram Bern West auch das Tram Köniz–Ostermundigen am besten über das bestehende Trassee durch die Innenstadt geführt wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die heutige Buslinie 12 (Länggasse–Klee-Zentrum) verlegt wird. Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland hatte zu der Belastung der Berner Innenstadt und den alternativen Linienführungen je eine Studie verfasst.

Ab Fahrplanwechsel Dezember 2010 tritt das Regionale Tramkonzept mit neuen Linienführungen zwischen Bern Ost und Bern West in Kraft. Frühestens 2017 verkehren zwischen Köniz und Ostermundigen Tramzüge statt Busse. Deshalb stand die Frage im Raum: Können Spital- und Marktgasse die neuen Tramlinien noch verkraften? Im Berner Stadtrat waren hierzu auch Vorstösse eingereicht worden (siehe Kasten).

Hohe Frequenzen in der City

Regula Rytz (gb), Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, sieht in der bestehenden Erschliessung den Erfolgsfaktor der Innenstadt als Einkaufs- und Erlebniszentrum, als Arbeitsplatz und Weltkulturerbe. Diese Mischung aus kulturellem Erbe und wirtschaftlicher Nutzung mache den Charakter Berns aus. Die Innenstadt werde auch in Zukunft aus der ganzen Region mit dem öffentlichen Verkehr direkt und einfach zugänglich bleiben.

Das Potenzial der Fahrgäste zeigt denn auch deutlich, dass nahezu die Hälfte aller Zu- und Ausstiege an den vier Haltestellen der Innenstadt erfolgt, nämlich 150 481 beim Bahnhof (nur Tram- und Busbenützer), 36 945 beim Zytglogge, 35 116 am Hirschengraben und 22 142 am Bärenplatz. Im ersten Quartal 2009 ergab die Zählung von Bern Mobil auf den städtischen Tram- und Buslinien (ohne Tangential- und Ortsbusse) insgesamt 560 000 Ein- und Aussteigende. Das heisst: Das Ziel, die Fahrgäste möglichst nah an den gewünschten Bestimmungsort zu befördern, kann Bern Mobil mit der heutigen Erschliessung optimal erfüllen.

Laut Marco Rupp, Fachbereichsleiter Verkehr der Regionalkonferenz Bern-Mittelland, konnten die Innenstadtgeschäfte dank der guten Erschliessung ihre Umsätze halten – trotz Konkurrenz durch Einkaufszentren an der Peripherie. Alle untersuchten Varianten ergaben eine schlechtere Erschliessungsqualität für den öffentlichen Verkehr sowie grössere Probleme für den Gesamtverkehr, insbesondere den Anlieferverkehr. Einige in Vorstössen im Stadtrat angeregte Varianten schieden rasch aus: Die Umfahrung Nord via Bollwerk, Lorrainebrücke, Viktoriarain oder die Umfahrung Süd via Monbijoubrücke und Kirchenfeld zum Beispiel würden am Zielgebiet vorbeiführen und hätten hohe Infrastrukturkosten zur Folge. Diese Varianten wurden nicht weiter verfolgt, ebenso die unterirdische Lösung sowie eine Aufteilung der Tramnetze in Ost und West.

Bundesplatz ohne Fahrleitung

Vertieft untersucht wurde das Trassee Amthaus-, Schauplatz-, Bundes- und Kochergasse: Diese Linienführung sei zwar technisch machbar, so Rupp, hätte aber Konflikte mit der Anlieferung, mit Velos und Fussgängern zur Folge. Auch müsste das Tram auf dem Bundesplatz ohne Fahrleitung auskommen – aus Gründen der Sicherheit bei Kundgebungen und des Städtebaus. Es gibt zwar heute Trams, die mit Akkumulatoren ausgerüstet sind und kurze Strecken ohne Fahrleitung zurücklegen können. Sie sind aber viel schwerer als die Combinos und dürften auf den historischen Brücken nicht verkehren. Auch bei der Einmündung Bahnhofplatz sieht Rupp erhebliche Probleme: Der Platz müsste abermals umgestaltet werden.

Vertieft untersucht wurde des Weitern die Linienführung Bollwerk–Speichergasse–Nägeligasse: Hierfür müsste im Bollwerk eine Spur des motorisierten Individualverkehrs fürs Tram geopfert werden, und auch der Bahnhofplatz müsste umgebaut werden. Die zweite Tramachse bleibt laut Rupp jedoch eine langfristige Option und soll unabhängig vom Tram Region Bern weiterverfolgt werden. Aus heutiger Sicht sei keine zweite Tramachse erforderlich; die Linienführung des künftigen Trams Köniz–Ostermundigen durch die Innenstadt verbaue nichts und habe keine Fehlinvestitionen zur Folge. Rupps Schlussfolgerung: «Wir empfehlen die Beibehaltung der Netzstruktur.»

Von 46 auf 52 Kurse pro Stunde

Heute beträgt die Belastung in den Hauptgassen 46 Kurse pro Stunde und Richtung. Mit der Eröffnung des Trams Bern West steigt die Belastung auf 52 Kurse stündlich. Ähnliche Werte hatte der öffentliche Verkehr früher schon erreicht. Auch in der Basler Innenstadt liegt die Belastung heute so hoch. Mit der Inbetriebnahme des Trams Köniz–Ostermundigen – frühestens 2017 – sinkt die Belastung wieder auf 46 Kurse, sofern die Buslinie 12 verlegt wird.

Bern Mobil testet neue Trolleys

Daran arbeitet Bern Mobil: Die Buslinie 12, die heute elektrisch betrieben wird, müsste ebenfalls über den Bundesplatz geführt werden. Demnächst würden Trolleybusse getestet, die Teilabschnitte ohne Fahrleitung zurücklegen können, sagte Bern-Mobil-Direktor René Schmied. «Die technische Entwicklung ist hier weiter fortgeschritten als beim Tram.» Die Bügel des Trolleys müssen nicht von Hand auf die Fahrleitung gesetzt werden, sondern werden über einen Trichter automatisch eingefädelt. Diese Technik böte beispielsweise auch Vorteile bei der engen Kurve Zytglogge und ermöglichte die Elektrifizierung weiterer Buslinien, so beispielsweise der Buslinie 19 Elfenau–Blinzern. Bei der BLS-Überführung müsste die Fahrleitung unterbrochen werden.

Aus der Sicht von Bern Mobil ist die heutige Linienführung durch die Innenstadt die beste: «Sie garantiert tagtäglich einen äusserst zuverlässigen Trambetrieb», betonte Schmied. Auf der belebten Achse ereigneten sich nicht mehr Unfälle als auf dem übrigen Streckennetz. Derzeit wird auch geprüft, ob die Brücken der Altstadt für grössere Lasten verstärkt werden könnten.

Laut Regierungsrätin Barbara Egger (sp) hat sich das Tram Region Bern auch deshalb als zweckmässig erwiesen, «weil die bestehende Infrastruktur der Innenstadt mitbenützt werden kann und somit Synergieeffekte entstehen.» Egger kämpft nach eigenen Angaben weiterhin für die Sicherung der Bundesgelder aus dem Infrastrukturfonds.

Info: Montag, 22. Februar, 18 Uhr Hotel Kreuz, Zeughausgasse 41, Bern. Studien: www.tramregionbern.ch

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