Tramgegner zitieren aus «brisanter» Studie

Die Gegner des Tramprojekts von Bern nach Ostermundigen haben am Sonntag Auszüge aus einer Studie veröffentlicht.

Die Tramgegner sind erstaunt über die Handlungen des Regierungstrats.

Die Tramgegner sind erstaunt über die Handlungen des Regierungstrats. Bild: Adrian Moser

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Die Gruppe mit dem Namen «Freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr, Bern» belegt aus ihrer Sicht, dass es kein neues Tram in den Berner Vorort braucht. Der Ausbau der S-Bahn sowie Doppelgelenkbusse reichten aus, sagt sie.

Dazu hat die Gruppe vier Seiten aus einer Infras-Studie auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Zu lesen ist auf diesen vier Seiten etwa, bis 2020/22 werde auf dem Ostermundigen-Ast der Bernmobil-Buslinie 10 in der Abendspitze die Grenze der Kapazität erreicht. Dies trotz 2,5-Minuten-Takt der Gelenkbusse.

Mit einem Doppelgelenkautobusbetrieb im 2,5-Minuten-Takt könnten aber die bis 2030 prognostizierten Nachfrageentwicklungen abgedeckt werden. Und wenn ab 2025/2030 die S-Bahn ausgebaut sei, ergebe dies Entlastungen, «die im kapazitätskritischen Querschnitt zu einer gedämpften Nachfrageentwicklung bzw. einer Stagnation auf der Linie 10 führen werden.»

«Erstaunt» über gesprochene Gelder

Erstellt haben die Studie die Firmen Infras und 3B AG. Sie stammt von September 2015. Auf ihrer Internetseite und in einer Medienmitteilung wirft die Arbeitsgruppe der Regionalkonferenz Bern vor, diese «brisante Studie» unter Verschluss zu halten.

Ausserdem sei es «erstaunlich», dass trotz dieser Aussagen der Berner Regierungsrat im Dezember 2016 947'000 Franken für die Fortführung der Arbeiten am Tramprojekt gesprochen habe. Dieselbe Arbeitsgruppe hatte im Herbst 2016 schon Alternativrouten fürs Tram nach Ostermundigen in die Diskussion eingebracht.

Iten: «Haben Auftrag»

Präsident der Verkehrskommission der Regionalkonferenz Bern-Mittelland ist der Ostermundiger Gemeindepräsident Thomas Iten. Er sagte am Sonntag auf Anfrage von zu Hause aus, mangels gerade greifbarer Unterlagen könne er nicht sagen, ob die Infras/3B-Studie je veröffentlicht worden sei. Klar sei aber, dass in die Botschaft des Ostermundiger Gemeinderats vom Dezember 2015 ans Lokalparlament Erkenntnisse aus dieser Studie eingeflossen seien. Dort steht in der Tat beispielsweise, dass Doppelgelenkbusse die Nachfrage bis ca. 2030-35 decken könnten.

Zu lesen ist aber auch, ihr Einsatz würde Anpassungen an den Strassen und Haltestellen voraussetzen, welche - im Gegensatz zum Tramprojekt - mehrheitlich durch die Gemeinde zu bezahlen wären. Der Ostermundiger Gemeinderat kam deshalb damals zum Schluss, für die Gemeinde Ostermundigen ergäben sich bei einem Einsatz von Doppelgelenkbussen beträchtliche Mehrausgaben. Ausserdem bestehe die Gefahr einer Fehlinvestition «wenn später doch noch eine Tramverbindung gebaut werden muss.»

Die Ostermundiger Exekutive sprach sich deshalb für den Bau des Trams aus und Iten bekräftigte am Sonntag diese Haltung. Er sagte weiter, das Ostermundiger Stimmvolk habe mit seinem Ja zum Projekt vom April 2016 an der Urne dem Gemeinderat den Auftrag gegeben, das Tram zu bauen. Das dürften die Gegner nicht vergessen. Geleitet wird das Projekt Tram Bern-Ostermundigen von einer Behördendelegation unter der Leitung der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer. Sie sagte am Sonntag auf Anfrage, da sich ihre Unterlagen im Büro befänden, könne sie nicht Stellung nehmen zu den Vorwürfen der Tramgegner.

Keine neue Forderung

Die Forderung nach Doppelgelenkbussen auf der Strecke Schliern bei Köniz-Rüti Ostermundigen ist nicht neu. Sie tauchte schon im Abstimmungskampf um das Tram-Vorgängerprojekt «Tram Region Bern» auf. Im Berner Stadtrat kämpfte etwa auch die SVP-Fraktion für «Megabusse».

Nach dem Nein zum Tram Region Bern in den Gemeinden Ostermundigen und Köniz im Herbst 2014 beschloss die Regionalkonferenz Bern-Mittelland, das Busangebot auf einem Teil der Linie 10 weiter zu verdichten. In einer Medienmitteilung von Februar 2016 schreibt die Kommission Verkehr, 20 Varianten seien untersucht worden.

In einem nächsten Schritt sei der Einsatz «grösserer Transportgefässe» zu prüfen. Gemäss Prognosen würde die Kapazität von Doppelgelenkbussen aber ab 2030/2035 auch nicht mehr ausreichen. (mer/sda)

Erstellt: 08.01.2017, 15:21 Uhr

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