Tramdepot: Parteien unisono gegen Initiative

Der Kampf für die Zwischennutzung beim Burgernziel schade anderen Zwischennutzungen, sagen Politiker.

Eine Abstimmung scheint nicht zu reichen. Die Berner werden wohl noch einmal über das Schicksal des Tramdepots bestimmen.

Eine Abstimmung scheint nicht zu reichen. Die Berner werden wohl noch einmal über das Schicksal des Tramdepots bestimmen.

Bereits einen Tag nachdem die Tramdepot-Initiative publik wurde, ist klar: Bei den Parteien geniesst diese kaum Kredit. «Es tönt für mich wie ein schlechter Scherz», sagt etwa Stefan Jordi, Co-Präsident der SP Stadt Bern, auf Anfrage. Hintergrund der Initiative ist, dass zugunsten der Überbauung das alte Tramdepot abgerissen werden soll und somit mehrere Zwischennutzungen beendet werden müssten.

Zwar sei der Abriss des Tramdepots tatsächlich «ein Wermutstropfen», die Bevölkerung habe sich aber vor wenigen Monaten deutlich für die Überbauung Burgernziel ausgesprochen. «Es war ein klares Zeichen für verdichtetes Bauen und mehr Wohnraum.» Da die SP die Überbauung Burgernziel sowieso befürwortet hat, ist Jordis Reaktion wenig überraschend.

Aber auch von der SVP, die das Bauprojekt bekämpfte, können die Initianten keine Unterstützung erwarten. «Ich akzeptiere das Abstimmungsresultat», sagt SVP-Stadtrat Alexander Feuz. Er sei ohnehin «klar dagegen», wenn Zwischennutzungen zu Dauerlösungen verkommen. «Schon beim Progr sind die Linken im letzten Moment eingeknickt – und bei der Feuerwehrkaserne Viktoria sind schon entsprechende Vorstösse hängig.»

Auch FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher erteilt den Initianten eine Absage. «Die kommen wie die alte Feuerwehr», sagt er. Wie Eicher ausführt, schaden die Initianten gar anderen Zwischennutzern. Wenn es jedes Mal Widerstand gegen die abschliessende Nutzung gebe, sagt er, würden sich Hausbesitzer künftig zweimal überlegen, ob sie eine Zwischennutzung noch ermöglichen sollen. «Das wäre schade, denn es ist durchaus sinnvoll, dass man leere Gebäude zwischennutzt.»

GB: Zu wenig Kulturräume

Mit den Initianten weniger hart ins Gericht gehen GB und BDP – obwohl auch diese Parteien die Initiative voraussichtlich ablehnen werden. Sie sei zwar für die Überbauung Burgernziel, habe aber Verständnis für das Anliegen der Initianten, sagt GB-Stadträtin Regula Tschanz. «Im Quartier hat es tatsächlich zu wenig Kultur- und Veranstaltungsraum.»

Und auch BDP-Stadtrat Philip Kohli weiss, dass Zwischennutzungen ein Quartier beleben. «Da haben die Initianten schon recht.» Allerdings gelte es, den Volksentscheid zu akzeptieren. Nach so kurzer Zeit eine erneute Abstimmung zu erzwingen, sei «ziemlich schwachsinnig».

Stossen also die Initianten durchwegs auf Ablehnung? Nein. «Ich halte es durchaus für legitim, dass die Initianten das Thema nochmals aufnehmen», sagt Luzius Theiler (GPB-DA). Schliesslich sei mittlerweile klar geworden, dass die sogenannten preisgünstigen Wohnungen am Burgernziel die künftigen Mieter relativ teuer zu stehen kämen.

Der Bund

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