Tierpark schiesst auf Krähen

Um Krähen zu vergrämen, setzt das Berner Dählhölzli auf altbewährte Methoden: abschiessen und ausstellen. Alles andere bringe nichts, so der Direktor.

«Krähengangs» machen den Tieren im Dählhölzli das Leben schwer.

«Krähengangs» machen den Tieren im Dählhölzli das Leben schwer. Bild: Marko Drobnjakovic/Keystone

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Aufgehängte Krähenkadaver im Flamingobecken des Dählhölzli. Das kam nicht bei allen Besuchern gut an. «Leben wir noch im Mittelalter, wo bei uns unliebsame Mitbürger geviertelt und zur Abschreckung der Bürger aufgehängt wurden?» So die Frage einer «Bund»-Leserin, die vor kurzem mit ihrem Enkel den Tierpark besuchte. Die Aktion sei stossend und werfe ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen und «leider auch auf den Tierpark», so die Besucherin. Sie wünsche sich «kreativere Lösungen», um die Tiere in den Gehegen zu schützen und zu verhindern, dass die Krähen Futter stehlen.

Auf die toten Krähen angesprochen, entschuldigt sich Tierparkdirektor Bernhard Schildger für die «Ungeschicktheit». Der Anblick der Kadaver sei für die Besucher nicht zumutbar. Künftig hänge man die Krähen deshalb an Orten auf, an denen sie die Besucher nicht sehen können. Auf die Methode insgesamt wolle man jedoch nicht verzichten. Pro Monat schiesse der Tierpark zwei bis drei Krähen, bestätigt Schildger. Die Kadaver werden dann in der Kühlanlage zwischengelagert und bei Bedarf bei den besonders betroffenen Gehegen aufgehängt. Im Kanton Bern ist die Jagd auf Krähen grundsätzlich erlaubt.

Meerschweinchen die Augen ausgehackt

Doch warum greift ausgerechnet der Tierpark zu diesen etwas archaisch anmutenden Mitteln? «Die zahlreichen Krähen verursachen im Tierpark Bern erhebliche Schäden», verteidigt Schildger das Vorgehen. Das Sündenregister der klugen Tiere ist tatsächlich beachtlich; Schildger fasst es knapp zusammen: «Den Meerschweinchen hacken sie die Augen aus, und bei den Enten töten sie die Nachzucht.» Die Flamingos hätten sie mittlerweile komplett vom Futter verdrängt, und auch die Schneehasen würden von den Vögeln belästigt. Krähen seien klug und agierten in Gruppen mit Aufpassern, so Schildger. «Man kann sie nur unterschätzen.» So habe man etwa bei den Zieseln die Anlage komplett mit Stahldrähten überspannt. Trotzdem sei es einzelnen Krähen gelungen, sich durch die Drähte zu zwängen, um dort weiterhin Jagd auf Jungtiere zu machen.

«Wir sind verpflichtet, unsere Tiere zu schützen», sagt Schildger. In der Vergangenheit habe der Tierpark viele Methoden zur Krähenvergrämung ausprobiert, alle mit wenig Erfolg. Nester abdecken nütze nichts, Vertreibung mittels Laser sei «völlig wirkungslos», ebenso das Ausstellen von Uhus aus Plastik. Und echte Raubvögel? Dafür sind es schlicht zu viele. Die Sicherheit des Raubvogels kann so nicht mehr garantiert werden. «Vergrämen durch Präsentieren eines toten Artgenossen» sei die einzige Methode, die funktioniert.

Wölfe haben die Schnauze voll

Doch die Tierpark-Angestellten sind nicht die Einzigen, welche sich mit dieser alten Bauernmethode gegen die Krähen wehren. Laut Schildger haben sich die Krähen auch zunehmend beim Futter der Wölfe bedient. Denen sei dies mittlerweile dermassen lästig, dass sie aktiv Jagd auf Krähen machen. Die Wölfe gehen aber laut Schildger noch einen Schritt weiter. Wenn sie eine Krähe erwischen, töteten sie diese nicht sofort, sondern liefen mit der noch lebendigen Krähe im Maul durch das gesamte Gehege, «um so den Krähen zu zeigen, dass sie hier nichts zu suchen haben», sagt Schildger. Die Natur sei eben nicht immer nett und human.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2018, 16:43 Uhr

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