Tierheim-Gegner verstummen

Fast das ganze politische Establishment steht hinter der Tierheim-Vorlage, über die das Stadtberner Volk am 4. März entscheidet.

Das geplante Tierheim soll beim Forsthaus Eymatt zu stehen kommen.<p class='credit'>(Bild: Adrian Moser)</p>

Das geplante Tierheim soll beim Forsthaus Eymatt zu stehen kommen.

(Bild: Adrian Moser)

Fabian Christl

In einer Lichtung des Bremgartenwalds, beim Forsthaus Eymatt, werden Findeltiere wohl in Zukunft ein neues Zuhause finden. Am 4. März entscheiden die Stadtberner und -bernerinnen über die Überbauungsordnung Wohlenstrasse Eymatt, welche die rechtliche Grundlage für den Bau eines neuen Tierheims schaffen soll. Eine Ablehnung der Vorlage wäre eine grosse Überraschung. Dies aus zwei Gründen: Erstens ist der Bedarf unbestritten. Das bestehende Tierheim in Oberbottigen ist zu klein, sodass schon lange keine tiergerechte Haltung mehr möglich ist. Zudem ist es in die Jahre gekommen; die Rede ist von einer «baufälligen Ruine». Eine Erweiterung ist wegen der Wohnhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft nicht möglich.

Und zweitens ist der Standort zumindest aus politischer Sicht äusserst geschickt gewählt. Die nächsten Anwohner leben in der Wohlener Siedlung Aumatt – und sind somit in Bern nicht stimmberechtigt. Einige Siedlungsbewohner bekämpften das Projekt aber auf juristischem Weg mittels Einsprachen. Ihre Hauptangst: Lärmbelästigung durch Hundegebell. Zwar liegt die Aumatt mehr als 500 Meter vom vorgesehenen Standort entfernt, aufgrund der Hanglage wird der Wald den Schall aber nur wenig dämpfen.

Wichtige Einigung erzielt

Der Berner Tierschutz, welcher das Tierheim betreiben wird und als Bauherr auftritt, kommt den Vorbehalten entgegen. So werden die Hunde – von der Aumatt aus gesehen – hinter dem geplanten Gebäude untergebracht. Auch weitere Massnahmen wie Lärmschutzwände sollen die Befürchtungen zerstreuen. «Wir haben das maximal Mögliche unternommen, um die Lärmemissionen so gering wie möglich zu halten», sagt Daniel Wyssmann vom Berner Tierschutz.

Für das Projekt muss die Überbauungsordnung angepasst werden. Foto: zvg

Die Organisation vermeldete, dass eine Reihe von Einsprachen gegen das Projekt zurückgezogen worden sei. Es sei diesbezüglich eine Vereinbarung abgeschlossen worden. Anwalt Alain Pfulg, der die meisten Einsprecher vertritt, sagt: «Betreffend die Auslaufzeiten haben wir uns gefunden.» Zudem verpflichtet sich der Berner Tierschutz gemäss einer Mitteilung, «nach Lösungen zu suchen, falls es künftig zu Lärmproblemen kommen sollte». Der Widerstand ist aber nicht völlig verschwunden: So ist mit einer Gruppe von Einsprechern noch keine Lösung gefunden worden.

Keine Partei wirbt für Nein

In der Stadt Bern wiederum sind kaum Kritiker zu vernehmen. In der Ratsdebatte stellten sich sämtliche Parteien mit Ausnahme des Grünen Bündnisses hinter die Vorlage. Die Ratsmehrheit argumentierte, dass es sehr schwierig sei, einen besseren Standort zu finden. So darf ein Tierheim aufgrund des Tierwohls nicht zu nahe an Industriezonen gebaut werden. Gleichzeitig ist aber aus Rücksicht auf das Ruhebedürfnis der Anwohner eine genügend grosse Entfernung zu Wohnhäusern erforderlich.

Mittlerweile verzichtet auch das Grüne Bündnis auf Opposition. Die Mitgliederversammlung hat Stimmfreigabe beschlossen. Laut Co-Fraktionschefin Franziska Grossenbacher entspreche diese Haltung der Ambivalenz, die dem Projekt innewohne. «Ein neues Tierheim ist nötig, den Standort erachtet aber die Mehrheit unserer Fraktion als ungeeignet», sagt sie. So wäre das geplante grosse, moderne Gebäude ein massiver Eingriff in das Naherholungsgebiet. «Viele Hündeler und Jogger werden ob der Dimension des Projekts überrascht sein.» Zudem sei die Waldlichtung gerade für Wildtiere von grosser Bedeutung. «Mit etwas gutem Willen hätte man sicher einen besseren Standort gefunden.»

Wyssmann widerspricht. «Wir haben mindestens acht verschiedene Standorte näher geprüft», sagt er, die Lichtung in der Eymatt sei bei Weitem der geeignetste gewesen. Ein unabhängiges Gutachten habe zudem ergeben, dass das Tierheim für Wildtiere zumutbar sei. «Tiere können sich mit stationären Dingen wie Gebäuden besser arrangieren als mit Joggern und Hunden, die für die Wildtiere unvorhersehbar plötzlich auftauchen.» Er hofft, dass nach zwanzig Jahren – so lange dauert die Suche nach einem Ersatzstandort schon – die ihren Besitzern zur Last gewordenen Kaninchen, Katzen, Hunde, Schildkröten und Goldhamster endlich ein würdiges Zuhause finden.

Der Bund

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