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Thun will beim Beerdigen sparen

Unentgeltliche Bestattungen für alle Einwohner kosten die Stadt pro Jahr 680 000 Franken. Nun könnte damit Schluss sein. Am 13. Juni entscheidet das Volk über eine Teilrevision des Bestattungsreglements.

Die letzte Ruhe könnte die Thuner bald etwas kosten. (Adrian Moser)
Die letzte Ruhe könnte die Thuner bald etwas kosten. (Adrian Moser)

Keine andere Stadt im Kanton Bern ist bei Bestattungen so grosszügig wie Thun. Denn sie beerdigte oder kremierte ihre verstorbenen Einwohner bislang unentgeltlich. Am 13. Juni entscheiden nun die Thuner Stimmbürger, ob es dabei bleibt. Auf der Suche nach Möglichkeiten, die städtischen Ausgaben zu reduzieren, kippte der Stadtrat bereits im November 2008 im Rahmen der «Aufgabenverzichtsplanung» die gebührenfreie Bestattung für Einheimische. Ein Jahr darauf erhob sich im Parlament keine einzige Gegenstimme gegen die Teilrevision des Bestattungs- und Friedhofreglements. Dennoch hatte ein überparteiliches Komitee keine Mühe, genügend Unterschriften für ein Referendum zu sammeln.

Stadt bezahlt noch für Härtefälle

Die Gegner wollen am Status quo festhalten. Auch wenn Thun mit der Revision der Paragrafen zur Gebührenbefreiung nicht etwa weiter ginge als die Grosszahl der übrigen Berner Gemeinden. Nur Münsingen und Uttigen kennen das Privileg für Einheimische. Das Nein-Komitee, angeführt vom Präsidenten und zwei Mitgliedern des Seniorenrats, sieht im veränderten Reglement die Würde der Verstorbenen «in unanständiger Weise» verletzt, wie es in der Abstimmungsbotschaft schreibt. Eine sittliche Bestattung müsse jedem zustehen und dürfe nicht im Zeichen des allgegenwärtigen Kostendenkens stehen, verlangen die Gegner.

Der Gemeinderat betont, dass die Revision allen weiterhin eine würdige Bestattung bietet. Für Härtefälle zahlt die Stadt weiterhin. Die Angehörigen können dies schriftlich beantragen. Ausschlaggebend ist dabei, ob ein Verstorbener Vermögen hinterlässt. Auch Bern, Biel und Burgdorf kennen diese Ausnahme. Darum seien vor dem neuen Paragrafen alle gleich, unabhängig davon, wie lange jemand in der Stadt gewohnt oder welcher Religion er angehört habe, sagte Gemeinderätin Jolanda Moser (FDP) an einer Medienkonferenz am vergangenen Freitag.

«Geschäft mit dem Tod»?

Auch die SP Thun lehnt die Revision ab. «Nein zum Geschäft mit dem Tod», lautet ihre Parole. Eine würdiger letzter Weg kostet aber – auch die Stadt. Rund 678 000 Franken pro Jahr hat sie für den Dienst an ihren Verstorbenen bezahlt. Ausserdem verspricht die Zukunft eher noch höhere Zahlen. Denn im Jahr 2009 stieg die Zahl der Bestattungen um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1757. Die Altersstruktur der Stadt macht sich bemerkbar.

Wie viel Thun mit der Revision tatsächlich spart, wird sich erst zeigen. Es sei zu schwierig, abzuschätzen, wie viele Gesuche für die Kostenbefreiung eingehen werden, sagte Markus Weibel, Leiter des Bereichs Stadtgrün der Stadt. Die Behörden rechnen grob mit einer Verdoppelung von 50 auf 100 Fälle pro Jahr. Weil auch die günstigste Erdbestattung noch 3600 Franken kostet, resultiert ein Aufwand von rund 248 000 Franken. Gemeinderätin Moser ist bei einer Prognose zum Spareffekt darum noch vorsichtig. «Es dürften zwischen 300 000 und 400 000 Franken pro Jahr sein», sagte sie.

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