Theater Matte für Rollstuhlfahrer offen

Das Theater Matte in Bern ist dank einem neuen Treppenlift künftig für Rollstuhlfahrer zugänglich. Bei Kulturangeboten, die speziell auf Behinderte ausgerichtet sind, ist das Zentrum Paul Klee führend.

Der neue Treppenlift im Theater Matte in Bern ist am Samstag eingeweiht worden.

Der neue Treppenlift im Theater Matte in Bern ist am Samstag eingeweiht worden.

(Bild: Tobias Ankliker)

Simon Thönen@SimonThoenen

Die Forderung, dass Neu- und Umbauten behindertengerecht ausgeführt werden sollen, wird von vielen Bauherren als lästig empfunden. Das Theater Matte in Bern dagegen hat vor einem Jahr aus eigener Initiative den Bau eines Treppenlifts erwogen, damit seine Vorstellungen auch von Leuten im Rollstuhl besucht werden können. «Den Anstoss gab, dass wir solche Lifte in anderen Theatern gesehen haben», sagt auf Anfrage Peter Kaufmann vom Theater Matte.

Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Kosten von rund 90'000 Franken für Lift, Umbauten und eine behindertengerechte Toilette über den finanziellen Möglichkeiten des Theaters lagen. Man suchte – und fand nach Anfangsschwierigkeiten – Unterstützung für das Projekt. Die Hausbesitzerin, die Gemeinnützige Baugenossenschaft Bern, erklärte sich bereit, den Umbau zu bezahlen, falls Sponsoren den Kauf und die Montage des Treppenlifts übernehmen. Hier sprangen der kantonale Lotteriefonds und die Stiftungen «Walter, Ruedi und Emma Brändli», «Ernst Göhner» und «Ursula Wirz» ein. Der Treppenlift wurde am Samstag eingeweiht.

Stadttheater rollstuhlgängig

Das Stadttheater ist bereits heute rollstuhlgängig. Das heisst: Es ist über Rampen und einen Lift zugänglich, und es sind vier Plätze für Rollstühle reserviert. Auf Anmeldung könne man auch deutlich mehr Platz schaffen, sagt Sprecherin Susanne Schäfer.

Inwiefern sich die Situation mit der anstehenden Sanierung des Stadttheaters verbessern wird, ist noch nicht definitiv entschieden. Schäfer: «Vorgesehen ist, dass zusätzlich zu den im Parkett vorne links und rechts befindlichen Plätzen weitere im hinteren Parkettbereich eingebaut werden.» So hätten Rollstuhlfahrer eine grössere Auswahl.

«Man ist auf gutem Weg», sagt auf Anfrage Stefan Tschachtli von der bernischen Beratungsstelle für hindernisfreies Bauen, die an Vorgesprächen zum Sanierungsprojekt beteiligt war. «Offen ist die Frage, ob die Leitbehörde zur Sanierung das Anliegen unterstützt.» Das werde man sehen, wenn das Baugesuch vorliege.

Nur zwei reservierte Plätze für Rollstuhlfahrer hat es in den Vidmarhallen. Allerdings ist es dort wesentlich einfacher als im Stadttheater, bei Bedarf die Bestuhlung umzustellen.

«Aushängeschild» ZPK

«Es ist immer sehr erfreulich, wenn ein weiterer Kulturbetrieb zugänglich wird», sagt der Leiter der städtischen Fachstelle für Behindertengleichstellung, Brian McGowan zum Einbau des Treppenlifts im Theater Matte. Begrüssenswert sei auch, dass sich private Stiftungen dafür finanziell engagierten. «Langfristig geht es darum, bei allen Dienstleistern das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ihre Angebote allen Menschen – mit und ohne Behinderung – offenstehen sollten.»

Ein Anliegen ist McGowan, dass Kulturbetriebe nicht nur bauliche Hindernisse beseitigen, sondern dass Regelangebote für alle und damit auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden. Als Beispiel nennt er etwa ein Theaterstück im Tojo der Reitschule, das für Gehörlose von einem Dolmetscher in die Gebärdensprache übersetzt wurde. In Ausstellungen wären Videos mit Gebärdensprache als Ergänzung zu Audioguides zu begrüssen. Ein «Aushängeschild» ist für McGowan diesbezüglich das Zentrum Paul Klee (ZPK). Es bietet im Rahmen seines Programms «Klee ohne Barrieren» zum Beispiel Führungen für Menschen mit Sehbehinderungen an, in denen diese eigens hergestellte Modelle von Klee-Bildern ertasten können.

Der Bund

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