Thank you, Mister President

US-Präsident Donald Trump passt bestens zum diesjährigen WEF. Für die Schweiz und das WEF ist es lehrreich, sich am Phänomen Trump und dessen Hintergründen zu reiben.

Gesprächsverweigerung wäre das Gegenteil von Politik: Donald Trump.

Gesprächsverweigerung wäre das Gegenteil von Politik: Donald Trump. Bild: Keystone

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Womöglich beschert Donald Trump den Stadtbernern ein stürmisches Wochenende. Nach Ermüdungserscheinungen in den letzten Jahren könnte den linken Anti-Globalisierern am nächsten Samstag in der Bundesstadt wieder eine veritable Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos gelingen. Eine, die mehr als nur die Unentwegten bewegt.

Was für eine Ironie: Mischt sich Trump übernächste Woche in der Alpenstadt tatsächlich wie angekündigt unter die wirtschaftlichen und politischen Eliten, die er im letzten Jahr noch gemieden hat, bleibt er trotzdem ein hartgesottener Protektionist - und damit ein Seelenverwandter jener linken Freihandelsgegner, die am Samstag in Bern gegen ihn demonstrieren wollen.

Helden ohne Aufwand

Über Trumps Besuch freuen können sich WEF-Gegner und WEF-Veranstalter gleichermassen: Beide bekommen mit Trump mehr Aufmerksamkeit als ohne. Auch die paar Nationalräte, die den mächtigsten Mann der Welt nicht einreisen lassen wollen, müssen ihm dankbar sein: Sie können die Helden spielen, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Zu fordern, dass die Schweiz den US-Präsidenten auf ihrem Boden nicht mit Staatsoberhäuptern und Bundesräten reden lässt - das meint wohl kein Politiker ernst, selbst wenn er so tut. Denn Gesprächsverweigerung ist das Gegenteil von Politik.

Gerade Trump passt bestens zum diesjährigen WEF, das dazu aufrufen will, die wirtschaftlichen und sozialen Brüche der Globalisierung zu überwinden. Kaum ein anderes amtierendes Staatsoberhaupt steht so klar für die Schattenseiten der Globalisierung: Ohne abgehobene Eliten, die das Gespür für die einfachen Leute verloren haben, ohne die Ängste und Verwerfungen, die allzu rasanter wirtschaftlicher und sozialer Wandel auslösen, ohne all das wäre Trump nicht zum Präsidenten der USA gewählt worden.

Auch wenn er selber sich bisher nicht als Problemlöser und auch nicht als guter Zuhörer hervorgetan hat: Für die Schweiz und das WEF ist es lehrreich, sich am Phänomen Trump und dessen Hintergründen zu reiben.

Erstellt: 11.01.2018, 06:51 Uhr

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