Teuscher will sofort Asylsuchende im Zieglerspital

Das Zieglerspital ist zu, eine Zwischennutzung als Asylzentrum aber nicht in Sicht. Jetzt macht die Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher Druck auf den Kanton.

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Am Freitag schloss das Zieglerspital seine Tore. Bis am Mittag wurden noch wenige medizinische Angebote aufrechterhalten, danach war definitiv Schluss – selbst im Internet existiert das Stadtspital nicht mehr. Besucher werden nun automatisch ans Tiefenauspital weitergeleitet. Nicht verschwunden ist aber das Spitalgebäude. Ein Patient, der sich in den letzten Wochen noch im Zieglerspital behandeln liess, bezeichnete es liebevoll als weissen Schwan.

Was in Zukunft auf dem Areal entstehen soll, steht in den Sternen. Aber einer Zwischennutzung des weissen Gebäudekomplexes würde mit dem Auszug des Spitals nichts mehr im Weg stehen. Seit dem Frühling existiert die Idee, im ehemaligen Stadtspital Asylsuchende unterzubringen. Angesichts der Flüchtlingssituation hat dieser Gedanke nichts an Aktualität eingebüsst. Im Gegenteil. Im Kanton Bern herrscht im Asylwesen Platznot. Es können nicht genug neue Unterkünfte in Betrieb genommen werden, weil die zur Mithilfe aufgeforderten Gemeinden den Widerstand proben.

«Unbürokratisch und umgehend»

Grüne Stadtpolitiker monieren nun, bezüglich der Unterbringung von Asylsuchenden im Zieglerspital sei seit dem Frühling nichts gegangen. Und dies obwohl die Schliessung des Spitals seit nunmehr einem Jahr bekannt sei. Gestützt wird diese Einschätzung von Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB). Der Kanton könne sich eine Asylunterkunft vorstellen, die Spital Netz Bern AG sei nicht gegen eine Zwischennutzung und die Stadt Bern habe dem Kanton ihre Unterstützung zugesichert, sagt sie. «Wenn ich für das Dossier beim Kanton verantwortlich wäre, hätte ich schneller vorwärtsgemacht», sagt Teuscher.

Noch gehört das Zieglerspital der Spital Netz Bern AG. Deshalb wäre es am Kanton, der für die Unterbringung der Asylsuchenden verantwortlich ist, mit Spital Netz Bern Gespräche aufzunehmen. Die Stadt sei hingegen nicht zuständig, wolle aber politische Verantwortung übernehmen. «Angesichts der fehlenden Unterkünfte müssen im Zieglerspital unbürokratisch und umgehend befristete Plätze für Asylsuchende bereitgestellt werden», sagt sie. Deshalb habe sie ein Gespräch mit den entscheidenden Akteuren initiiert.

Wenn kurzfristig Asylsuchende im Zieglerspital einzögen, hiesse dies nicht, dass auch ein Durchgangszentrum eingerichtet würde, sagt Teuscher weiter. Die Realisierung eines Durchgangszentrums wäre zudem ein längerer Prozess, wie sich bei der alten Feuerwehrkaserne gezeigt habe. Von der Idee bis zum Einzug der Asylsuchenden verging mehr als ein Jahr. Teuscher möchte deshalb als Sofortmassnahme bereits in den nächsten Monaten Asylsuchende im Zieglerspital einquartieren. In einer zweiten Phase könne man sich überlegen, ob ein Durchgangszentrum für Asylsuchende die richtige Zwischennutzung wäre.

Bundesasylzentrum bleibt Option

Die Berner Gemeinderätin Teuscher spielt den Ball dem Kanton zu. Auf Nachfrage bei der Polizei- und Militärdirektion (POM) wird klar, dass dieser zwar die Idee einer Asylunterkunft verfolgt, aber nicht als Durchgangszentrum oder gar als Notunterkunft. Vielmehr steht für den Kanton ein Bundesasylzentrum im Vordergrund: «Mit dem Staatssekretariat für Migration vom Bund sind diverse Verhandlungen gelaufen», sagt Andreas Michel, Generalsekretär der POM. Ein Bundeszentrum würde aber erst langfristig in Betrieb genommen. Für kurzfristigere Lösungen würden nun ­Gespräche geführt, sagt Michel. Die Spital Netz Bern AG will erst nächste Woche über die Zukunft der ­Gebäude informieren.

Kurz vor Inbetriebnahme steht hingegen das Asylzentrum in der alten Feuerwehrkaserne in der Stadt Bern. Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe, welche das Asylzentrum betreiben wird, hat Mitarbeiter eingestellt, welche ihre Arbeit Anfang September aufnehmen. Trotzdem wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die ersten Asylsuchenden einziehen werden. Gemäss der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe sind noch bauliche ­Anpassungen im Gang. (Der Bund)

Erstellt: 29.08.2015, 11:15 Uhr

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