Teuscher verstrickt sich in Widersprüche

Entgegen dem Dementi von Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) ging es in der Berner Schulzahnklinik doch um Mobbing. Dies belegen Dokumente, die dem «Bund» vorliegen.

«Der Vorwurf des Mobbings wurde in keiner der beiden juristischen Auseinandersetzungen erhoben», sagte Franziska Teuscher vergangene Woche. Diese Aussage erscheint nun zweifelhaft.

«Der Vorwurf des Mobbings wurde in keiner der beiden juristischen Auseinandersetzungen erhoben», sagte Franziska Teuscher vergangene Woche. Diese Aussage erscheint nun zweifelhaft. Bild: Adrian Moser

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Franziska Teuscher schien sich ihrer Sache sicher zu sein: «Der Vorwurf des Mobbings wurde in keiner der beiden juristischen Auseinandersetzungen erhoben», sagte sie diese Woche anlässlich einer Medienorientierung zu den Querelen in der Schulzahnklinik. Er tauche nur in teilweise anonymen Schreiben und in Zeitungsartikeln auf. Einen Tag später erscheinen diese Aussagen zweifelhaft. Dem «Bund» liegen Auszüge aus einer der beiden Beschwerdeschriften vor, in denen es sehr wohl um Mobbing geht. Darin machte die Beschwerdeführerin unter anderem «konfliktbelastete Kommunikation beziehungsweise Kommunikationsverweigerung» seitens des Klinikleiters geltend. Zudem habe der Klinikleiter der Beschwerdeführerin «immer wieder» Informationen vorenthalten, die sie betroffen hätten. Die Beschwerde richtet sich aber nicht gegen den mittlerweile krankgeschriebenen Klinikleiter, sondern gegen die Stadt als Arbeitgeberin – vertreten durch die Person von Sozialdirektorin Teuscher. Diese habe ihre Fürsorgepflicht als Arbeitgeberin verletzt, indem sie das Mobbing des Klinikleiters toleriert habe. Der Sozialdirektorin habe es «von Anfang an» an der Bereitschaft gefehlt, sich mit den geltend gemachten «Kommunikationsmängeln» des Klinikleiters auseinanderzusetzen und allfällige Massnahmen anzuordnen. «Stattdessen hat sie es vorgezogen, der Beschwerdeführerin die Klinikleitung zu entziehen.»

«Persönliche Integrität verletzt»

Ein weiteres Dokument belegt, dass Teuscher bereits am 18. August 2014 von den Mobbingvorwürfen gewusst hatte. Damals hatten sich eine der späteren Beschwerdeführerinnen und eine weitere Mitarbeiterin in einem Mail an die Direktorin gewandt. Das Schreiben liegt dem «Bund» vor. Darin ersuchen die beiden Klinikmitarbeiterinnen Teuscher um ein «vertrauliches Gespräch in dienstlicher Angelegenheit». Als Begründung fügen sie an: «Wir fühlen uns am Arbeitsplatz in unserer persönlichen Integrität verletzt.»

Teuscher war bereits 2014 im Bild

Mit dieser Formulierung spielten die Klinikmitarbeiterinnen auf Artikel 328 im Obligationenrecht an. Dieser hält unter anderem fest, dass der Arbeitgeber «zum Schutz von Leben, Gesundheit und persönlicher Integrität» der Arbeitnehmenden Massnahmen zu treffen hat. Gemäss der Broschüre «Mobbing. Begriff und rechtliche Aspekte» des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) können sich Opfer von Mobbing auf den genannten Artikel berufen und Beschwerde gegen den Arbeitgeber erheben. Wenn Arbeitnehmer eine Verletzung ihrer persönlichen Integrität geltend machen, geht es also um Mobbing.

Teuscher scheint sich dessen als Arbeitgeberin aber offenbar nicht bewusst gewesen zu sein. Sie hält in einer schriftlichen Stellungnahme fest, dass sie aufgrund des Mails vom August ein Gespräch mit den beiden Klinik-Mitarbeiterinnen geführt habe. Dabei sei es aber «nicht um Mobbing gegangen». Die beiden Mitarbeiterinnen seien auf die Anlaufstellen hingewiesen worden, «die die Stadt anbietet, wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt».

«Fazit einer Anwältin»

Der Hinweis hat offenbar nichts genützt. Die eine der beiden Autorinnen des Mails hat später Beschwerde gegen die Stadt eingereicht. Im betreffenden Verfahren habe sie zwei persönliche Gespräche mit der Beschwerdeführerin im Beisein ihrer Rechtsvertreterin geführt, hält Teuscher fest. An diesen Gesprächen sei es ebenfalls «nicht um Mobbing» gegangen. Ab dem Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde habe der Rechtsdienst des Personalamts der Stadt Bern die Beschwerde behandelt. Zu den darin enthaltenen Mobbing-Vorwürfen schreibt Teuscher: «Es ist jeder Rechtsanwältin unbenommen, in der Beschwerdeschrift ein Fazit zu ziehen.» Das Verfahren habe schliesslich in einem Vergleich geendet und die Beschwerde sei zurückgezogen worden.

«Meine Bürotür steht offen»

«Mobbing ist ein schwerer Vorwurf, den ich ernst nehme», sagte Teuscher an der Medienkonferenz. Sie sei stolz darauf, dass Mobbingopfer in der Stadt Bern ausreichenden Schutz genössen. «Wer mich kennt, der weiss: Meine Bürotür steht offen und ich nehme gerne, auch vertraulich, Informationen und sachliche Kritik entgegen», beteuerte die Sozialdirektorin. (Der Bund)

Erstellt: 11.06.2016, 08:08 Uhr

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