Teuscher soll Führungsstärke zeigen

Bei den Personalproblemen in der Schulzahnklinik kann man nicht mehr von Einzelfällen sprechen. Nun muss die oberste Chefin Lösungen bieten.

hero image
Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Seit einem Jahr rumort es in der Berner Schulzahnklinik. Zuerst war von personalrechtlichen Auseinandersetzungen in «Einzelfällen» die Rede. Dann kam es zwischen dem neuen Leiter und einer langjährigen Kadermitarbeiterin zu einer juristischen Auseinandersetzung. Der Abgang der Fachfrau und der mit der Stadt erstrittene Vergleich dürfte einiges an Zeit und Geld gekostet haben. Eine weitere Beschwerde gegen den Leiter wegen eines Arbeitszeugnisses ist noch hängig.

Auch hat der Leiter selber Klage wegen anonymer Anschuldigungen erhoben. Das Jahr war aber nicht nur durch rechtliche Streitereien, sondern auch durch Ausfälle geprägt. So ist es zu neun Langzeitabsenzen gekommen, das heisst, über ein Viertel der Belegschaft ist temporär ausgefallen. Nun haben die Personalquerelen auch Folgen auf den Geschäftsgang, der sich derart verschlechtert hat, dass der Gemeinderat einen Nachkredit genehmigen musste.

Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB) zeigte sich von der Misere bisher unbeeindruckt. Sie schlug den Klinikleiter im Juli 2013 dem Gemeinderat im Eiltempo zur Wahl vor, weil die ursprünglich ausgewählte Person abgesprungen war. Teuscher möchte die hochdefizitäre Schulzahnklinik mit den universitären Zahnkliniken zusammenführen, wofür der Klinikleiter «bestens geeignet» sei, wie sie sich einst ausgedrückt hat. Aus finanziellen Gründen ist es nachvollziehbar, dass der Gemeinderat die Klinik möglichst schnell loswerden möchte. Ob die Aussicht auf eine Fusion bei einem anhaltenden wirtschaftlichen Sinkflug der Klinik aber je Wirklichkeit wird, muss bezweifelt werden.

Die Schulzahnklinik ist ursprünglich ein Sozialwerk. Sie wurde vor über 100 Jahren gegründet, um Kindern aus allen sozialen Schichten Zugang zu einer angemessenen Mundhygiene zu verschaffen. Schulzahnpflege und Prophylaxe sind ebenso nötig wie unrentabel. Umso wichtiger ist es, dass die Klinik nicht unnötig in eine gravierende finanzielle Schieflage gerät. Franziska Teuscher ist nun gefordert, endlich Führungsstärke zu zeigen.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt