Teuscher hält nichts von «Jugendzentrum Progr»

Die FDP Stadt Bern findet, die Reitschule sei in den 1980er-Jahren stecken geblieben. Daher soll eine zeitgemässe Alternative her.

Untauglich als Jugendzentrum? Die FDP will eine Alternative zur Reitschule schaffen.

Untauglich als Jugendzentrum? Die FDP will eine Alternative zur Reitschule schaffen.

(Bild: Tobias Anliker)

Wie löst man die Drogen- und Gewaltprobleme, die seit jeher rund um die Reitschule bestehen? Es brauche etwas Neues, einen grossen Wurf, sagte Bernhard Eicher, Fraktionspräsident der FDP Stadt Bern, kürzlich dazu im Stadtrat. Am Montag präsentierte er nun diesen Wurf: Ein neues selbstverwaltetes Jugendzentrum muss her. Es soll ein zentral gelegener Ort sein, frei von Konsumzwang und mit der Möglichkeit, sich auch im Freien aufzuhalten. Die Reitschule soll entsprechend dem Volkswillen weiterhin bestehen bleiben.

Konkurrenzdruck soll helfen

«In der Reitschule herrscht noch immer dieselbe Ideologie und Organisations-struktur wie in den 80er-Jahren», sagte Bernhard Eicher am Montag an einer Pressekonferenz der FDP Stadt Bern, in der Lösungsideen zum Thema Reitschule präsentiert wurden. Die Ü-40er-Reitschüler hätten - Basisdemokratie hin oder her - das Sagen in diesem Betrieb. Und diese «alte Garde» sei es, die sich der Zusammenarbeit mit der Stadt und der Polizei verwehre. «Darum brauchen wir ein Jugendzentrum, das wirklich von und für Jugendliche gestaltet wird. Und das in Sicherheitsfragen mit der Polizei kooperiert.» Die Reitschule soll in eine Konkurrenzsituation gebracht werden. Die FDP Stadt Bern erhofft sich so, dass der entstehende Marktdruck zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Polizei und Reitschule führen würde.

Progr als möglicher Standort

Konkret schlägt die FDP das Kulturzentrum Progr als künftigen Standort für ein Jugendzentrum vor. Der östliche Progrhof soll dabei als Vorplatz dienen. Franziska Burkhardt, Geschäftsleiterin der Stiftung Progr, ist gar nicht begeistert von diesem Vorschlag. «Mit uns hat man noch gar nie darüber gesprochen», sagt sie. «Es ist etwas befremdlich, dass über Räumlichkeiten im Progr diskutiert wird, wo diese doch bereits vermietet sind.» Die Mieter könnten nicht einfach rausgeworfen werden. Zudem sei der Stiftungszweck der Stiftung Progr, Künstlern günstige Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.

Ein falscher Ansatz?

Für Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) stellt sich vor der Frage nach einem möglichen Standort die Frage nach der Notwendigkeit eines neuen Jugendzentrums. Dies, da mit dem Gaskessel und der Reitschule schon zwei solche existierten. «Es ist zudem falsch zu glauben», sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, «dass Sicherheits- und Drogenprobleme verschwinden, wenn die Jugend von der Reitschule an einen anderen Treffpunkt gelockt wird.» Diese Probleme seien nicht an einen Ort gebunden.

Dem pflichtet Soziologe Ueli Mäder, der gerade ein Dossier zur Reitschulethematik ausgearbeitet hat, auf Anfrage bei. Er findet es jedoch sinnvoll, einen weiteren, möglichst autonomen, Ausgehort für Jugendliche zu schaffen, da die Reitschule an den Wochenenden überfüllt sei. «Ein neuer Treffpunkt darf jedoch nicht als Konkurrenz zur Reitschule angesehen werden. Sondern als Ergänzung», sagt er. Wichtig sei, dass die Jugendlichen dabei mitreden könnten. «Wenn ohne Mitsprache ein Ort bestimmt wird, wo sie sich künftig aufhalten sollen, klappt das sicher nicht.»

Neuer Jugendtreff bereits geplant

So oder so steht die Schaffung eines neuen Jugendzentrums auf der Berner Politagenda, zumal dies auch das neue Nachtlebenkonzept vorsieht. Der Gemeinderat entscheidet noch diesen Frühling, ob ein Jugendzentrum am alten Sanitätsstützpunkt an der Nägeligasse ins Auge gefasst werden soll. Die FDP nannte diese Adresse ebenfalls als Alternative zum Progr, bemängelte daran jedoch das Fehlen eines Vorplatzes.

Nebst der Motion für ein Jugendzentrum wird die FDP, im Rahmen des Lösungspaketes für die Reitschule, Ende März eine weitere Motion einreichen. Sie fordert, dass die vereinbarten Regeln mit der Reitschule konsequenter durchgesetzt werden. Falls nötig durch Kürzungen von Subventionen bis hin zur temporären Schliessung des Betriebes.

DerBund.ch/Newsnet

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