Tauziehen um alte Feuerwehrkaserne beginnt

Mit ihrem Projekt für die alte Feuerwehr­kaserne wollen Gewerbler verhindern, dass sich Zwischennutzungen verfestigen. Damit sind nicht alle Akteure einverstanden.

Alte Feuerwehrkaserne: Die Feuerwehr ist ausgezogen, wer nun einzieht wird heftig diskutiert.

Alte Feuerwehrkaserne: Die Feuerwehr ist ausgezogen, wer nun einzieht wird heftig diskutiert.

(Bild: Valérie Chételat)

Simon Thönen@SimonThoenen

Neben den geplanten rund 20 Wohnungen sollen in der alten Feuerwehrkaserne ein Viersternhotel, Restaurants, ein Strassencafé, Werkstätten und eine Kita entstehen. Dies schlägt die Wohnbaugenossenschaft (WBG) Central, die von Gewerbe- und Gastrokreise getragen wird, in einem Konzept vor, das der «Bund» gestern publik machte.

Wettbewerb noch nicht gestartet

«Dieser Vorschlag freut mich», sagt der zuständige Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP). «Er zeigt, dass das ­Gewerbe in Bern lebendig und innovativ ist.» Allerdings betont er sogleich, «dass alle Vorschläge mit gleichen Ellen gemessen werden, unabhängig davon, ob sie via Presse bekannt gemacht oder auf dem üblichen Weg eingereicht werden».

Dennoch hat der Wettbewerb gar nicht begonnen. Laut Schmidt wird die Betriebskommission des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik (Fonds) das Programm für den Wettbewerb der Architekten und Planer ausarbeiten und auch eine Wettbewerbsjury vorschlagen. Das letzte Wort hat dazu der Berner Gemeinderat. Der Startschuss für den Wettbewerb soll dann, so Schmidt, «eher im Januar als im März ­fallen».

Die in der WBG Central zusammengeschlossenen Gewerbekreise wollen mit ihrem Vorschlag erklärtermassen auch verhindern, dass sich Zwischennutzungen des Areals verfestigen können. Denn sie befürchten, dass sich die provisorischen Nutzungen letztlich als die Endnutzung herausstellen könnten – so wie seinerzeit beim Kulturzentrum Progr in der Altstadt.

Streit um Zwischennutzungen

In der Tat wünscht sich die Quartierkommission Dialog Nordquartier, dass «die Erfahrungen der Zwischennutzungen» in die Planung für die definitive Nutzung einfliessen, wie sie kürzlich in einer Medienmitteilung festhielt. Auf Anfrage präzisiert Co-Präsident Manfred Leibundgut, dass sich diese Forderung auf den Teil der alten Feuerwehrkaserne beziehe, der denkmalgeschützt sei und deshalb ohnehin nicht grundlegend verändert werden könne. Die SP-Fraktion im Stadtrat fordert dasselbe in einer dringlichen Motion.

Schmidt will sich zur SP-Motion nicht direkt äussern, da der Gemeinderat sich noch nicht mit ihr befasst hat. Er sagt ­allerdings: «Das Einsteigen auf die Forderung der SP würde eine Trendumkehr bedeuten.» Bisher sei man in der Planung davon ausgegangen, dass die definitive Nutzung gesamthaft für das ganze Areal festgelegt werde – unabhängig von den Nutzungen in der Zwischenphase bis zum Beginn der Überbauung.

Grünliberale: Innenhof erhalten

Ebenfalls mit einer dringlichen Motion haben sich die Grünliberalen zu Wort gemeldet. Ihr Anliegen ist unter anderem, dass der Innenhof der alten Feuerwehrkaserne nicht überbaut wird. Die Grünliberalen räumen allerdings ein, dass es dann schwierig wäre, einen Mindest­anteil von 45 Prozent Wohnungen auf dem Areal der Kaserne einzuhalten. Den Wohnanteil von 45 Prozent hatte das Stadtberner Volk allerdings beschlossen, als es 2008 eine Zone mit Planungspflicht (ZPP) für die alte Feuerwehr­kaserne an der Urne guthiess.

Finanzdirektor Schmidt verweist darauf, dass ein Wohnanteil von 45 Prozent laut ZPP das Minimum ist. Die Betriebskommission des Fonds, deren Präsident Schmidt ist, habe beschlossen, «wenn möglich einen höheren Wohnanteil anzustreben». Schliesslich sei die zentrale Lage an der Viktoriastrasse «ideal für die Erstellung von Wohnungen». Auch den Vorstoss der Grünliberalen kommentiert Schmidt nicht direkt. Im Grundsatz hält er allerdings fest: «Alle politischen Parteien fordern in ihren Programmen verdichtete Wohnüberbauungen in den Zentren. Es wäre seltsam, ausgerechnet auf dem zentral gelegenen Areal der ­alten Feuerwehrkaserne davon abzurücken.»

Der Bund

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