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«Tanz dich frei»: Bericht des Gemeinderats liegt vor

Die Berner Stadtregierung analysiert in einem Bericht die Ereignisse rund um die zweite Durchführung von «Tanz dich frei».

Eine «Kumulation von Faktoren» habe zu den Ausschreitungen rund um «Tanz dich frei» geführt.
Eine «Kumulation von Faktoren» habe zu den Ausschreitungen rund um «Tanz dich frei» geführt.
Adrian Moser

Der Berner Gemeinderat hat am Freitag seine 24-seitige Analyse des «Tanz dich frei«-Umzugs von Ende Mai veröffentlicht, der in wüsten Krawallen endete. Er schreibt darin, es brauche neue Strategien zum Umgang mit anonymen Grossveranstaltungen.

In Zukunft müssten wohl die Behörden oder Vermittlungspersonen vermehrt selber auf den sozialen Plattformen des Internets aktiv und steuernd tätig werden, wenn eine Veranstaltung ausserhalb des üblichen Bewilligungsverfahrens anstehe. Das heisst es in diesem Bericht.

Auch reiche eine rein polizeiliche Optik auf Anlässe, zu denen die Organisatoren anonym zur Teilnahme aufrufen, künftig nicht mehr. Es brauche ein interdisziplinäres Vorgehen, also auch eine soziologische und jugendpolitische Sicht auf den Anlass. Die Stadtberner Regierung will nun im Rahmen des Städteverbands und in der Konferenz der städtischen Sicherheitsdirektoren solche Ideen erörtern.

Demo zu tolerieren, war richtig

Im Bericht bestätigt die Berner Stadtregierung ansonsten bisher gemachte Aussagen: Sie findet es nach wie vor richtig, die unbewilligte Kundgebung toleriert zu haben, obwohl sie in wüsten Krawallen mit hohem Sachschaden und 50 Verletzten endete.

Die Schuld dafür weist sie in erster Linie einem Kern von und 70 gewaltbereiten Randalierern sowie Mitläufern zu. Diese hätten die Masse von rund 10'000 Teilnehmern ausgenutzt. Ebenfalls schuld seien die anonymen Organisatoren, die sich beharrlich geweigert hätten, mit den Behörden Kontakt aufzunehmen.

Die Berner Stadtregierung zieht daraus den Schluss, «dass künftig nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass solche von der grossen Masse friedlich angegangene Veranstaltungen nicht auch ein Gewaltpotenzial von Minderheiten enthalten.» Dieses Potenzial habe man unterschätzt.

Verhinderung des Umzugs geprüft

Die Sicherheits-, Umwelt- und Energiedirektion der Stadt Bern unter Gemeinderat Reto Nause hat die Analyse erarbeitet. Der Gemeinderat verabschiedete sie an seiner Sitzung vom Mittwoch. Der Bericht enthält im Wesentlichen eine Chronologie der Ereignisse, einen Rückblick auf die «Tanz dich frei«-Umzüge von 2011 und 2012 und eine Darstellung der Vorbereitungen und der Strategie der Stadt Bern. Dann folgt eine Beurteilung der Ereignisse der Nacht vom 25. auf den 26. Mai und ein Kapitel zu Lehren und möglichen künftigen Strategien.

Zu lesen ist im Bericht etwa, dass auch Gemeinderat Reto Nause sich per Facebook persönlich an die «Tänzerinnen und Tänzer» wandte mit der Bitte, sich wegen Sicherheitsbedenken an die Stadt zu wenden. Alle Kontaktversuche - auch der Verwaltung - blieben unbeantwortet.

Ebenfalls im Bericht steht, dass Stadt und Kantonspolizei drei Varianten für den Umgang mit der Kundgebung erörterten, darunter auch, den Umzug zu verhindern. Man kam zum Schluss, dass eine Intervention Unbeteiligte zu sehr gefährdet hätte.

Gemäss Medienmitteilung des Gemeinderats hat der 3. Runde Tisch zum Berner Nachtleben «wertvolle Inputs» liefern können. Die dort vorgebrachten Ideen sollen vertieft ausgewertet und in die in die Diskussion mit den verschiedenen Partnern eingebracht werden.

SDA/jur

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