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Symbole des Wachstums

Während der Hochkonjunktur herrschte auch in Bern eine Hochhaus-Euphorie.

Diese Hochhäuser im Wylerquartier gelten als die ältesten der Stadt. Die Wohnungsnot war in der Nachkriegszeit ein Dauerproblem.
Diese Hochhäuser im Wylerquartier gelten als die ältesten der Stadt. Die Wohnungsnot war in der Nachkriegszeit ein Dauerproblem.
Das Werk: Architektur und Kunst (ETH-Bibliothek)
Die Plattenbauten wurden bereits 1957 fertiggestellt. «Spielplätze für Mutter und Kind sowie ein Schlittelhügel sind vorgesehen», schreibt die Architekturzeitschrift.
Die Plattenbauten wurden bereits 1957 fertiggestellt. «Spielplätze für Mutter und Kind sowie ein Schlittelhügel sind vorgesehen», schreibt die Architekturzeitschrift.
Das Werk: Architektur und Kunst (ETH-Bibliothek)
Ein Hochhaus der Überbauung in Wittigkofen. Ursprünglich waren in der Siedlung im Osten Berns bis zu 30 Hochhäuser geplant. Doch spätestens mit der Ölkrise von 1973 fand die Zeit des unbegrenzten Wachstums auch in Bern ein abruptes Ende.
Ein Hochhaus der Überbauung in Wittigkofen. Ursprünglich waren in der Siedlung im Osten Berns bis zu 30 Hochhäuser geplant. Doch spätestens mit der Ölkrise von 1973 fand die Zeit des unbegrenzten Wachstums auch in Bern ein abruptes Ende.
Valérie Cételat
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Zweckmässig, funktional, wirtschaftlich: Das Hochhaus schien in den boomenden Nachkriegsjahren die ideale Antwort auf das enorme Bevölkerungswachstum und die steigenden Bodenpreise. Bereits 1955 verabschiedete die Stadt Bern ein erstes Hochhauskonzept. Ein Jahr später wurde die Überbauung «Neuhaus» in Bethlehem-Bümpliz fertiggestellt. Als Vorbild für die drei zwölfgeschossigen Plattenbauten dienten dem Architekten der französische Stadtplaner und Designer Le Corbusier.

Zusammen mit den drei im Wankdorfer «Altwyler» gebauten Hochhäusern gelten sie als die ersten der Stadt Bern. Weitere folgten im Fischermätteli und Steigerhubel, einzelne auch im Zentrum. Doch reichten diese eher bescheidenen Projekte bei weitem nicht aus, die enorme Nachfrage der Stadt nach günstigem Wohnraum zu decken. Gefragt waren Grossüberbauungen. Diese entstanden nun hauptsächlich im Westen Berns, wo ehemalige Bauerngüter an die Burgergemeinde, Grossinvestoren, Stadt oder Baugenossenschaften verkauft wurden.

Pioniersiedlung Tscharni

So entstand ab 1958 im Tscharnergut die bisher grösste Wohnüberbauung im Kanton Bern. Die weitgehend autofreie Siedlung wurde 1965 fertiggestellt und bot Platz für 5000 Menschen. Das «Tscharni» galt auch über die Landesgrenze hinaus als beispielhaftes Pilotprojekt und markierte einen städtebaulichen Wendepunkt. Bis 1974 entstanden im Westen Berns die Grosssiedlungen Gäbelbach, Schwabgut, Fellergut, Bethlehemacker II und Kleefeld – alle mit markanten Hochbauten. In den Jahren der Hochkonjunktur waren die Hochhäuser auch Symbole einer aufstrebenden und scheinbar unbegrenzt wachsenden Gesellschaft. Die Planer der Grossüberbauungen begriffen Städtebau als Neubeginn, auf bestehende Siedlungsstrukturen nahmen sie wenig Rücksicht.

Abruptes Ende

Die Hochhaus-Euphorie währte allerdings nur kurz. Der Holenackersiedlung wurde 1973 von der Stadtbevölkerung nur noch knapp zugestimmt. Im Osten Berns, in Wittikofen, sollten ursprünglich 30 zwanziggeschossige Hochhäuser entstehen. Letztlich wurde nur eines von fünf Quartieren realisiert. Vor allem die Abnahme des Bevölkerungswachstums (Pillenknick) und die durch die Ölkrise verursachte Rezession führten zu einem abrupten Ende des Berner Hochhausbaus. Es gab aber nicht nur ökonomische Gründe. Denn gleichzeitig stiessen Grossüberbauungen auf den grünen Wiesen auch in der Bevölkerung zunehmend auf Ablehnung. Hochhaussiedlungen hatten plötzlich einen schlechten Ruf: Viele sahen in ihnen nun hässliche Kaninchenställe, die Kriminalität förderten und die natürliche Entwicklung der Kinder hemmten.

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