Swisscom-Antennen auf dem Dach müssen sich warm anziehen

Ein Konflikt um Mobilfunkantennen auf dem alten Feuerwehrturm löst sich vielleicht in Minne auf.

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Wie bunte Figuren sehen die warm eingepackten Mobilfunkantennen auf dem Dach des Turms der alten Feuerwehr Viktoria aus. Für die Künstler des Ateliers Turm, das die Räumlichkeiten des Turms nutzt, sind die bunten Stricküberzüge jedoch kein harmloser Gag.

Regelmässig veranstalten die Atelier-Besitzer Führungen durch den Turm, die in einem Apéro auf der kleinen Dachterrasse gipfeln, von der sich ein beeindruckender Ausblick auf Bern bietet. Die Gäste, die den Aufstieg – vorbei an Pinseleien und Skulpturen – auf sich nehmen, zeigten sich bei der Ankunft auf dem Dach jedoch oft irritiert, sagt die Künstlerin Zeinab Serage. Sie initiierte den zehntägigen Strickmarathon.

«Die Leute haben Angst, dass die Strahlung der Antennen für sie gefährlich sein kann.» Zudem passen die drei rund einen Meter hohen Antennen ihrer Ansicht nach nicht auf das Dach eines denkmalgeschützten Turms. Bei der Stadt, der die alte Feuerwehrkaserne gehört, und bei der Swisscom hätten sie sich bisher kein Gehör verschaffen können, so Serage.

Als sie dann kürzlich erfahren hätten, dass die Swisscom die technischen Anlagen sogar durch neue ersetzen wolle, hätten sie gewusst: «Jetzt ist es Zeit zu handeln.» An der höchstgelegenen Antenne weht jetzt eine riesige Samichlaus-Socke. Das bedeute: «Die Swisscom soll sich auf die Socken machen.»

Gefahr bei verstrahltem Apéro?

Der Mobilfunkanbieter hält die Antennen-Verkleidungen für eine «kreative Idee der Künstler, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen», wie Mediensprecherin Annina Merk auf Anfrage sagt. Aus Sicherheitsgründen könne man die Aktion jedoch nicht gutheissen: «Es ist nicht erlaubt, sich so nahe an Mobilfunkantennen aufzuhalten, da möglicherweise der Grenzwert für die Strahlung überschritten wird», hält Merk fest.

Zudem bestehe für die Künstler eine hohe Absturzgefahr beim Anbringen der Strickereien in luftiger Höhe. Bei Swisscom wisse man erst seit kurzem, dass sich offenbar regelmässig Leute auf der Dachterrasse des alten Feuerwehrturms aufhielten. Aus gesundheitlichen Gründen rate man von der Nutzung der Dachterrasse ab. In den nächsten Tagen werde die Swisscom Warnkleber an der Tür anbringen und die Standorteigentümerin bitten, die Türe auf das Dach zu verschliessen.

Dass die Künstler des Turm-Ateliers derart auf Kriegsfuss mit der Swisscom zu sein scheinen, kann Merk nicht nachvollziehen: «Heute wollen eigentlich alle ihr Handy immer und überall nutzen können, Bilder verschicken, Mails abrufen und im Internet surfen.» Und dafür braucht es laut Merk ein gutes Netz und somit auch Mobilfunkantennen.

Keineswegs unüblich sei es, Mobilfunkantennen auch auf denkmalgeschützten Gebäuden anzubringen. Den Standort der alten Feuerwehrkaserne will die Swisscom laut Merk sehr gerne behalten und zudem die Gerätschaften modernisieren. In Bern sei es schwierig, einen Vermieter zu finden, der die Funk-Installationen auf seinem Gebäude erlaube, sagt sie.

War Strickaktion vergebene Müh?

Laut Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern weiss man erst seit November diesen Jahres vom Interessenkonflikt um die Antennen. Der Turm der alten Feuerwehrkaserne werde den Künstlern von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Ball liege allein bei der Antennen-Eigtentümerin Swisscom. Gemäss Boss wurde die alte Feuerwehr Viktoria erst 2008 unter Denkmalschutz gestellt, also lange nachdem die Antennen installiert worden waren.

Trotzdem könnte die Stadt den Künstlern ihren Wunsch nach einem antennenlosen Dach bald erfüllen: Man habe nicht vor, den Mietvertrag mit der Swisscom zu verlängern. Dadurch falle auch die Erneuerung der ungeliebten Antennen weg.

Der Bund

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