Suisse Caravan Salon: Messe-Eröffnung mit Proletenmobil

Ein Wohnmobil, das ganz auf die Bedürfnisse des einfältigen Mannes ausgerichtet ist, wurde gestern zur Eröffnung des Suisse Caravan Salon auf dem BEA-Gelände präsentiert.

Das Interieur des «Männermobils»: Grosser Flachbildschirm und ein Spiegel, in dem jeder Mann zum Muskelprotz wird. (Valérie Chételat)

Das Interieur des «Männermobils»: Grosser Flachbildschirm und ein Spiegel, in dem jeder Mann zum Muskelprotz wird. (Valérie Chételat)

Eine Frau und ein Mann wurden gestern aufgeboten, um zur Eröffnung des Suisse Caravan Salon die Hauptattraktion dieses Jahres vorzustellen: das «Männermobil». Der Mann: Yves Studer, Schweizer Profiboxer – ein «echter Kerl». Die Frau: eine wohlgeformte Dame mit blond gefärbten Haaren, knapper, aus Leder gefertigter Kleidung und einer an ein Hirschgeweih gemahnenden Tätowierung oberhalb des Steissbeins. Die beiden gaben fürwahr ein treffendes Sinnbild ab für die Vorstellung von Geschlechterrollen, die wohl der Konzeption des vorgestellten Gefährts zugrunde lagen. «Viel Zeit, Energie und Gehirnmasse» sei in die Ausgestaltung des «Männermobils» gesteckt worden, sagte Manuel Sautter, der das «Männermobil» präsentierte. Das Resultat der Bemühungen: kaum ein Männerklischee, das nicht bedient würde.

Zapfhahn und Phallus-Bonbons Für den Säufer im Manne wurde extra ein Zapfhahn eingebaut, laut Sautter «die erste Bierzapfanlage in einem Reisemobil». Zum Kochen muss eine Mikrowelle genügen, meist wird eh der Gasgrill aus der «Heckgarage» geholt. Der Rest der Küchenfläche wird von einem grossen Bier-Kühlschrank inklusive Gefrierfach für Tiefkühlpizzen eingenommen. Auf zwei grossen Flachbildschirmen können Fussball und Formel 1 verfolgt werden, Spielkonsolen sind ebenso verfügbar. An der Rückseite des Mobils ist gar eine Leinwand angebracht; so verpasst der Mann auch dann kein Tor, wenn er etwas frische Luft benötigt. Damit sich der Klischeemann auch selbst zumindest minimal bewegt, fahren Tischfussballkasten und Dartscheibe mit. Sollte diese Bewegung nicht ausreichen und es einem Urlauber ob all der männlichen Lebensweise leicht schwindlig werden, kann er sich mit Aspirin aus der Bordapotheke kurieren. Dort gibt es darüber hinaus: Viagra, Kondome und Mintbonbons in Phallusform. Frauen sind also doch erwünscht. Allerdings nur, sofern sie gewisse Auflagen erfüllen: An der Eingangstür ist eine Puppe angebracht, die das Mindestmass vorgibt für weiblichen Besuch. Nicht ihre Körperhöhe, sondern die Medizinbälle unter ihrem Hals gelten als Referenzgrösse. Stolze 300 000 Franken ist das Gefährt laut Sautter ungefähr wert, eine serienmässige Produktion ist vorläufig nicht geplant.

Bode Millers ehemaliges Zuhause Wem das «Männermobil» zu viel der klischierten Männlichkeit ist, der kann an der Messe andere imposante Gefährte begutachten. Zum Beispiel das Wohnmobil, in dem der amerikanische Skifahrer Bode Miller während fünf Wintern hauste. Fazit: für ein fahrendes Zuhause äusserst geräumig, als Wohnsitz während einer strapaziösen Skisaison aber doch eher eng.

Der Bund

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