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Sturm auf Schloss Utzigen

Nicht nur den grossspurigen deutschen Herrscher knöpfte sich «Bund»-Redaktor Widmann im August 1888 vor. Auch in der Nähe fand er Grund zur Anklage und war damit ebenfalls aus heutiger Sicht aktuell: Es ging um Misshandlungen in einem Altersheim.

Unter dem Titel «Ein Pflegling» schrieb er, in Grindelwald habe ihm eine Frau einen Brief aus der «Armenverpflegungsanstalt des Berner Oberlandes in Utzigen» gezeigt. Demnach erhalte ihr 67-jähriger Bruder dort , «wenn es ihm eingefallen war, heimlich aus der Anstalt zu entweichen, jeweilen auf Befehl des Vorstehers harte Schläge» von einem Meisterknecht, der auch andere Pfleglinge «in der brutalsten Weise misshandelte».

Zwar habe der Grindelwalder Pfarrer den – ebenfalls in der Anstalt versorgten – Briefschreiber als «unzuverlässigen Zankanstifter» bezeichnet, aber andere Zeugen hätten die Vorfälle mündlich bestätigt. Der Vorsteher im Utziger Schloss allerdings schrieb dem Pfarrer, der Knecht habe den betrunkenen Pflegling nur «nicht mit Seidenhandschuhen» aus dem Wirtshaus geholt. Widmann forderte eine Untersuchung sowie die Abschaffung der Prügelstrafe.

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