Stück für Stück ans Tageslicht

Während Jahrhunderten war der Stadtbach eine Art Lebensader der Stadt Bern. Heute fliesst er weitgehend versteckt unter dem Boden. Doch bis in 20 Jahren könnte er wieder befreit sein.

Der Berner Stadtbach wird wieder sichtbar: Stephan Anderski vom Tiefbauamt an einem renaturierten Abschnitt an der Jöggiackerstrasse in Bümpliz.

Der Berner Stadtbach wird wieder sichtbar: Stephan Anderski vom Tiefbauamt an einem renaturierten Abschnitt an der Jöggiackerstrasse in Bümpliz. Bild: Adrian Moser

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An der Berner Stadtbachstrasse zwischen Bahngleisen und Fahrbahn steht ein kleines Werkgebäude. Wenn für eine kurze Zeit kein Zug vorbeidonnert und auch kein Auto über die Strasse rollt, ist hier das Plätschern eines Bachs zu hören. Denn zwischen dem Trottoir und den darunterliegenden Büroräumen der SBB fliesst der Berner Stadtbach durch ein Bett aus Betonröhren. Das war nicht immer so. Fotos, die noch keine 100 Jahre alt sind, zeigen, wie der Stadtbach offen entlang der Stadtbachstrasse durch eine Allee fliesst.

Zwölf Kilometer Weg legt der Berner Stadtbach von seiner Quelle in Thörishaus bis zur Aare unterhalb der Nydeggbrücke in Bern zurück. Über weite Strecken wird der Bach wie an der Stadtbachstrasse durch unterirdisch verlegte Röhren geführt. Doch das soll sich ändern. Stück für Stück soll er geöffnet werden. Bis in gut 20 Jahren könnte er zumindest dort, wo es möglich ist, wieder sichtbar werden. Das sagt Stephanos Anderski vom städtischen Tiefbauamt. Er ist so etwas wie Mister Stadtbach und koordiniert sämtliche Projekte, die das Gewässer betreffen.

Für Vieh, Gewerbe und Verkehr

«Der Stadtbach war im städtischen Gebiet nie ein munteres Bächlein, sondern eher ein Bachkanal», sagt Anderski. Denn der Bach wurde schon kurz nach der Stadtgründung statt am Talboden künstlich entlang der Hügelkante in die Altstadt geführt. Laut Wasserbaugesetz ist er ab dem Untermattweg bis zur Mündung in die Aare gar kein Bach mehr, sondern ein Kanal.

Im Mittelalter diente der Stadtbach als Pferde- und Viehtränke, zum Wäsche waschen und zum Spülen der Kanalisation. Auch die Gewerbetreibenden nutzten ihn. Schon im 13. Jahrhundert betrieb ein gewisser Immo von Tentenberg am Stadtbach eine Mühle. Dies bezeugt eine Urkunde von 1249, in welcher der Stadtbach erstmals erwähnt wird. Und noch 1947 fuhr das Marzilibähnli mit Hilfe des Stadtbachs: Die beiden Waggons waren mit leeren Wasserbehältern ausgerüstet. Der Behälter des jeweils oberen Wagens wurde mit Wasser aus dem Stadtbach gefüllt, um ihn zu beschweren. Das Gewicht des Wassers zog den schweren Wagen talwärts, den leichteren zog es hinauf.

Bald offen bis zur Murtenstrasse

In den 1950er-Jahren begann die Stadt damit, den Stadtbach unter den Boden zu verlegen, um Platz für Strassen und Häuser zu gewinnen. Derzeit ist der Stadtbach stillgelegt, weil beim Loryspital gebaut wird. Rund um das Loryspital fliesst er ein kurzes Stück offen. Nun wird in die Lorymauer ein Loch gerissen. Hier soll eine Treppe gebaut werden, damit der Stadtbach im Sommer vom sogenannten Engländerpark her zugänglich ist. Die Treppe soll zum Sitzen und Verweilen einladen. Schon im kommenden Sommer kann man hier die Füsse im Stadtbach kühlen.

Etwas länger wird es dauern, bis das bereits offene Stück Stadtbach beim Loryspital verlängert wird. Doch liegt laut Anderski ein bewilligtes Projekt vor, um den Stadtbach an der Freiburgstrasse vom Sitem-Gebäude bis zur Murtenstrasse wieder erlebbar zu machen. Das heisst, der Stadtbach soll wie in der Altstadt nur mit einem Gitter abgedeckt werden, so dass die Fussgänger und Fusgängerinnen das Wasser sehen und hören können. Weitere Pläne sind noch wenig konkret. Und doch hat die Stadt laut Anderski bereits verschiedene Vorstudien zum Öffnen des Stadtbachs erarbeitet für den Abschnitt zwischen Bümpliz, wo der Bach noch oder wieder offen ist, und dem Loryspital – etwa auf dem Gelände der Schule Bümpliz-Statthalter, wo er unter den Sportplätzen hindurchfliesst.

«Auch hier möchten wir den Stadtbach öffnen», sagt Anderski. Grundsätzlich sei das möglich, doch müsse man dabei die Bedürfnisse der Schule berücksichtigen. Auch über die Liegewiese des Freibads Weyermannshaus könnte der Bach fliessen. «Mit etwas Fantasie könnte man dort etwas Tolles machen.»

Altes Anliegen wird erfüllt

Bereits klar ist, dass das Öffnen des Stadtbachs Thema des Architekturwettbewerbs für den Berner Fachhochschulcampus in Ausserholligen sein wird. Auch die Überbauungsordnung Warmbächli sieht vor, dass der Stadtbach freigelegt werden muss, sobald dort die Bagger auffahren.

Dass der Stadtbach nach und nach wieder geöffnet wird, geht auf eine Motion des damaligen Stadtrats Thomas Göttin (SP) zurück. Er verlangte vor zwölf Jahren ein Entwicklungskonzept für städtische Fliessgewässer. Dieses Konzept legte der Gemeinderat im März 2011 vor. Darin steht, dass eingedolte, also in Röhren geführte, Gewässer wieder geöffnet werden sollen.

(Der Bund)

Erstellt: 27.02.2018, 06:46 Uhr

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Das nationale Gewässerschutzgesetz verlangt, dass der Bach wieder geöffnet wird, sofern die Röhren verändert werden. Immerhin zeigen sich Bund und Kanton grosszügig. Der Ostermundiger Gemeinderat rechnet damit, dass die Gemeinde am Ende nicht mehr als 600'000 Franken für das Öffnen des Bachs bezahlen muss. Damit die Subventionen fliessen, müssen Ostermundigens Stimmberechtigte jedoch einen Kredit von 4,7 Millionen Franken bewilligen.

Gegen das Vorhaben wehrt sich insbesondere die SVP. Das Projekt sei zu teuer, sagen sie. Letzten Sommer sorgte sich Hans Rudolf Hausammann (SVP) vor allem um Ostermundigens Gewerbetreibende. Der geöffnete Bach würde zum Teil durch Industriegebiet und durch Privatgärten fliessen.

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