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Studer besteht gegen Provokateur

Yves Studer hat im Kursaal Bern seinen Mittelgewichts-Titel der europäischen Nicht-EU-Staaten erfolgreich verteidigt. Dem Freiburger reichte dazu ein Remis gegen den Georgier Shalva Jomardashvili.

Je länger der Kampf im Berner Kursaal dauerte, umso mehr konnte sich Yves Studer (links) Vorteile erkämpfen. (Manuel Zingg)
Je länger der Kampf im Berner Kursaal dauerte, umso mehr konnte sich Yves Studer (links) Vorteile erkämpfen. (Manuel Zingg)

Das Publikum im Berner Kursaal tobte bereits in der ersten Runde des Hauptkampfes: Im Fight um den Gürtel des Europameisters der europäischen Nicht-EU-Staaten stand Yves Studer an der Boxing Night vom Samstagabend mit dem Georgier Shalva Jomardashvili ein äusserst unangenehmer Gegner gegenüber. Der Freiburger Mittelgewichtsboxer musste von Anfang an viele Schläge einstecken, der Georgier brachte den Lokalmatador mit seiner starken linken Geraden immer wieder in Bedrängnis.

Zum Unmut des Publikums machte Jomardashvili nicht nur mit platzierten Schlägen, sondern auch mit gezielten Provokationen klar, dass er nicht nach Bern gekommen war, um sich neue Freunde zu machen. Einmal verzichtete er auf seine Deckung und forderte mit einer Geste Studer zum Schlagen auf, ein anderes Mal schlug er direkt vor Studer die Fäuste über seinem Kopf zusammen – notabene nach dem Gongschlag. Das Publikum quittierte jede Provokation mit Buhrufen und Pfiffen.

Studer steigerte sich

Gingen die ersten zwei Runden noch klar an den Georgier, kam Studer immer besser in den Kampf. Bei Jomardashvili machten sich bald konditionelle Schwierigkeiten bemerkbar, während Studer immer mehr Treffer landen konnte. In der neunten Runde brachte Studer seinen Gegner gar leicht ins Taumeln. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der Kampf punktemässig ausgeglichen, worauf sich der Georgier veranlasst sah, in der 12. und letzten Runde noch einmal alles zu riskieren. Tatsächlich musste Studer nochmals einige harte Schläge einstecken, er hielt sich jedoch ohne Schwierigkeiten auf den Beinen. Zwar ging die letzte Runde noch an den Georgier, doch Studer schaffte es, seinen Titel mit einem Unentschieden (117:111, 112:116, 114:114) zu verteidigen.

«Bin ein harter Typ»

Der Titelverteidiger war nach dem Kampf nur bedingt zufrieden. «Ich wollte dem Berner Publikum einen Sieg schenken», sagte Studer. «Aber Hauptsache ist, dass ich den Titel verteidigt habe.» Dass der Gegner von Beginn an alles darangesetzt habe, ihn k. o. zu schlagen, habe ihn nicht überrascht. «Das musste er, um eine Chance auf den Titel zu haben. Aber als Eidgenosse bin ich ein harter Typ und habe mich nicht beeindrucken lassen», erklärte Studer. Es liege an Typen wie ihm, der osteuropäischen Übermacht im Boxsport entgegenzutreten. «Dass Jomardashvili immer wieder provoziert hat, hat mich nicht gestört. Ich selber würde aber nie so boxen.» Er hofft nun darauf, dass sein Manager Daniel Hartmann es schafft, für den traditionellen Boxing Day am 26. Dezember einen gesamteuropäischen Titelkampf gegen den Engländer Darren Bakker zu arrangieren. «Für mich wäre es ein Traum, im Berner Kursaal Europameister zu werden», so Studer.

Nasi Hani verpasst K.-o.-Schlag

Auf grosses Interesse stiess auch der fünfte Profikampf von Nasi Hani, der von Trainerlegende Kevin Rooney in den Boxring geführt wurde. Er prophezeit Hani eine grosse Boxzukunft, jedoch erst in einigen Jahren. «Hani hat zwar viel Talent, braucht aber noch viele Aufbaugegner», sagte der ehemalige Trainer von Mike Tyson (siehe auch «Bund» vom vergangenen Freitag). «Am liebsten würde ich ihn jede Woche gegen einen Gegner in den Ring schicken.» Im Kursaal stand Nasi Hani dem ungarischen Rechtsausleger Zsolt Bodi gegenüber. Der gross gewachsene Gegner war nicht viel mehr als ein Sparringspartner. Bodi hatte einerseits eine ungenügende Deckung und konnte andererseits selber kaum Treffer landen. Immer wieder wurde er von Hani in die Ecke gedrängt. Bereits in der zweiten Runde ging der Ungar zu Boden und wurde kurz angezählt, konnte aber wieder aufstehen. Der entscheidende K.-o.-Schlag schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. «Keep doing that», schrie Kevin Rooney immer wieder in den Ring hinein. Tatsächlich geriet Bodi in der vierten Runde erneut ins Taumeln, hielt sich jedoch auf den Beinen. Da Hani in dieser wichtigen Szene nicht nachsetzen konnte, wurde Rooney sichtlich unruhig. «Der Ungar macht einen ‹stinky fight›, er macht nichts und wartet darauf, einen Überraschungstreffer zu landen», ärgerte sich der Trainer. Für Nasi Hani galt es daher, konzentriert zu bleiben und den klaren Punktevorsprung über die Zeit zu retten. Dies gelang, Hani entschied den Kampf mit 3:0 (60:54, 60:54, 60:54) für sich. «Das war heute nicht mein Tag», zeigte sich Hani nach dem Kampf selbstkritisch. «Der erhoffte K.-o.-Schlag ist ausgeblieben.» Der Trainer war dennoch stolz auf seinen Schützling. «Hani hat jede Runde gewonnen. Ich würde ihm ein B+ als Note geben», meinte Rooney. Also fast eine Sechs. Ähnliches Lob hatte er für das Publikum: «Bern ist wirklich boxfanatisch, die Unterstützung des Publikums war toll.»

Beim Brotschneiden verletzt

Insgesamt sah das Publikum an der Boxing Night fünf internationale Profikämpfe sowie zwei Amateur-Boxduelle. Arnold Gjergjaj gewann seinen Profi-Schwergewichtskampf gegen den Ungarn Gabor Farkas durch technischen K. o. in der 3. Runde. Es war dies der fünfte vorzeitige Sieg des Baslers in seinem sechsten Profikampf.

Ein Kampf fiel allerdings aus: Alain Chervet konnte zu seinem Leichtgewichtskampf nicht antreten, da er sich beim Brotschneiden verletzt hatte.

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