Streit um Veloweg im Dählhölzliwald

Die Stadt prüft eine Route quer durch den Wald von der Elfenau ins Kirchenfeld. Dagegen regt sich Widerstand.

Von hier aus würde die Veloroute durch den Wald führen. Für Kritiker wäre dadurch der Erholungswert des Waldes «weiter beeinträchtigt».

Von hier aus würde die Veloroute durch den Wald führen. Für Kritiker wäre dadurch der Erholungswert des Waldes «weiter beeinträchtigt». Bild: Franziska Rothenbühler

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Mit dem E-Bike durch den Dählhölzliwald fahren? Dies könnte dereinst Realität werden. Die Stadt klärt den Umbau des heutigen Waldweges zwischen Kalcheggweg und Jubiläumsplatz in einen Veloweg ab. Nach Angaben der Tiefbaudirektion von Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) könnte diese Verbindung eine «Ergänzung des Velonetzes» darstellen. Die Idee einer «Querung» des Waldes sei von der Quartierkommission (QUAV4) eingebracht worden, sagt Wyss’ Generalsekretär Stefan Schwarz. «Beschlossen ist jedoch noch nichts.»

Velofahrende würden diesen Weg bereits heute verbotenerweise benutzen, sagt QUAV4-Geschäftsleiterin Sabine Schärrer. Entsprechend gross sei das Konfliktpotenzial mit Spaziergängern, Hundebesitzern und Kunden des Seilparks Ropetech. Angesichts der Unfallgefahr auf dem Thunplatz sei die Route quer durch den Wald aber «die angenehmste und sicherste Verbindung» für Velopendler, sagt Schärrer. Daher habe man gegenüber der Stadt den Wunsch vorgebracht, den Bau einer Veloroute auf dieser Strecke zu prüfen.

Tierpark wünscht runden Tisch

Die Diskussion um eine sichere Veloverbindung zwischen der Elfenau und dem Kirchenfeld ist «uralt», wie Schärrer sagt. Dabei hatte sich die Quartierkommission noch vor ein paar Jahren skeptisch zu einem waldquerenden Veloweg geäussert. Stattdessen hatte sie den Gemeinderat ersucht, den asphaltierten Weg am Waldrand zwischen Thunplatz und Jubiläumsplatz als Radweg herzurichten, wie es in einem Brief an den Gemeinderat aus dem Jahre 2011 heisst. Der Weg sei aber im oberen Abschnitt zu schmal und zu steil, um den Sicherheitsanforderungen zu genügen. Auch müssten «scharfe Ecken» entschärft und eine Beleuchtung errichtet werden, hielt die Quartierkommission fest.

«Den Weg am Waldrand kann man nicht tel quel als Veloweg definieren.»

Sabine Schärrer, QUA4-Geschäftsleiterin

Dies sieht die Geschäftsleiterin auch heute noch so: «Den Weg am Waldrand kann man nicht telquel als Veloweg definieren.» Hierfür wären ziemlich aufwendige bauliche Massnahmen unumgänglich. Und diese wären kaum kompatibel mit dem Waldgesetz. Schärrer erwartet nun, dass beide Routen auf Vor- und Nachteile geprüft und offen diskutiert werden.

Die Realisierung des Wunsches nach einer Veloverbindung am Waldrand hat sich mittlerweile aber wohl als zu umständlich erwiesen. Vor zwei Jahren hatte die Direktion Wyss dem Tierpark als Grundeigentümer im Wegbereich unterhalb des Jubiläumsplatzes eine Vereinbarung zur Unterzeichnung zugeschickt. Darin hätte sich der Tierpark zur Übernahme der Kosten für Unterhalt und Erneuerungen des auch für Velos nutzbaren Weges verpflichten sollen, sagt Tierpark-Direktor Bernd Schildger auf Anfrage.

Der Tierpark beantwortete die Anfrage abschlägig, weil er die damit verbundene Verkehrssicherungspflicht nicht übernehmen wollte. Dabei wäre es um den Schutz vor Baumsturz und Astfall gegangen. «Dies hätte Rodungen in der Breite einer Baumlänge bedeutet», sagt Schildger. Jedes «Knabbern am Wald» werfe aber Fragen des Tierschutzes auf. «Seit unserer Absage haben wir von der Stadt nichts mehr gehört», sagt Schildger. Er würde es begrüssen, wenn die Stadt einen runden Tisch zur künftigen Nutzung des Dählhölzliwaldes mit allen «Stakeholdern» veranstalten würde, sagt Schildger.

Letzten Oktober nun hat die Direktion Wyss der Burgergemeinde eine Vereinbarung zugeschickt, die den oberen Teil des Waldrandweges zwischen Thunplatz und Jubiläumsplatz betrifft. Generalsekretär Schwarz betont, dass es nicht um den einst vom Quartier geforderten Umbau des asphaltierten Weges in einen Radweg geht. «Es gibt kein Projekt für einen Veloweg vom Thunplatz zur Ka-We-De», hält Schwarz fest.

In der Vereinbarung gehe es um «Unterhalts- und Duldungsfragen». So verpflichte sich die Stadt darin, «den betrieblichen Unterhalt auf eigene Kosten sicherzustellen», sagt Schwarz. Der Vorschlag wäre demnach ungleich kulanter gegenüber dem Grundeigentümer, als dies noch vor zwei Jahren beim Tierpark der Fall gewesen war. Durch die damit verbundene Zementierung des rechtlichen Status quo rückt der Veloweg quer durch den Dählhölzliwald definitiv in den Vordergrund.

Beleuchtung mitten im Wald?

Die Wald-Variante stösst aber auch innerhalb der Quartierkommission nicht nur auf Zustimmung. Diese Route würde wohl eine Asphaltierung und Beleuchtung bedingen, sagt QUAV4-Delegierter Luzius Theiler. Eine mit E-Bikes befahrbare Velobahn würde aber den Erholungswert des Waldes für Fussgänger und Tiere «weiter beeinträchtigen». Stadtrat Theiler befürchtet auch die Notwendigkeit von Waldrodungen. «In den letzten Jahren gibt es eine Tendenz, jedes Problem auf Kosten des Waldes zu lösen», sagt Theiler unter Anspielung auf die KVA im Bremgartenwald und das geplante BLS-Depot beim Chliforst. Diese Tendenz müsse unbedingt bekämpft werden.

Mit seinem Antrag auf Streichung der Veloroute durch den Wald drang Theiler in der Quartierkommission aber nicht durch. (Der Bund)

Erstellt: 19.12.2017, 06:52 Uhr

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