Streit um Schülerdemo gegen Sparen

Gymnasiasten demonstrieren heute vor dem Berner Rathaus. Rektoren sprechen vom «falschen Zeitpunkt», der Jungfreisinn von «Schwarzmalerei».

Im Gymnasium Neufeld werde eine «destruktive Politik» betrieben, sagt OK-Sprecher Lukas Reinhard.

Im Gymnasium Neufeld werde eine «destruktive Politik» betrieben, sagt OK-Sprecher Lukas Reinhard.

(Bild: Beatrice Flückiger)

Mit dem «Menschenmeer für Bildung» demonstriert das Komitee Stopp Sparen in der Bildung heute ab 10.30 Uhr gegen die vom Grossen Rat beschlossenen Sparmassnahmen an den Berner Gymnasien. Als «Spardiktat» bezeichnen die Schülervertreter die Abschaffung der Schwerpunktfächer Russisch und Altgriechisch sowie die Reduktion des Instrumental- und Sportunterrichts.

In ihrem Widerstand fühlen sich die Schüler von ihren Schulleitungen ­alleingelassen: «Im Gegensatz zu den Rektoren will und kann die Schülerschaft nicht alles akzeptieren, was man ihr aufzwingen will», sagt OK-Sprecher Lukas Reinhard. Das Gymnasium Neufeld betreibe gar eine «­destruktive Politik», in dem es die Teilnahme am heutigen Schülerstreik als unentschuldigte Absenz bestrafe.

Rektoren wehren sich

«Wir hindern niemanden daran, an der Demo teilzunehmen», sagt Rolf Maurer, Rektor des Gymnasiums Neufeld. Aber wer dem Unterricht fernbleiben wolle, müsse einen freien Halbtag beziehen. Maurer sagt, auch er habe «keine Freude» am Sparen und der Verlust des Schwerpunktfachs Griechisch sei bedauerlich. Aber erst jetzt dagegen zu protestieren, sei ein «seltsamer Zeitpunkt». Die Sparmassnahmen seien schon im November 2013 im Rahmen des kantonalen Sparpakets (ASP) beschlossen worden. Zudem seien die Rektoren glücklich, dass das vierjährige Gymnasium «endlich» flächendeckend eingeführt wurde, sagt Leonhard Cadetg, Präsident der kantonalen Rektorenkonferenz.

Noch härter ins Gericht mit den Protestierenden gehen die Berner Jungfreisinnigen. Kantonalpräsident Thomas Berger spricht von «Schwarzmalerei» und der Verbreitung von «Halbwahrheiten». Die Schwerpunktfächer Russisch und Altgriechisch seien abgeschafft worden, weil sich «so gut wie niemand» dafür interessiert habe. Berger wirft den Schüler­organisationen vor, sich nach ­einem «Tiefschlaf» profilieren zu wollen. OK-Sprecher Reinhard widerspricht und sagt, erst jetzt sei das volle Ausmass der Sparmassnahmen spürbar.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt