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Streikende Ärzte protestieren gegen Couchepin

Gegen 2000 Hausärzte, Praxisassistentinnen und Patienten sind am Mittwochnachmittag vor das Departement von Pascal Couchepin gezogen und haben einen Protestbrief überreicht. Sie waren an diesem 1. April in Streik getreten.

Die Hausärzte protestieren in Bern. (Keystone)
Die Hausärzte protestieren in Bern. (Keystone)

Grund für die Empörung der Allgemeinpraktiker aus den Kantonen Bern, Waadt und Genf ist die auf Mitte Jahr vorgesehene Senkung der Labortarife um 20 Prozent. Im Brief an den Gesundheitsminister werfen die Ärzte Couchepin vor, er betreibe eine Politik gegen die Hausärzte. Diese werde für eine grosse Zahl von Praxen das Aus bedeuten.

Anstelle von Couchepin nahm der Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, Thomas Zeltner, den übergrossen Brief entgegen. Für das Fernbleiben Couchepins gab es Schmährufe.

Die Berner Hausärzte wurden von einer grossen Gruppe aus den Kantonen Waadt und Genf unterstützt. Diese gingen mit dem welschen Bundesrat besonders unsanft ins Gericht und forderten ihn auf, nach Martigny zurückzukehren. Auch Transparente wie «Discussion ou Démission» («verhandeln oder zurücktreten») waren zu sehen.

Wichtiges Werkzeug

Die Allgemeinpraktiker argumentieren im Brief an den obersten Gesundheitspolitiker, man nehme ihnen mit der Abwertung der Praxislabors eines der wichtigsten diagnostischen Werkzeuge. Dank dieser Präsenzdiagnostik könnten die Allgemeinpraktiker 80 Prozent der Patienten abschliessend und ohne weitere Folgekosten behandeln.

Die vom Verein Bernischer Hausärztinnen und Hausärzte (VBH) organisierte Kundgebung will die beabsichtigte «Demontage der Hausarztmedizin nicht hinzunehmen», wie Präsident Markus Grossenbacher sagte. Deshalb lasse man Couchepin diese dicke Post zukommen.

Kantonsarzt dabei

Der Berner Kantonsarzt Hans Gerber dokumentierte seine Solidarität mit den Hausärzten und nahm an der Kundgebung teil. Nach Angaben von VBH-Präsident Grossenbacher tat er dies in Vertretung von Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud.

Für den Stadtberner Allgemeinpraktiker Daniel Steiger, der sich an der Kundgebung beteiligte, geht es bei der Aktion nicht nur um die Labortarife. Es gehe einfach nicht an, dass sich die Bedingungen für die Grundversorger immer weiter verschlechtern.

«Die Allgemeinpraktiker behandeln am günstigsten», sagte Steiger. Für die gleiche Behandlung bekämen die Spezialisten wesentlich mehr. Einige kassierten nach Einschätzung Steigers gar Millionen. «Lippenbekenntnisse genügen nicht mehr, es braucht eine Besserstellung», so das Fazit des Arztes.

Positiver Schlusspunkt

Nach der Kundgebung gab es anschliessend auch noch einen grossen Aufsteller zu feiern: Die Gründung des Instituts für Hausarztmedizin an der Universität Bern. Viele Demonstrierende begaben sich dafür nach der Demo zum Inselspital.

Das Institut geht aus der Fakultären Instanz für Allgemeinmedizin hervor und bedeutet ein Aufwertung dieses medizinischen Zweigs. Einen ordentlichen Professor als Leiter wird es allerdings erst in ein paar Jahren haben. Ähnliche Institute gibt es bereits in Zürich, Basel und Lausanne.

SDA/bs

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