Störche sind in der Stadt Bern sesshaft geworden

Erstmals seit mindestes 65 Jahren haben Störche in der Stadt Bern ein Nest gebaut. Ob das Paar Eier ausbrütet, wird sich bald zeigen.

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Basil Weingartner@bwg_bern

Der Storch ist zurück. An der Papiermühlestrasse 28 hat ein Storchenpaar ein Nest gebaut. Am Montagabend konnten die Tiere mit weit ausgebreiteten Flügeln bei der Paarung beobachtet werden.

Bisher hatten Störche in Bern einzig auf der Durchreise einen kurzen Zwischenhalt gemacht: Es ist das erste Mal, dass Störche in der Stadt Bern sesshaft werden, seit die Vögel im Jahr 1960 in der Schweiz wieder angesiedelt wurden.

Im Jahrzehnt davor waren die majestätischen Zugvögel – ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 220 Zentimeter – ausgestorben. Dies auch, weil die Tiere an den immer stärker verbauten Flüssen zu wenig Nahrung gefunden hatten.

«Der Standort ist ideal»

Das Berner Storchenpaar hat sich den Kamin eines fast hundertjährigen Armeegebäudes mit Giebeldach für den Nestbau ausgesucht. «Der Ort ist ideal», sagt Margrith Eggist von der Gesellschaft Storch Schweiz. Störche würden gerne auf hohen Objekten brüten, auch seien keine Freiluftleitungen in unmittelbarer Nähe.

Letztere können den Tieren gefährlich werden. Sogar wenn der Kamin in Betrieb sein sollte, stellt dies gemäss Enggist kein Problem für die Tiere dar. Die Grösse des Nests lasse darauf schliessen, dass die Störche schon einige Zeit in Bern seien, erklärt die Expertin. Es sei möglich, dass bereits ein Ei im Nest liege.

Zu brüten beginnen Störche aber erst, wenn ein zweites Ei gelegt ist. Meisten besteht ein Gelege aus drei bis fünf Eiern. Bis die Storchenküken schlüpfen, dauert es 32 Tage. Die geschlüpften Jungtiere sind anschliessend weitere zwei Monate auf ihre Eltern angewiesen.

Die Störche sind an der Papiermühlestrasse also noch einige Zeit zu bewundern. Und auch im nächsten Jahr dürfte das Nest belebt sein: Störche sind nesttreu, kehren jeden Frühling zu ihrem Nest zurück. Normalerweise kommen beide Vögel zurück. Sollte einem der beiden etwas zustossen, bringt das überlebende Tier oft einen neuen Partner mit.

Das Paar trägt keine Ringe

Auch in den Städten Zürich und Basel sind in den letzten Jahren Storchennester entdeckt worden. Gesamtschweizerisch hat sich die Zahl brütender Storchenpaare in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt – von 211 Paaren im Jahr 2005 auf 392 Paare im letzten Jahr.

In der kalten Jahreszeit wandern die Störche oft weit in den Süden – nach Nordafrika oder in die Sahara. Doch Beobachtungen zeigen: Immer mehr Störche bleiben ganzjährig in der Schweiz.

Woher die beiden Störche von der Papiermühestrasse kommen, ist derzeit noch unklar. Die Identifikation von Störchen erfolgt üblicherweise über Markierungsringe an den Beinen.

Diese können mit dem Feldstecher vom Boden aus abgelesen werden. Da die beiden Stadtberner Störche aber offenbar keine Markierungsringe tragen, dürfte die Bestimmung ihrer Herkunft schwierig werden.

Der Bund

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