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Steuerberater steht vor Wirtschaftsstrafgericht

Ein Steuerberater steht vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht. Ihm werden Betrug und eventuell Veruntreuung vorgeworfen.

Ein Steuerberater steht vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht.
Ein Steuerberater steht vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht.
Stefan Anderegg

Ein Steuerberater muss sich seit Montag vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht verantworten. Vorgeworfen werden ihm Betrug, eventuell Veruntreuung. Der 46-Jährige hat Geld, das ihm Kunden anvertrauten, für eigene Zwecke und spekulative Börsengeschäfte eingesetzt.

Bei all seinen Opfern füllte der Angeklagte jeweils die Steuererklärung aus. Somit hatte er genaue Kenntnis ihrer Vermögensverhältnisse. Das nutzte der seriös und zuvorkommend auftretende Mann, um seinen Kunden Investitionsverträge mit hohen Renditen anzubieten.

Laut Anklageschrift versprach er seinen Kunden «unzutreffend und irreführend», das Geld sicher und gewinnbringend anzulegen und nach Ablauf der vereinbarten Frist zurückzuzahlen.

An der Börse verspekuliert

Stattdessen verwendete der Steuerberater die Gelder zur Deckung von persönlichen Auslagen und Verbindlichkeiten, für Spiel- und Sportwetten sowie für hochspekulative Börsengeschäfte. Aus Letzteren resultierte in viereinhalb Jahren ein Verlust von 125«000 Franken.

Die Gerichtspräsidentin hielt dem Angeschuldigten vor, er habe sich einen höheren Lohn ausbezahlt, als der Gesamtumsatz seiner Firma betrug. Dieser erklärte, er habe damals leider einen zu hohen Lebensstandard gehabt. Teure Ferien und gutes Essen waren unter den Dingen, die sich der verheiratete Mann leistete.

Die Deliktsumme wird von den Justizbehörden mit zirka 753'000 Franken beziffert. Es waren 24, zumeist betagte Personen, welche dem Steuerberater Geld anvertrauten. Eine von ihnen tritt im Prozess als Privatklägerin auf.

Ausbau der Firma als Ziel

«Die ursprüngliche Idee war eine andere, rechtfertigte sich der Angeschuldigte vor Gericht. Er habe mit dem Geld seine Treuhandfirma erweitern wollen. Das habe er auch den meisten Geldgebern als Grund für die Aufnahme der Darlehen angegeben.

Es tue ihm «wahnsinnig leid, was er getan habe. «Ich habe immer vorgehabt, das Geld zurückzubezahlen, beteuerte der gescheiterte Geschäftsmann. Das habe er auch jetzt noch im Sinn. Deshalb anerkenne er die von seiner GmbH nicht zurückbezahlten Beträge als persönliche Schulden.

Die Rückzahlung dürfte ihm allerdings Schwierigkeiten bereiten. Von der Finma mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt, verdient er jetzt in einem anderen Beruf rund 3000 Franken netto im Monat.

Er stottert bereits Schulden bei der Krankenkasse und den Steuerbehörden ab. Zudem verzeichnet das Konkursamt 55 Betreibungen im Gesamtumfang von über 200«000 Franken sowie 149 offene Verlustscheine mit einem Gesamtbetrag von über 1,2 Millionen Franken.

Das Urteil des Wirtschaftsstrafgerichts wird für Mittwoch erwartet.

Einschlägige Vorstrafe

Der Mann wurde bereits im April 2015 vom Obergericht des Kantons Bern unter anderem wegen mehrfacher Veruntreuung und gewerbsmässigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, 24 Monate davon bedingt. Die unbedingt ausgesprochenen 12 Monate verbüsst er derzeit im elektronisch überwachten Hausarrest.

SDA/mis

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