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Stapi-Kandidierende kritisieren Veronica Schaller

In einer Umfrage von Berner Kulturverbänden kritisieren die Stapi-Kandidierenden das Amt für Kultur. Kultursekretärin Veronica Schaller wehrt sich.

In der Kritik: Kultursekretärin Veronica Schaller.
In der Kritik: Kultursekretärin Veronica Schaller.
Danielle Liniger

Am deutlichsten sagt es Aussenseiter-Kandidat Stefan Theiler: «Von Frau Schaller halte ich nicht viel. Wie kam es überhaupt dazu, dass eine solche Frau diesen Posten besetzen konnte?» Dies schreibt er in der Antwort auf eine gemeinsame Umfrage von Vertretern diverser Berner Kulturverbände bei den Stadtpräsidiumskandidierenden.

Zehn Forderungen hat die Arbeitsgruppe den Kandidierenden vorgelegt, eine davon: «Die Abteilung Kulturelles der Stadt wird als Schalt- und Informationsplattform gestärkt und in die Pflicht genommen». Ausser Erich Hess stimmen alle Befragten dieser Forderung mehr oder weniger stark zu – und äussern gleichzeitig Kritik am Status quo bei der Abteilung Kulturelles unter der Leitung von Kultursekretärin Veronica Schaller.

Von «Frau Schaller nimmt die Aufgabe einer Schalt- und Informationsstelle überhaupt nicht wahr» (Rudolf Friedli, SVP) bis «das Kultursekretariat liess bisher oftmals eine klare Linie vermissen, es fehlte an einem Konzept» (Alec von Graffenried, GFL) reicht die Kritik. Reto Nause (CVP) spricht von einer «Kulturbürokratie statt einer echten Kulturförderung». Diplomatischer, aber nicht unkritisch gibt sich Franziska Teuscher (GB): Für sie als Stadtpräsidentin wäre die Umsetzung eines Kulturkonzeptes eine «spannende und herausfordernde Aufgabe», schreibt sie. Und auch Ursula Wyss (SP) will dafür sorgen, dass «die Bürokratie der Kultur nicht im Weg steht und die Stadt die Bedürfnisse der Kulturschaffenden kennt und sich dieser annimmt.»

Die Kritik an der Verwaltung stimmt Christian Pauli zuversichtlich: «Es wird deutlich, dass sich hier in nächster Zeit etwas ändern muss», sagt der Bekult-Präsident, parteiloser Stadtratskandidat und Sprecher der temporären Arbeitsgruppe.

Schaller: «Gutes Feedback aus der Szene»

Veronica Schaller lässt die Kritik nicht gelten: «Christian Pauli von Bekult ist ein beständiger Kritiker unserer Arbeit.» Dass aus der Politik Kritik an der Arbeit ihres Amtes komme, erstaune sie nicht weiter. «Die Kulturförderung kann es nie allen recht machen und ist keine exakte Wissenschaft.» Ihr Amt habe einen klaren Auftrag: vor allem zeitgenössische Kultur zu fördern. «Das gefällt natürlich nicht allen», sagt Schaller.

Kritik an der Kommunikation sei früher sicher gerechtfertigt gewesen. Doch in den letzten Jahren habe man das Gespräch mit der Szene intensiviert. So hätten man sich bis jetzt mit Vertreterinnen und Vertretern von Theater, Tanz, Kunst und Musik zu «Szenegesprächen» getroffen, um die Arbeit des Amtes vorzustellen und die Anliegen der freien Kulturschaffenden aufzunehmen.

Als Folge habe man die Förderinstrumente überarbeitet und flexibler gestaltet. «Die jüngste Ausschreibung eines Werkstipendiums für Musikerinnen und Musiker und die Einrichtung von Recherchebeiträgen in allen Sparten wurden sehr positiv aufgenommen», so Schaller.

Den Kritikern zusätzlich etwas den Wind aus den Segeln nehmen könnte das neue Kulturkonzept. Dieses wird diesen Freitag vorgestellt.

Keine Empfehlung

Eine Wahlempfehlung möchte die Arbeitsgruppe aus Bekult, ACT, Visarte, Beta und Pakt nicht abgeben. «Das würde das Resultat nicht zulassen», so Pauli, überrascht hätte ihn die «erstaunliche Homogenität» unter den Kandidierenden. Tatsächlich stossen alle zehn Forderungen bei jeweils sechs oder mehr Kandidierenden auf Zustimmung.

Die ablehnenden Voten zu Forderungen wie einer zentralen Vorverkaufsstelle, öffentlichen Löhnen der Kaderleute und der Mitglieder der Stiftungsräte von subventionierten Betrieben oder einer verstärkten Förderung von freien Kunstschaffenden kamen in den meisten Fällen vonseiten der SVP-Kandidaten Hess und Friedli.

Der einzige deutliche Abweichler unter den Kandidierenden ist Erich Hess. Während alle anderen Befragten für die Detailantworten teilweise mehrere Seiten füllten und etwa Alexandre Schmidt die Kultur gleich zur nichtdelegierbaren Chefsache erklären will, beschränkte sich Hess auf vier Sätze. Kernaussage: Kultur sei keine Aufgabe des Staates, Subventionen seien unnötig.

Die Umfrage mit allen Forderungen, Antworten und Profilen im Detail finden Sie unter kulturumfrage.derbund.ch

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