Stadtregierung will keine Autobrücke

Die Idee war prickelnd: Nicht nur eine Velo-, sondern gleich eine vollwertige Brücke über die Aare. Doch dieser Idee erteilt der Berner Gemeinderat nun eine Absage.

Blick ins Berner Nordquartier, das mit der Brücke von der Viererfeldseite her direkt erreichbar wäre.

Blick ins Berner Nordquartier, das mit der Brücke von der Viererfeldseite her direkt erreichbar wäre.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Der Berner Gemeinderat will die geplante Fuss- und Velobrücke zwischen Breitenrain und Länggasse nicht durch eine vollwertige Brücke mit motorisiertem Verkehr ersetzen. Prüfen will er jedoch die Möglichkeit eines Shuttlebus-Betriebs. Zusammen mit einer geplanten Prüfung für die Linienführung verzögert dies den Bau.

Der Gemeinderat habe den Grundsatzentscheid gefällt, dass die Brücke definitiv nicht für den motorisierten Individualverkehr nutzbar gemacht und auch nicht entsprechend konzipiert werden solle, teilte der Gemeinderat am Donnerstag mit.

Damit reagiert die Stadtregierung auf die Diskussion in den Medien, aus der Fuss- und Velobrücke eine vollwertige Brücke zu machen. Die Idee brachte der Architekt Arpad Boa in der Zeitung «Der Bund» aufs Tapet.

Linienführung noch diskutieren

Offen zeigt sich der Gemeinderat jedoch gegenüber einer Shuttlebus-Verbindung. Diese Möglichkeit soll laut Stadtregierung zwingend vor dem Projektwettbewerb geklärt und dem Stadtrat unterbreitet werden.

Zusätzlich will er zuerst auch die Frage der Linienführung klären, da unterschiedliche Linienführungen unterschiedliche Verkehrsanbindungen voraussetzen. Die Stadtregierung zeigt sich besorgt, dass es im Wettbewerbsverfahren ansonsten zu einer Vermischung zwischen brückentechnisch-architektonischen und verkehrsplanerischen Aspekten kommen könnte. Auch die Zufahrtswege zur Brücke sollen definiert werden.

Der Gemeinderat hat deshalb die zuständige Direktion damit beauftragt, verschiedene Varianten vorzubereiten, welche er dem Stadtrat bis Ende 2019 vorlegen will.

Wyss: «Verzögerung vertretbar»

Die Gemeinderätin Ursula Wyss kommentierte die Verzögerung im Communiqué folgendermassen: «Dem Gemeinderat und auch mir persönlich ist eine gut abgeklärte und breit abgestützte Brückenvariante sehr wichtig. Angesichts der Bedeutung dieses Generationenprojekts erachte ich die Verzögerung daher als vertretbar».

Die Gesamtkosten der Velobrücke werden auf 18 Millionen Franken geschätzt. Die Stadt geht davon aus, dass sich Bund und Kanton an den Kosten beteiligen. Der Berner Stadtrat hat bereits einen Kredit von knapp zwei Millionen Franken für das Projekt bewilligt.

Die Velobrücke ist der Teil der sogenannten Velo-Offensive. Mit zahlreichen kleineren und grösseren Massnahmen will der Gemeinderat den Anteil des Veloverkehrs in der Stadt Bern am Gesamtverkehr bis 2030 von 11 auf 20 Prozent erhöhen.

db/SDA

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