Zum Hauptinhalt springen

Stadtrat beschliesst Frauenquote

Mindestens 35 Prozent der Führungspositionen in der Berner Stadtverwaltung sollen von Frauen besetzt sein: So will es das Stadtparlament. Stadtpräsident Alexander Tschäppät hatte sich gegen die Motion gewehrt – vergeblich.

Das Stadtparlament will eine Frauenquote. Es erteilte am Donnerstag der Stadtregierung einen verbindlichen Auftrag.

Um das gleichstellungspolitische Anliegen durchzusetzen, hatte eine überparteiliche Frauengruppe von Stadträtinnen aus SP, GB, JA, EVP, GFL, BDP, CVP und FDP eine gemeinsame Motion eingereicht.

Mit vereinten Kräften vermochten die weiblichen Abgeordneten die Stadtratsmehrheit zu überzeugen: Das Parlament überwies die Motion mit 37 Ja- zu 18 Nein-Stimmen. Sie verlangt, dass 35 Prozent der Kaderstellen in der Stadtverwaltung und in den öffentlich- rechtlichen Anstalten der Stadt von Frauen besetzt sind.

Heute beträgt der Frauenanteil in den Führungspositionen der Stadtverwaltung knapp 26 Prozent. 30 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung sei das viel zu wenig, sagte Motionärin Lea Kusano (SP). Weil die bisherigen Instrumente der Gleichstellungspolitik offensichtlich nicht genügten, brauche es nun die Quote: Quoten lägen im Trend und seien wirksam.

«Nicht überrissen»

Für Motionärin Jacqueline Gafner Wasem (FDP) ist die Zeit der «Hinhalte-Taktik» vorbei. Zwar hätten Quoten «etwas unsympathisches», gerade aus liberaler Warte. Doch eine Frauenquote von 35 Prozent, wie sie hier angestrebt werde, sei «nicht überrissen», sondern «pragmatisch» und machbar.

Gegen die Geschlechterquote sprach sich die Ratsrechte aus, auch die FDP-Fraktion stellte sich mehrheitlich dagegen. Quoten seien «erzwungene Gleichstellung», gab Simon Glauser namens der SVPplus- Fraktion zu bedenken. Wenn eine Frau die nötigen Fähigkeiten mitbringe, könne sie auch eine Führungsfunktion erreichen. Oft fehle es jedoch an Bewerberinnen für Kaderjobs, so Glauser: «Man muss sie mit der Lupe suchen.»

Stadtpräsident warnt vergeblich

Der Gemeinderat zeigte zwar Sympathie für das Anliegen der Motionärinnen, wollte den Vorstoss aber lediglich in der abgeschwächten Form eines Postulats entgegennehmen. Denn die Forderung sei schwierig umzusetzen, vor allem in den techniklastigen Bereichen wie Tiefbau, warnte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) den Rat. Die Stadtregierung wolle lieber auf Zielvorgaben setzen als auf eine «absolute Quote».

Doch der Stadtrat beschloss es anders - und der Gemeinderat ist nun verpflichtet, dem Parlament Vorschläge zu unterbreiten, wie mehr Frauen an die Spitze gelangen können. Das letzte Wort in dieser Sache ist freilich noch nicht gesprochen. Die Jungfreisinnigen haben bereits angekündigt, allenfalls das Referendum zu ergreifen. Zur Frauenquote brauche es einen Volksentscheid.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch