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Stadträtin nach Demo unter Beschuss

Nicht nur Teenager beteiligten sich am Protest gegen Media-Markt – auch Stadträtin Seraina Patzen (JA) mischte an vorderster Front mit. Ein SVP-Parlamentarier reicht nun Strafanzeige ein.

Die Protestierenden besammeln sich unter dem Baldachim.
Die Protestierenden besammeln sich unter dem Baldachim.
Valérie Chételat
Auf Facebook wurde auch aufgefordert, dem Elektronikdiscounter Elektroschrott abzugeben - dem Aufruf wurde offenbar gefolgt.
Auf Facebook wurde auch aufgefordert, dem Elektronikdiscounter Elektroschrott abzugeben - dem Aufruf wurde offenbar gefolgt.
Peter Klaunzer, Keystone
Die Polizei beobachtete die Situation.
Die Polizei beobachtete die Situation.
Valérie Chételat
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Denn sie wussten nicht, was sie tun: Hunderte Teenager versammelten sich am Donnerstagabend vor der Markthalle. Bevor die Flaschen flogen und der Eingangsbereich des neuen Media-Markts zerstört wurde, verhielten sich die Jugendlichen friedlich, tranken 
sich mit Dosenbier Mut an und machten Selfies.

An vorderster Front der unbewilligten Demonstration mischte auch eine Berner Stadträtin mit: Mit einer Flasche Bier in der Hand stand Seraina Patzen von der Jungen Alternativen (JA) unmittelbar vor dem Eingang des Media-Markts. Musik dröhnte aus ihrem portablen Soundsystem, und sie schaute mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu, wie Aktivisten Elektroschrott vor den Eingang schmissen, wie Pressebilder zeigen. Sie tat dies, obschon die Parlamentarierin zu dieser Zeit eigentlich hätte im Stadtrat sitzen sollen.

SVP reicht Strafanzeige ein

Das bringt SVP-Stadtrat Henri Beuchat auf die Palme: «Ich werde eine Strafanzeige einreichen.» Patzen habe sich aktiv an einer unbewilligten Kundgebung beteiligt. «Als Stadtrat beteiligt man sich nicht an Gewalt und Landfriedensbruch», so Beuchat. Patzen sieht einer Anzeige gelassen entgegen: «Als die Stimmung kippte und Flaschen flogen, bin ich gegangen. Ich wollte die Randale nicht mittragen», betont die Jungpolitikerin.

Die Proteste liefen am Donnerstagabend aus dem Ruder, als eine junge Frau eine Bierflasche mit voller Wucht gegen die Eingangstüre schleuderte, sodass die Scheibe zerbarst. Die Demonstranten schauten tatenlos zu, wie einige wenige Radaubrüder das Zepter übernahmen.

«Merci, es hat Spass gemacht»

Warum stellte sich den Krawallmachern niemand vehement entgegen? «So eine Menge kann man nicht mehr bändigen», sagt die Studentin Patzen. Sie habe versucht, darauf einzuwirken, dass niemand mit Elektroschrott die Scheiben einwirft. Weiter seien die Organisatoren des «Bündnis inexistenter Partykapitalisten (BIP)» mit der schwierigen Organisation des Anlasses wohl überfordert gewesen. «Als Media-Markt die Türen verriegelte, wusste niemand mehr, was nun der Plan ist.»

Die Organisatoren werteten den Anlass trotz Ausschreitungen als Erfolg: «Dass es im Zuge des Festes zu kaputten Fensterscheiben kam, finden wir schade. Merci liebe Leute, es hat Spass gemacht!»

Nause hofft auf mehr Anzeigen

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) beobachtete die unbewilligte Demo vor Ort. «Mich erstaunt einmal mehr die grosse Unbedarftheit der Menge.» Erneut hätten sich friedliche Demonstranten von den wenigen Krawallmachern instrumentalisieren lassen. Mit der Polizeiarbeit ist Nause zufrieden: «Es war ein schwieriger Einsatz. Nicht zuletzt, weil sich mitten im Feierabendverkehr viele Schaulustige nicht vom Ort des Geschehens entfernt haben.»

Die Polizei verhaftete fünf Personen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Gewalt und Drohung gegen Beamte. Sie alle befinden sich wieder auf freiem Fuss. Die Auswertungen des Videomaterials laufen noch. «Ich hoffe, dass es noch zu weiteren Verzeigungen kommt», so Nause. Dass mit Seraina Patzen auch eine Stadträtin an vordester Front der unbewilligten Demo mitmachte, lässt Nause aufhorchen. «Auch sie lässt sich so instrumentalisieren – und wird Teil des Problems.»

Zbinden verurteilt und gekündigt

Wenn Berner Lokalpolitiker an illegalen Kundgebungen teilnehmen, kann das durchaus Konsequenzen haben. Das zeigte der Fall von PDA-Stadrat Rolf Zbinden. Im Oktober 2007 marschierte er mit einem Plakat mit der Aufschrift «Welcome to hell» gegen die SVP. Pressebilder zeigten ihn an vorderster Front mit dem schwarzen Block. Zbinden wurde später wegen Landfriedensbruch verurteilt. Darauf kündigte der Kanton Bern dem Berufsschullehrer die Stelle.

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