Stadt zieht Notbremse bei Airbnb

Die Zunahme der über Airbnb vermieteten Wohnungen in der Berner Altstadt könnte zum Problem werden, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL).

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Mehr als 300 «cozy bedrooms» in der Stadt Bern waren am Mittwoch über die Vermietungsplattform Airbnb ausgeschrieben. Gemäss einem Bericht der Stadt von letztem Januar gibt es sogar gegen 500 Angebote in der Stadt. Besonders dicht gesät sind Airbnb entlang der touristischen Hotspots im Unesco-Weltkulturerbe Berner Altstadt. Dort werden von 1000 Wohnungen mehr als 16 kurzzeitig an Touristen oder Geschäftsleute vermietet. Noch vor sechs Jahren war das Phänomen weitgehend unbekannt.

«Die Zunahme der über Airbnb vermieteten Wohnungen in der Altstadt könnte zum Problem werden», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Die am Mittwoch publizierte Teilrevision der Bauordnung sieht für die Innenstadt daher vor, die Umwandlung von Erst- in Zweitwohnungen zwecks regelmässiger Vermietung an Fremde auszuschliessen. «In der Altstadt läuft es auf ein Verbot von gewerbsmässigen Airbnb hinaus», sagt von Graffenried. Bestehende Angebote seien davon natürlich ausgenommen. Mit den neuen Bestimmungen reagiert der Gemeinderat auf einen Vorstoss von links-grüner Seite, welcher der Stadtrat Anfang letzten Jahres mit grossem Mehr überwiesen hat.

Schwierige Unterscheidung

Bei Airbnb gibt man sich gelassen. Die geplante Änderung der Bauordnung bedeute «kein Verbot von Airbnb», sagt Sprecherin Isabelle Klot. Es gehe eher um eine zukünftige Einschränkung der Kurzzeitvermietung von Zweitwohnungen. Im Übrigen seien die meisten Berner Gastgeber auf Airbnb sogenannte «Home Sharer», das heisst Privatpersonen, die ihr Zuhause an Reisende vermieteten, wenn sie privat oder beruflich unterwegs seien. «Airbnb unterstützt Regelungen, die zwischen Home Sharing und unerwünschten Beherbergungsformen differenzieren», sagt Klot.

In der Praxis ist die Unterscheidung aber nicht einfach. Die Stadt geht laut dem erwähnten Bericht davon aus, dass Gastgeber, die zwei oder mehr Objekte verwalten, als gewerbsmässige Anbieter eingestuft werden können. In der Stadt Bern betreffe dies «weniger als 50 Anbieter, die gesamthaft etwas mehr als 100 Wohnmöglichkeiten auf Airbnb ausschreiben», heisst es im Bericht weiter. In der Altstadt wird der Ausbreitung solcher Anbieter nun ein Riegel geschoben. Die gelegentliche Weitervermietung von Erstwohnungen während Abwesenheiten ist aber weiterhin möglich. «Wer ein- bis zweimal pro Jahr seine Altstadtwohnung via Airbnb vermietet, kann das weiterhin tun», sagt von Graffenried.

Wenige oder viele?

Die überschaubare Zahl von kommerziellen Airbnb-Anbietern in der Altstadt wird von Hauseigentümer- und Mieterverband konträr beurteilt. Die Hauseigentümer sehen keinen Regulierungsbedarf. «Die Faktenlage ist extrem dünn», sagt Präsident und FDP-Grossrat Adrian Haas. An eine Verdrängung der Wohnbevölkerung durch Airbnb in der Altstadt glaube er nicht. Just dies wird aber von Mieterverbandspräsidentin Natalie Imboden befürchtet. In der kleinen Altstadt reichten bereits einige wenige gewerbliche Anbieter, «um die Mietpreise in die Höhe zu treiben», sagt die grüne Grossrätin. Sie begrüsse daher die geplante Anpassung der Bauordnung.

Anbieter rechnen Kurtaxe ab

Die Kleinräumigkeit der Berner Altstadt spielt auch für Stadtpräsident von Graffenried eine Rolle. Die Städte Zürich und Basel seien dezentraler organisiert. In der Berner Altstadt hingegen gebe es «eine Massierung von Anbietern auf kleinstem Raum». Im Übrigen gebe es in den anderen Quartieren und damit im Grossteil des Stadtgebiets nach wie vor keine Beschränkungen für Airbnb. Und die am Mittwoch von Zürich Tourismus verkündete direkte Abrechnung der Kurtaxe durch Airbnb werde in der Stadt Bern bereits seit Monaten praktiziert. «Die Airbnb-Anbieter geben auch das Bernticket an ihre Kundschaft ab», sagt von Graffenried.

Im «Stadtgespräch» wollen wir von Ihnen wissen: Setzt der Berner Gemeinderat auf die richtigen Mittel? Braucht es strengere Regeln für die Vermietung der Liegenschaften in der unteren Altstadt? Wie gross ist das Problem von Airbnb aus Ihrer Sicht überhaupt? Und: Gäbe es noch bessere Ideen, um für eine lebendige Altstadt zu sorgen? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (Der Bund)

Erstellt: 16.05.2018, 20:15 Uhr

Bauordnung

Ist das der richtige Weg?

Der Gemeinderat will die Bauordnung revidieren und hat damit vor allem die Altstadt im Blick: Die temporäre Vermietung von Wohnungen etwa über Airbnb will er beschränken, für die Vermietung von Ladenlokalen unter den Lauben will der Gemeinderat neue Regeln erlassen. Zudem sollen Zwischennutzungen erleichtert und die Energievorschriften leicht verschärft werden. Das Ziel des Gemeinderats: Der Wohnraum in der Stadt Bern soll «primär der ständig anwesenden Wohnbevölkerung zur Verfügung stehen». Die Änderung der Bauordnung geht jetzt in die öffentliche Mitwirkung, die Bevölkerung hat Gelegenheit, sich bis zum 15. Juni 2018 schriftlich zur Vorlage zu äussern. (zec)

Digitalisierung

Chance oder Risiko

Muss die Stadt Bern gegen Airbnb-Übernachtungen in der Altstadt vorgehen? Die neusten Pläne der Stadtregierung werden von der Politik sehr kontrovers aufgenommen. Wenig Verständnis für die geplante Änderung hat etwa Grossrat Michael Köpfli (GLP). Für den Grünliberalen steht der Aspekt der Digitalisierung im Vordergrund, deren Chancen die Politik besser nutzen sollte: Es sei klar, sagt Köpfli, dass die neuen Technologien auch eine Herausforderung seien, aber mit «Protektionismus und Verboten» löse man mögliche Probleme nicht. «Mich stört generell, dass man im Kanton Bern neue Technologien meistens nur als Problem darstellt und nicht als Chance», so Köpfli. Wenn jetzt in Bern nach dem Verbot des Taximitfahrdienstes Uber auch noch das Airbnb-Verbot komme, fände er das «völlig falsch». Das Beispiel Zürich zeige doch, dass es viel zielführender sei, direkt mit den Playern zusammenzuarbeiten (siehe Haupttext).
Gänzlich anders sieht das der Initiant der ganzen neuen Gesetzesregelung, Luzius Theiler (GAP). Der Grünalternative hat im Stadtparlament den entsprechenden Vorstoss gemacht, der nun zur Regulierung in der Altstadt führt. Via den Online-Kurzmitteilungskanal Twitter sprach er von einem «schönen Erfolg» zum «Schutz des Wohnraums» in Bern. In seiner Motion verlangte Theiler damals strengere Massnahmen gegen Onlineplattformen zum Schutz des dauerhaften Wohnraums. (ama)

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