Stadt stellt Suche nach zweiter Anlaufstelle ein

Der Gemeinderat hat die Stadt ergebnislos prüfen lassen. Stattdessen soll nun die Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse umgebaut werden.

Die Stadt will die Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse sanieren.

Die Stadt will die Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse sanieren. Bild: Adrian Moser

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War es Polit-PR kurz vor den städtischen Wahlen vor einem Jahr oder ein ernsthaftes Anliegen? Auf diese Frage gibt Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB) keine Antwort. Sie sagt lediglich, dass die vor den Wahlen angekündigte Suche nach einem zweiten Standort für die Drogenanlaufstelle «umfassend» betrieben worden sei.

Dabei seien zwölf städtische und private Objekte geprüft worden. «Sie mussten aufgrund ihrer Grösse, der Raumstruktur, des Aussenraums oder der Mietkosten verworfen werden», heisst es in einer Mitteilung des Gemeinderates. Finanzielle Gründe haben beim Scheitern der Suche keine Rolle gespielt, da die Stadt den Kanton noch gar nicht um Unterstützung angefragt hat. «Diese Anfrage wäre erst erfolgt, wenn ein konkretes Objekt gefunden worden wäre», sagt Teuscher.

Ursprüngliches Ziel des Vorhabens war es gewesen, den Perimeter zwischen Reitschule, Schützenmatte und Bollwerk von der Drogenszene zu entlasten. Gewaltvorfälle auf der Schützenmatte und die damalige Schliessung der Reitschule in den Sommerferien hätten gezeigt, «dass Handlungsbedarf besteht», sagte Teuscher damals gegenüber dem «Bund».

Nun wird gestaltet und gebaut

Heute besteht dieser Handlungsbedarf auch aus Sicht der Stadtregierung nach wie vor. Die Schützenmatte sei ein «wichtiges Gebiet», sagt Teuscher. Aus Sicht des Gemeinderates reichen mittlerweile aber offenbar gestalterische Massnahmen aus, um die Situation unter Kontrolle zu halten. So verweist die Sozialdirektorin etwa auf die Eröffnung der Skateranlage im letzten Sommer und die geplante «Befreiung» der Schützenmatte von einem Teil der Parkplätze.

Auch die Sanierung der bestehenden Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse trägt für den Gemeinderat zu einer Verbesserung der Situation bei. Laut Teuscher besteht ein «grosser Sanierungsbedarf» an der Gebäudehülle sowie an den sanitären und elektrischen Installationen. Auch seien «betriebliche Veränderungen» nötig, da die Drogen vermehrt inhaliert und nicht mehr gespritzt werden. So sollen mehr Raucherplätze zur Verfügung gestellt werden, damit die Wartezeiten für die Abhängigen kürzer werden. Zudem muss die Hindernisfreiheit gewährleistet werden, da das Durchschnittsalter der Benutzenden deutlich gestiegen ist.

All diese Massnahmen führten zu einer Verbesserung der «baulichen und gestalterischen Situation» rund um die Anlaufstelle, hält Teuscher fest. Wie hoch die Kosten des Umbaus sein werden, kann sie heute noch nicht sagen. «Das Projekt muss nun detailliert ausgearbeitet werden.» Das letzte Wort über den Kredit hat der Stadtrat.

Vorwürfe an den Gemeinderat

Für Suchtexpertin und Grossrätin Barbara Mühlheim (GLP) war die Suche nach einer zweiten Anlaufstelle blosse «Symptombekämpfung». Entscheidend wäre ein Commitment der Reitschule in Bezug auf die Sicherheit auf dem Vorplatz, sagt die Leiterin der kontrollierten Drogenabgabe (Koda).

Solange der Gemeinderat aber nicht bereit sei, verbindliche Abmachungen mit der Reitschule darüber zu treffen, könne der Perimeter auch nicht wirklich entlastet werden, sagt Mühlheim unter Hinweis auf die erfolglosen Vermittlungsbemühungen von Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger. «Nicht einmal die Interventionstruppe Pinto kann vor der Reitschule intervenieren, ohne dass ihre Mitarbeitenden der Gefahr von verbalen oder gar physischen Angriffen ausgesetzt werden», sagt Mühlheim.

Pinto «auf ein Minimum» reduziert

Laut Sozialdirektorin Teuscher zählen die Schützenmatte und der Vorplatz der Reitschule aber zu den Einsatzgebieten von Pinto. Leiter Silvio Flückiger hält indes fest, dass Pinto die Präsenz auf dem Vorplatz der Reitschule seit der Auflösung der letzten grösseren Drogenszene im Jahr 2008 «auf ein Minimum» reduziert habe.

Für Pinto besteht laut Flückiger aber auch kein Bedarf, dort vermehrt aktiv zu werden. Nur wenige Drogenabhängige, die in der Anlaufstelle verkehrten, bezögen ihre Suchtmittel bei Dealern vor der Reitschule. Auch sei seitens der Reitschule in letzter Zeit «signalisiert» worden, dass die Anzahl Drogenabhängiger auf dem Vorplatz «tragbar» sei. Sitzungen zwischen Pinto und Reitschule hätten im letzten Jahr allerdings keine stattgefunden, sagt Flückiger. (Der Bund)

Erstellt: 21.12.2017, 21:03 Uhr

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