Neue Bildungsstrategie bereitet Boden für Ganztagesschulen

Lernort und Lebensort zugleich, sollen die Volksschulen sein. Dafür entwickelte die Stadt eine neue Strategie mit vier Kernpunkten.

In der neuen Strategie werde die Bildung der Kinder in einem umfassenden Sinn verstanden.

In der neuen Strategie werde die Bildung der Kinder in einem umfassenden Sinn verstanden. Bild: Gaetan Bally

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Integrativ sollen die Stadtberner Volksschulen sein, zeitgerecht ausgerüstet und einfach organisiert: So sieht es die neue Bildungsstrategie vor, die der Gemeinderat verabschiedet hat. Was unverfänglich und etwas beliebig tönt, birgt durchaus Zündstoff.

So bereitet das Papier den Boden für die Einführung von Ganztagesschulen, wie sie Bildungsdirektorin Franziska Teuscher schon vor Jahresfrist in einem Interview angekündigt hatte. Denn die Bildungsstrategie bezeichnet die Schule als «Lern- und Lebensort», das ist eine von vier Grundaussagen.

Konkret bedeute dies, dass die Schule der Zukunft als Ganztagesschule ausgestaltet sei, sagte Teuscher vor den Medien in Bern. «Das ist für mich das Zukunftsmodell, von welchem Kinder wie Eltern profitieren.»

Heute können Eltern die Betreuung ausserhalb des obligatorischen Unterrichts praktisch à la carte zusammenstellen: Sie dürfen wünschen, wie viele Mittagessen ihr Kind in der Tagesschule einnimmt und wie viele freie Nachmittage es dort verbringt.

Die wechselnden Gruppen und Betreuer führten dazu, dass es oft an Konstanz fehle, sagte Schulamts-Leiterin Irene Hänsenberger. In einer Ganztagesstruktur vermischten sich die Grenzen von Unterricht und Betreuung, das Angebot sei fix vorgegeben. An den Eltern sei es, das ganze Paket zu buchen oder eben gar nichts.

Neue Aufgaben

Klar sei, dass sich auch die Arbeit der Lehrkräfte und Betreuer verändern werde. Die Lehrkräfte könnten vermehrt in der Betreuung eingesetzt werden. Ob das von allen Betroffenen begrüsst wird, ist eine andere Frage.

Umgekehrt sollen Betreuerinnen und Betreuer auch in den Unterricht eingebunden werden, damit einem Grundgedanken der Bildungsstrategie nachgelebt wird: Kinder lernen nicht nur im Unterricht, sondern immer und überall.

Als nächstes will die Stadt nun ein Pilotprojekt durchführen. In welchem Schulkreis versuchsweise eine Ganztagesschule auf die Beine gestellt wird, ist offen.

«Einfache Organisation»

Die Bildungsstrategie spricht sich auch für eine «einfache und sachgerechte Organisation» der Volksschulen aus. Dahinter verbirgt sich die politische Diskussion, ob das heutige System mit sechs Schulkommissionen und der Volksschulkonferenz als Überbau noch zeitgemäss ist. Vorstösse dazu im Stadtrat sind hängig.

Zwei weitere Kernanliegen sind «die integrative Schule», die mit der Selektion möglichst sorgfältig umgeht, und «zeitgerechte Infrastrukturen». Dazu gehört genügend Schulraum ebenso wie moderne Informatik.

Breit abgestützt

An der überarbeiteten Bildungsstrategie waren insgesamt 70 Personen beteiligt - Lehrkräfte und Vertreter der Bildungsdirektion, Mitglieder der Schulkommissionen und der Schulleitungen, sowie Vertreter der Elternräte. Nun ist es an den Schulkommissionen, Schulleitungen und an Teuschers Bildungsdirektion, die Ziele umzusetzen - je nach Zuständigkeit. (lim/sda)

Erstellt: 07.04.2016, 11:50 Uhr

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