Stadt hat viele Ideen für Freiräume

Das Stadtplanungsamt hat sich mit einem umfangreichen Plänekatalog gemeldet. Es will damit die Nutzung von Freiräumen regeln.

Schon lange wird darüber diskutiert, auf welche Weise Freiräume wie der Kocherpark zu nutzen seien.

Schon lange wird darüber diskutiert, auf welche Weise Freiräume wie der Kocherpark zu nutzen seien.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Neben Wahrzeichen wie Münster und Bundeshaus gehören auch offene und öffentliche Gelände zum Bild der Stadt Bern: das Eichholz oder die Promenaden am Aareufer, Grünflächen wie der Kocherpark oder die grosse Schanze und natürlich der Vorplatz der Reitschule. Seit Jahren schon sind diese Freiräume in Bern immer wieder Grund für politische Auseinandersetzungen: Wie viele werden in Bern benötigt, was macht man damit, und wer bestimmt, was man damit macht?

Nun hat das Berner Stadtplanungsamt einen neuen Beitrag zur Diskussion geleistet. Als Ergänzung des Stadtentwicklungskonzepts (Stek) 2016 hat das Amt am Freitag ein «Freiraumkonzept für die Stadt Bern» veröffentlicht. Der Gemeinderat habe das Konzept an seiner letzten Sitzung zur Kenntnis genommen, schreibt er in einer Medienmitteilung. Und: «Mit ihren vielfältigen Funktionen tragen Freiräume massgeblich zur Lebensqualität in der Stadt bei.» In einer Tabelle sind 117 potenzielle Projekte für die Freiräume auf Stadtboden aufgelistet (siehe Text rechts). «Das ist eine Übersicht über mögliche Planungen in den kommenden Jahren», sagt Stadtplaner Mark Werren.

Stadt soll sich nicht einmischen

Bei der Stadtberner Freiraumfrage standen zuletzt Nutzungen wie die Veranstaltung von öffentlichen Konzerten im Kocherpark im Fokus. Dabei warnten linke Politiker oft vor einer Kommerzialisierung der Freiräume, während Bürgerliche für mehr Spielraum für gewinnorientierte Nutzungen plädierten.

Auf ein durchgeplantes städtisches Freiraumkonzept reagieren jedoch Repräsentanten aus beiden Lagern skeptisch. Manuel Widmer, Stadtrat der Grünen Freien Liste, sieht darin eine Tendenz zur Überregulierung. «Die Stadt ist unter Druck, die Freiräume zu definieren», sagt er. «Man will nicht zu viel Lärm, nicht zu viel Unrat, Jugendliche, Rauch oder dunkle Gestalten.» Die Verwaltung solle sich in der Frage zurückhalten. «Sie soll nicht aktiv, sondern vorsichtig passiv und offen für Ideen sein.» Auch Luzius Theiler (GAP) findet, die Stadt solle Freiräume «einfach freihalten». Nutzungsideen sollten von unten kommen und durch die Behörden unterstützt, statt von oben herab geplant werden. «Es hat immer Quartierorganisationen und innovative Leute, die etwas daraus machen.»

FDP-Stadtrat Tom Berger betont seine Ansicht, dass die Stadt eine positive Grundeinstellung gegenüber privaten Nutzungsvorschlägen für Freiräume zeigen sollte. «In den letzten Jahren hat es in Bern diesbezüglich Fortschritte gegeben», sagt er. «Es ist sehr zu begrüssen, dass es vermehrt Anlässe gibt wie die im Kocherpark.» Derartige Nutzungen sollten jedoch in einem «gesunden Mass» durchgeführt werden. «Es braucht auch reine Freiräume wie Parks, wo man einfach jederzeit hingehen und verweilen kann.» Zur Rolle der Verwaltung gibt er seinen linken Parlamentskollegen recht: «Ich finde es nicht schlau, wenn die Stadt Bern von sich aus entscheidet, was mit den öffentlichen Räumen geschieht.»

«Gute Diskussionen lancieren»

Laut Stadtplaner Mark Werren sind die im neuen Konzept aufgeführten Pläne jedoch keine festgelegten Ziele. «Das sind bloss Vorschläge für die zukünftige Nutzung», sagt er. «Sie sollen als Entscheidungsbasis und als Anregung zur Qualitätssteigerung dienen.» Bei der Diskussion um Freiraum müsse die Stadt eine vermittelnde Rolle einnehmen. «Wir wollen eine Stadt, die für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen attraktiv ist», sagt Werren. Beispielsweise würden Menschen mit tieferem Einkommen, die keinen Garten haben, den Freiraum intensiver nutzen. Der Freiraumbedarf sei aber nicht in allen Stadtteilen gleich gross. «Manchmal müssen wir den Konflikt um den Raum zwischen den Interessensgruppen lösen», sagt Werren. «Freizeit, Sport, Verkehr und Kommerz melden Ansprüche.»

Um hier zu vermitteln, sei der Dialog unabdingbar. «Wir streben eine Stadt der Beteiligung an, wo wir am runden Tisch mit der Bevölkerung darüber reden, wie der Raum zu nutzen sei», sagt Werren. Das Freiraumkonzept mit seinen Vorschlägen sei ein Instrument, um gute Diskussionen zu lancieren.

Derweil haben Berner Politiker eigene Vorschläge zur Freiraumfrage: «Es braucht für Jugendliche in den Quartieren mehr dauerhaft zugängliche Schulhausplätze», sagt Manuel Widmer. «Ich fand es einen guten Ansatz, als die Stadt mehr Bänke gekauft und hingestellt hat», sagt Luzius Theiler. «Sportanlässe wie das Radquer im Weyerli sind super Ideen», meint Tom Berger. Die Diskussion um Berns Freiräume ist noch nicht zu Ende.

Der Bund

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