Stadt Bern verschweigt günstigere Alternative

Offenbar gab es ein dreimal tieferes Angebot für eine neue Software. Laut FDP sollte man «die Übung abbrechen und neu starten».

In den Abstimmungsunterlagen wird die Entwicklung eines eigenen Systems als alternativlos dargestellt (Symbolbild).

In den Abstimmungsunterlagen wird die Entwicklung eines eigenen Systems als alternativlos dargestellt (Symbolbild). Bild: Reuters

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Bei der Beratung im Berner Stadtrat war noch alles klar: Mit 57 zu 3 Stimmen wurde ein Kredit von 18,9 Millionen Franken zur Entwicklung einer eigenen Fallführungssoftware in der Sozialhilfe verabschiedet. Bern hat gemeinsam mit den Städten Zürich und Basel den Verein Citysoftnet gegründet, der im Verbund mit einem privaten Anbieter das System entwickeln und weitervertreiben soll. Die städtische Stimmbevölkerung wird am 23. September über den Kredit befinden. In den Abstimmungsunterlagen wird die Entwicklung eines eigenen Systems als alternativlos dargestellt, da alle bisherigen Systeme in der Schweiz am Ende ihrer Lebensdauer angelangt seien.

«Auf Gemeinderat verlassen»

Laut der bisherigen Betreiberfirma Diartis ist das aber eine «Falschaussage». Diartis liefere der Stadt Bern nach wie vor einen «Topservice» und investiere laufend in die Entwicklung der Produkte, sagt Geschäftsleiter Beat Hohermuth. Die Firma ist in der Ausschreibung des Vereins Citysoftnet der Konkurrenz unterlegen, obwohl sie eine Standardlösung für bloss sechs Millionen Franken angeboten hatte.

Das tiefere Alternativangebot war im Stadtrat kein Thema. Auch in den Abstimmungsunterlagen wird es nicht erwähnt. Selbst die Bürgerlichen hatten daher den 18,9-Millionen-Kredit im Stadtrat gutgeheissen. «Wir haben uns auf die Angaben des Gemeinderats verlassen», sagt FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher. Wenn es jetzt tatsächlich eine wesentlich günstigere Variante gebe, «müsste man die Übung abbrechen und neu starten», sagt Eicher. Bei den Mitte-Parteien ist man trotz der neuen Fakten zurückhaltender. Eine Ablehnung des Kredits wäre nicht wünschenswert und wohl auch juristisch heikel, sagt GLP-Stadträtin Marianne Schild. (Der Bund)

Erstellt: 16.08.2018, 06:29 Uhr

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