Ohne Geld fehlt der Platzwart

Der Berner Gemeinderat will die sommerliche Bespielung der Schützenmatte nicht mehr finanzieren. Jetzt muss die Stadt neue Interessenten finden, welche den neuralgischen Ort beleben.

Noch ist nicht klar, wer ab August auf der Schützenmatte die Organisatoren des autofreien Parkplatzes übernimmt.

Noch ist nicht klar, wer ab August auf der Schützenmatte die Organisatoren des autofreien Parkplatzes übernimmt. Bild: Valerie Chetelat (Archiv)

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Die diesjährige Bespielung der Berner Schützenmatte ist ungewiss: In zwei Monaten sind die Autos weg – ebenso die bisherigen Organisatoren um den Verein Neustadtlab. Dieser hatte die letzten beiden Jahre während je zweier Monate die Verantwortung über den Platz übernommen und wollte dies auch heuer tun. Doch nun ist klar, dass die Stadt nichts mehr an die Platzbespielung zahlt. Der Gemeinderat teilte mit, er sei der Meinung, eine temporäre Belegung der Schützenmatte sei auch ohne städtische Fördermittel möglich. «Wir sind über den Entscheid enttäuscht», sagt Ramon Stricker vom Organisationskomitee des Neustadtlab 2017, welches sich nun vom Platz zurückzieht. Der Gemeinderat habe mit dem Entscheid eine Kommerzialisierung des Ortes eingeläutet. Kurzfristig einen neuen Geldgeber will das Neustadtlab nicht suchen: «Einem Sponsoring sind wir abgeneigt, da wir unter Belebung keine Kommerzialisierung des Raumes verstehen», sagt Stricker. Im Jahr 2015 unterstützte die Stadt das Experiment Neustadtlab, das verschiedene Nutzungen des Platzes testete, mit 90'000 Franken, im letzten Jahr mit 75'000 Franken.

Doch mit dem Entscheid will der Gemeinderat nicht die Tanzkurse, Performances und einfachen Bars verhindern, die es im letzten Jahren auf dem Platz gab. Der Gemeinderat betonte in seiner Medienmitteilung, er sei sehr interessiert, dass der Platz vor der Reitschule auch diesen Sommer bespielt werde. Er habe aber erst vor ein paar Wochen erfahren, dass die Organisatoren wieder mit einem Beitrag der Stadt rechneten, so Stadtpräsident Alec von Graffenried. «Die Zeit hat nicht mehr gereicht, um dem Stadtrat für ein diesjähriges Stadtlabor eine Krediterhöhung vorzulegen.» Deshalb habe die Stadtregierung ein Gesuch des Vereins Neustadtlab um finanzielle Unterstützung ablehnen müssen (siehe Interview).

Kein Platz wie jeder andere

Enttäuscht über den Entscheid ist Stadträtin Stéphanie Penher (GB): «Die Finanzierung hätte im Sinne der neuen Kulturstrategie auf mehrere Direktionen aufgeteilt werden können.» So hätten etwa die Abteilung Kulturförderung oder die Bildungsdirektion einen Beitrag an das Projekt leisten können. Dem widerspricht von Graffenried: «Die juristische Lage ist klar: Wir können das Geld nicht losgelöst vom letztjährigen Kredit sprechen.»

Penher betont auch, dass es einen Verantwortlichen für die Ordnung auf dem Platz brauche: «Und da es sich bei der Schützenmatte nicht um einen Platz wie jeden andern handelt, kann man auch nicht einen privaten Sicherheitsdienst aufstellen», sagt die Stadträtin. Dem pflichtet Diego Dahinden bei, der zusammen mit andern in den letzten Jahren eine Bar auf der Schütz betrieben hatte. Doch dieses Jahr will er nun darauf verzichten: «Was den Ort ausmachte, waren die vielen unterschiedlichen, farbigen Projekte. Diese drohen nun ins Wasser zu fallen.» Er kann sich vorstellen, dass sich jemand finden liesse, der nun spontan ein gastronomisches Projekt auf die Beine stelle – doch sei die Schützenmatte ein sensibler Ort, wie er warnt: «Eine kommerzielle Nutzung hat es nicht einfach.» Der jungfreisinnige Stadtrat Thomas Berger glaubt dagegen, dass mit genügend langer Planungszeit durchaus eine selbsttragende Gastrokultur auf der Schützenmatte möglich sei: «Darum verstehe ich, dass die Stadt kein Geld mehr spricht.» Dass der Entscheid aber erst jetzt kommuniziert wurde, sei unvorteilhaft.

Wie geht es nun weiter? Die Stadt rät Interessenten, sich an die Präsidialdirektion zu wenden. Letzjährige Konzertveranstalter wollten auf Anfrage nicht ausschliessen, auch ohne Verein Neustadtlab dieses Jahr erneut etwas zu organisieren: «Aber nur unter der Bedingung, keine Verantwortung für die Sicherheit übernehmen zu müssen», sagt einer der Veranstalter, der ungenannt bleiben will. (Der Bund)

Erstellt: 01.06.2017, 13:23 Uhr

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