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Stadt Bern einigt sich mit YB auf Kuhhandel zu Sicherheitskosten

YB und SCB akzeptieren, dass das Abgeltungsmodell für die Kosten der Polizeieinsätze weitergeführt wird. YB ist trotzdem «nicht happy».

Bis 2014 leisteten der SCB und der BSC YB einen Pauschalbeitrag für Polizeieinsätze.
Bis 2014 leisteten der SCB und der BSC YB einen Pauschalbeitrag für Polizeieinsätze.
Adrian Moser (Archiv)

Bei einem grossen Sportmatch entstehen bei den Anhängern der beiden Teams gemischte Gefühle. Euphorie kann in Ungestüm, Enttäuschung in aggressive Verbitterung ausufern. Daher muss für allseitige Sicherheit gesorgt werden. Doch Sicherheit kostet Geld, und die Frage bleibt: Wer zahlt?

In Bern ist die Antwort kompliziert. Bis 2014 hatten der BSC YB und der SCB einen Pauschalbeitrag von 60'000 Franken pro Saison an die Kosten der Polizeieinsätze zu leisten. In diesem Jahr wurde aber zwischen den Clubs und dem Berner Gemeinderat eine neue Vereinbarung ausgearbeitet. Die Polizei übernimmt die Grundversorgung von durchschnittlich 200 Einsatzstunden pro Spiel. Kommen Mehrkosten auf, müssen sich die Clubs beteiligen – entweder mit 1.50 Franken pro Zuschauer oder mit 60 Prozent der Extrakosten. Dieses Kostendach kann auf 50 Prozent sinken, wenn die Vereine zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergreifen.

Das Modell ist bis Ende Saison in Kraft, nun soll es verlängert werden. «Die zuständige Direktion und die beiden Sportclubs haben sich geeinigt, das aktuelle Abgeltungsmodell zu erneuern», teilte die Stadt mit. «Die Lösung, die wir gefunden haben, hat sich bewährt», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause. Seit 2011 sinkt der Polizeiaufwand an den Matchs tendenziell. Diese Entwicklung und das Engagement der Vereine hätten laut Nause auch die anfangs skeptischen Stimmen im Stadtrat überzeugt.

YB beisst sich auf die Zunge

Die Clubs hatten den strengeren Abgeltungsvertrag 2014 mit wenig Begeisterung angenommen. Seither hat sich die Abmachung unterschiedlich auf sie ausgewirkt: YB musste für die Sicherheit in den letzten drei Saisons 1,27 Millionen Franken hinblättern; der SCB hingegen gar nichts.

«Die Vereine wollten keine neuen Bedingungen aushandeln», sagt Nause. Dieser Darstellung der Ereignisse widerspricht jedoch YB-CEO Wanja Greuel: «Das Modell kostet uns viel Geld, wir hatten uns andere Bedingungen gewünscht.» Die Errechnung der Grundversorgung sei unfair, da der SCB mehr Spiele absolviere. Trotzdem sei der BSC der Stadt entgegengekommen. Greuel hofft nämlich auf Gegenleistungen: «Man hat in Aussicht gestellt, dass man uns beim Mangel an Trainingsplätzen weiterhilft.» Er sei «nicht happy», die Sache sei aber «ein Geben und ein Nehmen». Der SCB sagt auf Anfrage lediglich, dass «die Zusammenarbeit mit der Polizei gut funktioniert hat».

«Das Modell kostet uns viel Geld; wir hatten uns von der Stadt andere Bedingungen gewünscht.»

Wanja Greuel, CEO des BSC YB

Auch im Stadtrat stösst die Vereinbarung nicht auf ungeteilte Zustimmung. BDP-Stadtrat Philip Kohli versteht nicht, weshalb die Clubs die Kosten mittragen müssen. «Die Leute sind ja auch empört, wenn Demo-Organisatoren Sicherheitskosten übernehmen sollen.» Dafür schlägt er vor, dass die Clubs auf andere Art zur Sicherheit beitragen: «Besser wäre, wenn die Clubs direkt mehr in Fanarbeit investieren würden, anstatt das Geld an die Behörden abzugeben.» Ohnehin sei der wirtschaftliche Mehrwert der Sportvereine in Bern verkannt. «Es wird selten beachtet, dass die Klubs viele Konsumenten in die Stadt bringen.»

Stefan Jordi, Co-Präsident der städtischen SP, kritisiert die Abgeltungen aus entgegengesetzten Gründen. «Die Clubs könnten stärker in die Verpflichtung genommen werden.» Schon bei der Einführung des Konzepts 2014 plädierte er für höhere Abgeltungen. «Das Modell hat sich im Grossen und Ganzen bewährt, meine Meinung ist aber immer noch dieselbe wie damals.»

Keiner der beiden rechnet aber damit, dass ihre Wünsche umgesetzt werden. «Der Entscheid wird wohl vom Stadtrat durchgewinkt», sagt Kohli. «Man will keinen vertragslosen Zustand.»

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