Stadt Bern droht Chaos beim Bahnhofausbau

Wegen eines Bund-Entscheids klafft beim Ausbau des Berner Bahnhofs eine Finanzierungslücke. Gemeinderätin Ursula Wyss ist «konsterniert».

Ein Modell zeigt, wie der Berner Bahnhof der Zukunft aussehen soll.

Ein Modell zeigt, wie der Berner Bahnhof der Zukunft aussehen soll. Bild: Adrian Moser

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Kaum ist der Startschuss für den Ausbau des Berner Bahnhofs gefallen, folgt bereits der erste Rückschlag. Davon betroffen sind die Pläne der Stadt Bern, die im Rahmen des Gesamtausbauprojekts für eine Neuregelung der Verkehrsführung um den Bahnhof zuständig ist. Dieser Dämpfer wird den Bauarbeiten von unerwarteter Seite verpasst: Der Bund weigert sich vorläufig, Gelder für verschiedene Teilprojekte zu sprechen.

In seiner am Mittwoch erschienenen Vernehmlassungsvorlage zum Programm Agglomerationsverkehr (PAV) hat er den Grossteil der damit zusammenhängenden Projekteingaben von Stadt und Kanton auf die B-Liste der Prioritäten gesetzt. Dort landen Eingaben, die entweder erst zwischen 2023 und 2026 bau- und finanzreif sind oder ein ungenügendes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen.

Wieso werden die geplanten Massnahmen vom Bund als Projekte zweiter Klasse eingestuft? Tiefbau- und Verkehrsdirektorin Ursula Wyss ist «konsterniert». «Der Entscheid widerspricht allen bisherigen Abmachungen zwischen den involvierten Projektpartnern SBB, RBS, Kanton und Stadt.» Insgesamt fehlt nun ein Betrag von 84,7 Millionen Franken. Damit hätten bis zur Bahnhoferöffnung 2025 verschiedene Massnahmen umgesetzt werden sollen, um die Fussgängerströme beim neuen Bahnhofzugang Bubenberg gewährleisten zu können.

Da dazu nun das Geld fehlt, könne es zu «sehr kritischen» Situationen kommen, sagt Wyss. Denn die heutige Verkehrsführung sei nicht mit dem neuen Bahnhof kompatibel. «Der Knoten Bubenbergplatz ist bereits heute am Anschlag.» Der Fussgängerstreifen zwischen Hirschengraben und Bubenbergzentrum komme schon jetzt auf bis zu 7000 Überquerende pro Stunde. Bei der Eröffnung des neuen Bahnhofs würden es 17 000 sein. Das hätte Einschränkungen für den ganzen Verkehr zu Folge. «Grünzeiten müssten für den Fussverkehr massiv verlängert werden, was zu einem Stau führen würde.» Ohne diese Massnahme würden sich die Fussgänger aber bei den Strassenübergängen stauen. «Der neue Bahnhofzugang Bubenberg wird so nicht funktionieren können.»

Wie rechtfertigt das Bundesamt für Raumentwicklung den Entscheid? «Die Fertigstellung des Bahnhofs fällt nicht in den Zeithorizont für eine A-Priorität», sagt PAV-Leiterin Isabel Scherrer. Das heisst, das Projekt soll umgesetzt werden, aber erst, wenn die zentralen Elemente des Bahnhofs Bern umgebaut und in Betrieb sind. Eine andere Verkehrsmassnahme am Bahnhof, welche nach Einschätzung des Bundes mit der Fertigstellung des Bahnhofs Bern zusammen umgesetzt werden kann, wurde deshalb zur Finanzierung vorgeschlagen.

Späte Fertigstellung als Grund

Wenn die Projekte nicht hochgestuft werden, rechnet Wyss damit, dass sie erst mit der Eröffnung des Bahnhofs gebaut werden können. «Das wäre völlig unsinnig.» Auch die Berner Verkehrsdirektorin Barbara Egger zeigt sich negativ überrascht über den Entscheid des Bundes: «Wir müssen nun den Prüfungsbericht abwarten, darin ist ersichtlich, warum das Projekt nicht als prioritär eingestuft wurde.»

In der Vernehmlassung werde man sich dafür starkmachen, dass das Projekt in die Priorität A aufgestuft werde, damit der Bahnhof bei der Eröffnung funktionieren könne. Schon bei der Vernehmlassung des zweiten Agglomerationsprogramms habe man etwas bewirken können, sagt Egger. Denn für die Realisierung des RBS-Bahnhofs und der Publikumsanlagen hat der Bund bereits rund 270 Millionen Franken gesprochen. (Der Bund)

Erstellt: 17.01.2018, 20:11 Uhr

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