Staatsanwaltschaft sucht Besitzer von 120 Franken

Nach dem Farbanschlag auf die Berner Polizeikaserne wurden bei einer Razzia an der Murtenstrasse Beweismittel beschlagnahmt – jedoch nicht die gesuchten.

Das durchsuchte Haus an der Murtenstrasse 34A wurde inzwischen abgerissen.

Das durchsuchte Haus an der Murtenstrasse 34A wurde inzwischen abgerissen. Bild: googlemaps

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Mit einem grossen Aufgebot fuhr die Berner Kantonspolizei am Morgen des 19. August 2015 an der Murtenstrasse 34A vor. Vermummte Polizisten durchsuchten das Haus, das von Leuten aus der linksradikalen Szene bewohnt wurde. Das Ziel der Beamten: einen der Farbbeutelwerfer zu finden, die im Februar 2015 die Polizeizentrale am Waisenhausplatz, das Regionalgefängnis an der Hodlerstrasse und Polizeiautos beschädigt und dabei einen Polizisten verletzt hatten.

Den gesuchten Täter fanden die Polizisten zwar nicht, dafür wurde diverses Material beschlagnahmt: Luftdruckpistolen, eine Machete, ein Schlagstock, Vermummungsmaterial, mehrere Hundert Spraydosen, Diebesgut und Dienstkleidung nicht näher genannter Institutionen, die «mit grosser Wahrscheinlichkeit als Tarnung bei illegalen Sprayereien verwendet wird», wie die Polizei damals mitteilte.

Drogengeld eingezogen

Was die Polizei nicht erwähnte: Es wurden auch Bargeldbestände mitgenommen. Ein Teil davon wurde als «Drogenerlös» eingezogen oder «zwecks Deckung der Busse und Verfahrenskosten» der Staatskasse zugeführt, wie Christoph Scheurer, Sprecher der bernischen Staatsanwaltschaft, auf Anfrage schreibt. «Eine Person wurde wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz mit Strafbefehl zu einer unbedingten Geldstrafe sowie Busse verurteilt.»

Der Rest des beschlagnahmten Bargelds sei den Bewohnern der Murtenstrasse zurückgegeben worden, schreibt Scheurer. Zurück blieb jedoch ein Betrag von 120 Franken. Im bernischen Amtsblatt ruft die Staatsanwaltschaft den Besitzer des Geldes nun auf, seinen Anspruch darauf schriftlich anzumelden. Wenn dies in den kommenden fünf Jahren nicht geschehe, falle das Geld an den Kanton Bern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand meldet, ist nicht allzu gross: Die Wohngemeinschaft an der Murtenstrasse 34A existiert in dieser Form nicht mehr: Der Zwischennutzungsvertrag mit der Stadt ist ausgelaufen und das Haus wurde inzwischen abgerissen – es weicht einem Laborneubau der Universität Bern.

Farbbeutelwerfer wird angeklagt

Die Razzia wurde damals von linken Kreisen scharf kritisiert: Die Polizei sei mit unverhältnismässiger Härte vorgegangen. Im Gegensatz zur Hausdurchsuchung, die gleichtags in einem Haus in Ostermundigen stattfand (siehe Text rechts), wurde aber im Fall Murtenstrasse keine Anzeige gegen die Polizei erstattet. Einen der Farbbeutelwerfer vom Februar 2015 glaubt die Staatsanwaltschaft inzwischen identifiziert zu haben – offenbar aber nicht aufgrund der an der Murtenstrasse gesammelten Beweise. Ein «junger Mann» werde angeklagt, teilt Staatsanwaltschafts-Sprecher Scheurer mit. Das Verfahren gegen weitere Personen sei hingegen eingestellt beziehungsweise sistiert worden. (Der Bund)

Erstellt: 17.04.2018, 06:50 Uhr

Mit Anzeige gegen Polizei abgeblitzt

Ebenfalls am 19. August 2015 durchsuchte die Berner Kantonspolizei das vom Kollektiv «Familie Osterhase» bewohnte Haus an der Bernstrasse in Ostermundigen. Die Bewohner zeigten darauf die an der Aktion beteiligten Polizisten an. Um Befangenheit zu verhindern, übernahm Alberto Fabbri, ein Staatsanwalt aus Basel-Stadt, den Fall.

Er fand keine unrechtmässigen Vorgänge und wollte den Fall einstellen. Doch ein Rekurs beim bernischen Obergericht hatte im Dezember 2016 Erfolg: Fabbri musste die Befragungen der Polizisten im Beisein des Klägeranwalts wiederholen. Dies änderte jedoch am Ausgang des Verfahrens nichts: Es wurde 2017 schliesslich definitiv eingestellt.

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