Spontan und ausgefallen: Das YB-Radio Gelb-Schwarz feiert

Wenn die Young Boys den Ball im Netz platzieren, jubeln sie hemmungslos ins Mikrofon. Vor fünf Jahren realisierten YB-Fans den Traum vom eigenen Radio.

Fans als Radiomacher (von links nach rechts): Simon Klopfenstein, Dario Hitz, Gabriel Haldimann und Brian Ruchti.

Fans als Radiomacher (von links nach rechts): Simon Klopfenstein, Dario Hitz, Gabriel Haldimann und Brian Ruchti.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Für einmal warteten die Fans des BSC Young Boys am letzten Mittwoch vergeblich auf den beherzten und ohrenbetäubenden Torjubel der Moderatoren von Radio Gelb-Schwarz. Eine bittere Niederlage mit drei Gegentoren kassierten die Berner im Wallis. «Wir haben uns richtig genervt», sagt der eingefleischte YB-Fan und Radiomacher Brian Ruchti. Doch längst ist die Niederlage vergessen, die schlechte Stimmung verflogen. Schon zu fest sind Ruchti und seine Kollegen abgehärtet, um bei einer solchen Niederlage den Kopf hängen zu lassen. Vielmehr hecken sie voller Vorfreude Pläne für die nächsten Sendungen aus.

Aus «Liebe für die Young Boys»

In diesen Tagen feiert das YB-Fanradio seinen Geburtstag. Seit fünf Jahren schicken Brian Ruchti, Simon Klopfenstein, Dario Hitz und Gabriel Haldimann ihre Livesendungen während der YB-Spiele über den Äther. In Fankreisen ist Radio Gelb-Schwarz, wie sie es nennen, weit herum bekannt. Und auch die offizielle Seite des BSC YB unterstützt das ansonsten vom Verein unabhängige Radio finanziell. Man darf sagen, dass der Sender mittlerweile zum Klubinventar gehört, zumindest wenn es nach der Fangemeinde geht.

Angefangen hatte das Projekt mit der «Liebe für die Young Boys» von Ruchti und Klopfenstein und deren Begeisterung für die Fussballkommentatoren am Fernsehen: «Wir hatten beide den Traum, Sportkommentator zu werden», sagt Ruchti. Als dann das Sportradio der Swisscom 2008 eingestampft wurde, sahen die beiden ihre Chance gekommen: Mit eigenen finanziellen Mitteln und der Unterstützung von Freunden besorgten sie ein mobiles Studioequipment und begannen, die YB-Spiele aus den Stadions zu übertragen.

Radiostudio Wohnzimmer

Egal ob in Bern, Zürich, Liverpool oder Moskau: Wenn die Fussballer des BSC YB das runde Leder kicken, dann sind auch die jungen Moderatoren mit von der Partie. Bis heute hat das vierköpfige Team seit Sendestart fast ausnahmslos alle Heim- und Auswärtsspiele übertragen. Wenn es nicht anders ging, wichen sie auch mal ins eigene Wohnzimmer aus und simulierten die Stimmung im Stadion mit eigenes zusammengeschnittenen Fangesängen aus Videos. «Selbstverständlich haben wir unsere Hörer am Ende der Sendung darüber aufgeklärt», sagt Ruchti und schmunzelt.

Traum vom Titel

Diese und ähnliche Aktionen machen Radio Gelb-Schwarz zu dem, was es ist. «Spontan», «ehrlich» und «unverfroren», wie es die Macher nennen. Und auch sonst wirkt der YB-Fansender eher unkonventionell. Auf einen Sendeplan verzichtet man. Vielmehr steht die Spontaneität an erster Stelle: «Wir sind Improvisationskünstler mit einem grossen Fundus an Ideen, aus dem wir schöpfen können», sagt Haldimann. Trotzdem stehen sie mit ihrem Radio keineswegs im Abseits: Bei hoch frequentierten Sendungen zählt der Sender gemäss Angaben von Mitgründer Ruchti gegen 10'000 Hörerinnen und Hörer, durchschnittlich seien es rund 4000 pro Sendung.

Schon manches Hoch und Tief haben die Moderatoren in den letzten fünf Jahren mit YB durchlebt. Doch das Radio aufzugeben, war nie eine Option, auch wenn die Niederlagen manchmal hart waren. Nicht zuletzt treibt sie ein bestimmter Wunsch an: mit dem Radio auf Sendung zu sein, wenn ihre Mannschaft den Meisterschaftstitel nach Jahrzehnten endlich wieder nach Bern holt.

Der Bund

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