SP will Banken aus der Altstadt verbannen

Weil Banken «traurig» und «steril» wirkten, wollen Berner SP-Stadträte, dass die Lauben der Altstadt künftig nur noch Kleingewerblern, Gastronomen und Kulturschaffenden zur Verfügung stehen.

An dieser Bankfiliale an der Kramgasse scheiden sich die Geister.

An dieser Bankfiliale an der Kramgasse scheiden sich die Geister.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Besonders die Filiale des VZ Vermögens-Zentrums an der Kramgasse 66 ist Stadträtin Katharina Altas (SP) ein Dorn im Auge. Sie wirke sehr abweisend und verfüge kaum über Laufkundschaft, sagt ­Altas. Altas reicht zusammen mit ihrer Partei- und Fraktionskollegin Marieke Kruit an der nächsten Sitzung am 29. Januar die Motion «Keine weiteren ‹toten Fenster› in der Berner Altstadt» ein. Mit dem Vorstoss wird der Gemeinderat aufgefordert, die Bauordnung zu ändern. In Zukunft sollen die Lauben und Parterregeschosse in der Berner Altstadt nur noch Detailhändlern, dem Gast- und Kleingewerbe sowie Kulturbetrieben vorbehalten und Banken und weitere Dienstleister ausgeschlossen sein.

Die Finanzdienstleister und die weiteren «toten» Schaufenster in der Altstadt wiesen nicht nur eine «traurige Sterilität» auf, heisst es im Vorstoss. Sie würden auch den Unesco-Richtlinien wider­sprechen, dass das traditionelle Gewerbe in der denkmalgeschützten Altstadt beizubehalten sei, sagt Altas. Vor dem Inkrafttreten der neuen Bauordnung soll der Gemeinderat eine Planungszone schaffen, die den weiteren Zuzug von Banken und Dienstleistern unterbindet.

Immobilienpreise steigen massiv

Nebst ihrer Sorge um das historische Erbe sieht die Stadtberner SP in der Altstadt auch einen ökonomischen Verdrängungskampf im Gange. Die Banken seien derart potent, dass sie das lokale Gewerbe verdrängten, sagt Altas.

Die Quadratmeterpreise seien die letzten Jahre massiv gestiegen, sagt auch Stefanie Anliker, Präsidentin der Vereinigten Altstadtleiste (VAL), welche die Interessen von Anwohnern, Geschäftsleuten, Haus- und Wohnungseigentümern vertreten. Der Handlungsbedarf sei da und die Stossrichtung der Motion richtig, sagt Anliker. Dennoch seien einige Details anzupassen. Im Gegensatz zur oberen Altstadt, wo bereits heute eine strenge Bauordnung nur Gastgewerbebetriebe und Warenläden erlaubt, soll es in der unteren Altstadt auch Raum für Architekten, Kreative und «Freaks» geben, so Anliker.

Die Altstadtleiste wollen eine lebendige Nutzung im Parterre, so deren Präsidentin. Auch Anliker kritisiert den Standort der Filialen der Banco Popolare di Sondrio (BPS) und des VZ Ver­mögens-Zentrums an der Kramgasse. Es könne nicht sein, dass man bei der BPS auf eine weisse Wand und beim VZ Vermögens-Zentrum auf oft unbesetzte ­Tische und Stühle schaue.

Kritisierte Bank wehrt sich

«Der Eindruck, dass unsere Filiale in der Kramgasse abweisend wirkt, stammt wahrscheinlich aus der Bauphase», entgegnet Daniel Ruch, Filialleiter des VZ Vermögens-Zentrums an der Kramgasse 66. Man bemühe sich um eine helle, freundliche Atmosphäre. Die neue Zweigstelle sei im Lounge-Stil mit grossen Schaufenstern gehalten, sagt Ruch. Die Filiale in der unteren Altstadt wurde zu Jahresbeginn eröffnet, weil es am bisherigen Standort an der Spitalgasse keinen Parterrezugang gibt.

Statt von toten Schaufenstern spricht der Filialleiter von einer Belebung der unteren Altstadt. Seit der Eröffnung ­besuchten täglich 20 bis 30 Kunden die Seminare in der Bank; sie seien damit auch potenzielle Kunden für die umliegenden Geschäfte. Weiter sagt Ruch, er lege Wert darauf, dass man ein gutes Verhältnis zu Mietern und Nachbarn pflege. Zudem sei während des Bau­bewilligungsverfahrens abgeklärt worden, ob die neue Zweigstelle den strengen Anforderungen in der unteren Altstadt entspreche, so der Filialleiter.

SVP spricht von Ideologie

SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob hält wenig vom SP-Vorstoss. «Man kann den Rat auch anders beschäftigen», sagt er. Jakob spricht von einem ideologisch und planwirtschaftlich geprägten Vorschlag, den die SVP im Stadtrat nie unter­stützen werde.

Der Hauseigentümer solle selber bestimmen, was er in seinen Räumlichkeiten tun und lassen wolle, sagt Jakob. Um dem Problem der explodierenden Immo­bilienpreise in der Berner Altstadt zu begegnen, müssen laut Jakob mehr Wohn- und Gewerbeflächen bereit­gestellt werden. Der SVP-Fraktionschef fordert die rot-grünen Parteien zudem auf, von der Ideologie zur Sachpolitik zurückzukehren. Statt nur für die Anliegen von Velofahrern und Fussgängern zu kämpfen, müsse sichergestellt sein, dass auch das Gewerbe seinen Platz ­bekomme.

Der Bund

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