So wird die Reitschule zum Sicherheitsrisiko

Nur weil sich alle daran gewöhnt haben, darf man den jüngsten Gewaltausbruch gegen ein Symbol der Staatsmacht nicht mit dem ewig gleichen folgenlosen Empörungs­ritual abhandeln.

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Patrick Feuz@patrick_feuz

Alles halb so wild, könnte man nach der Attacke von zwei Dutzend Chaoten gegen die Polizeiwache sagen. Bei der Reitschule fliegen ja schon lange Flaschen gegen Polizeiautos. Und das Amthaus, wo die Justiz ihre Arbeit macht, präsentiert sich selten ohne Farbspritzer.

Doch nur weil sich alle daran gewöhnt haben, darf man den jüngsten Gewaltausbruch nicht mit dem ewig gleichen folgenlosen Empörungs­ritual abhandeln: Eine Meute zieht aus, um gezielt ein Symbol der Staatsmacht zu schädigen, und nimmt dabei Verletzte in Kauf – jetzt muss etwas passieren.

Wie jeden anderen Kultur- und Unterhaltungsbetrieb behandeln

Die Reitschule hat sich als Kultur- und Partybetrieb etabliert und ist zum generationenübergreifenden Liebling geworden: Wo der Enkel in den frühen Morgenstunden mit Bier und Hanf feiert, geniesst am nächsten Tag sein «Grosi» die Filmvorführung. Doch gerade weil die Reitschule im städtischen Leben so selbstverständlich geworden ist, soll man sie auch wie andere Kultur- und Unterhaltungs­betriebe behandeln.

Wenn die Polizei Kriminellen nicht bis in die Reitschule hinein nachjagt, ist das zwar in vielen Fällen klug, weil sonst übermässiger Kollateralschaden droht. Aber man wünscht sich im Kampf gegen Linksextreme im Umfeld der Reitschule nun rasch ähnliche Fahndungserfolge wie gegen Hooligans.

Engere Kooperation erforderlich

Die rot-grüne Mehrheit muss der Polizei glaubwürdiger den Rücken stärken, damit diese wirksamer eingreifen kann. Vor allem muss die Reitschule-Betreiberin Ikur endlich enger mit der Polizei kooperieren. Entgegen stehen dem bis heute die basisdemokratische Gründungstradition und das Selbstverständnis, eine alternative Insel im Meer von Kommerz und Polizeistaat zu sein. Doch wer einen so grossen Betrieb führt, trägt Verantwortung und kann nicht gegenüber einer gewalttätigen Minderheit in den eigenen Reihen loyal sein.

Die Ikur muss sich von Utopia verabschieden – und der Gemeinderat diesem Prozess mit dem Hebel des Leistungsvertrags rasch nachhelfen. Gelingt das nicht, kannibalisiert sich die Reitschule selber – und der Besuch wird bald zum Sicherheitsrisiko.

Der Bund

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